Nach dem Winter, Entscheide dich
Kapitel 4 ~ Zwischen Traum und Realität
„Hey!", rief mir eine mysteriöse Stimme hinter her. „Bleib stehen, du Miststück!", rief er immer und immer wieder. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich rannte, aber wieso rannte ich? Wieder rief diese Stimme, dass ich stehen bleiben soll, doch ich rannte einfach weiter.
Um mich rum, war nichts als Schnee und Eis, doch mir war nicht mal ansatzweise kalt.
Ich schaute mich um, suchte die Person von der die Stimme ausging, doch ich endeckte niemanden, so sehr ich mich auch anstrengte.
Es fühlte sich so an, als würde ich in einer Endlosschleife stecken, denn immer wieder spielte sich das gleiche ab. Er rief, ich rannte, die gleichen Sätze, die gleiche Umgebung. Plötzlich stürzte mich etwas zu Boden.
Ich riss die Augen auf und fuhr erschrocken hoch. Mein noch teilweise feuchter Schweiß, klebte an meinem ganzen Körper und gerade als ich mich beruhigt hatte und wieder schlafen legen wollte, spürte ich einen kalten Windzug, der mich bibbern ließ. Fragend schaute ich auf mein Fenster, aber es war fest verschlossen und als ich meinen Kopf zur Tür richtete, war diese ebenfalls zu.Gänsehaut machte sich auf meinem Körper breit und ich fing langsam an schwerer und schneller zu atmen. Suchend ließ ich meinen Blick durch das Zimmer gleiten, in der Hoffnung niemanden zu finden und mir alles nur einzubilden, doch der Schatten neben meinem Fenster machte mir einen Strich durch die Rechnung.
Vor lauter Angst vergaß ich zu atmen, sodass meine Lungen sich so zusammen zogen, dass es dermaßen schmerzte und ich vor Schreck, scharf Luft einsog.
Ich blinzelte ein paar mal um mich wieder zu beruhigen, doch als ich meine Augen wieder öffnete, war der Schatten weg.Eisige Luft machte sich in meinem Zimmer breit.
„Es war nur ein Alptraum, Alexis", sagte ich zu mir, damit ich mir selbst glaubte.
Ich sah auf die Uhr auf meinem Handydisplay, die drei Uhr 52 anzeigte.
Ich schloss meine Augen, um ein wenig zu entspannen. „Alexis", flüsterte eine uminöse Stimme in meinem Kopf, die eindeutig nicht mir gehörte.
War ich jetzt etwa verrückt geworden?
Ich musste einfach noch schlafen und träumte das alles nur. „Alexis.. bitte hilf mir", sprach die Stimme erneut in meinem Kopf. Was läuft falsch mit mir, wieso träume ich so einen Mist? dachte ich. Um sicher zu gehen das ich noch schlief, kniff ich mir in meinen Handrücken, doch außer, dass ich nun Schmerzen verspürte, veränderte sich nichts.
Ohne erstmal weiter darüber nachzudenken, schob ich meine Decke zur Seite und stieg aus meinem Bett.
Ich hatte nicht vor, mich großartig schick zu machen, also ging ich ins Badezimmer, zog das schweißnasse Shirt und meine Unterwäsche aus und stieg unter die Dusche. Das warme Wasser prasselte auf meinen kalten Körper. Ich stand eine Weile einfach nur so da, fragte mich was das alles zu bedeuten hatte, aber mir viel das nachdenken einfach zu schwer. Ich drehte den Wasserhahn zu und schnappte mir ein Handtuch um meinen Körper damit einzuwickeln.
Damit ich nicht zu viel Zeit verlor, hatte ich mir gestern Abend schon Unterwäsche, eine Jogginghose und einen großen Pulli ins Badezimmer gelegt.
Nachdem ich mich trocken gerubbelt hatte, zog ich die Sachen an und putzte mir meine Zähne.
Meine nassen Haare band ich mir zu einem unordentlichen Dutt und war damit auch fertig.
Ich schnappte mir meine Handtasche und meinen Koffer, ging damit die Treppen runter und stellte die Sachen an die Komode. Nun hatte ich noch knapp eine Stunde Zeit und machte mir in der Küche eine Schüssel Cornflakes.
Gerade als ich meine Schüssel in die Spülmaschine stellen wollte, wurde die Tür geöffnet und meine Mutter kam rein. „Guten Morgen, Prinzessin", sagte sie und umarmte mich. „Mom! Wie oft soll ich euch noch sagen, dass ihr mich nicht Prinzessin nennen sollt!", protestiere ich erneut. Wieso nannten sie, mein Vater und Anthony mich immer so?
Damals als ich klein war, kam mir das immer so normal vor, wenn mein Vater das tat, aber mittlerweile ist es mehr als komisch. Ich schloss die Spülmaschine und setzte mich zu meiner Mutter in die Wohnstube.
„Mom? Ich muss dann mal.. Kommt Dad denn heute auch nicht nach Hause?", fragte ich sie.
Sie schaute mich wehleidig an und verschränkte die Finger ineinander.
„Dein Vater wurde mal wieder aufgehalten. Es tut ihm sehr leid, dass er dich nicht verabschieden kann, aber ich soll dir ausrichten, dass er dich sehr liebt und dir viel Spaß wünscht", sagte sie und drückte mich ganz fest an sich.
„Außerdem soll ich dich ganz, ganz fest von ihm drücken", nuschelte sie an mein Ohr.
Ich löste mich sanft aus ihrer Umarmung und machte mich auf den Weg zur Tür.
„Ich melde mich wenn ich angekommen bin, hab dich lieb" Ich öffnete die Tür und ging zur Bushaltestelle wo ich mich mit Anthony treffen wollte.
Dort saß noch niemand, also packte ich meinen IPod aus und steckte mir die Kopfhören in die Ohren.
Und wieder einmal, hatte mein Vater mich im Stich gelassen. Damals als ich klein war, war er eigentlich immer da. Nie war der Job wichtiger als ich, aber als ich älter wurde, ließ es nach.
Er war dann manchmal plötzlich Wochen weg. Zuerst war es wirklich schrecklich für mich, aber nach einiger Zeit gewöhnte ich mich daran, lenkte mich mit allem möglichen ab, bis er dann Monate weg blieb und ich ihn manchmal schon vergaß. Gemeldet hat er sich nur bei meiner Mutter, die mir dann immer sämtliche Dinge ausrichten sollte.
Ich habe ihn jetzt seit bereits 4 Monaten und 17 Tagen nicht mehr gesehen und ich habe immer öfters das Gefühl ihn nicht mehr wirklich zu kennen.
Ich zog meinen IPod aus meiner Pullitasche und schaltete ein Lied weiter.
Die Uhr zeigte mittlerweile 5 Uhr 4 an und ich fragte mich, wo Anthony blieb.
Normalerweise war er immer pünktlich und bisher hatte er mich nur ein einziges mal warten lassen.
Meine Kopfhörer wurden mir aus den Ohren gezogen und "Mr. IchschubsegerneLeuteaufdenBoden'' stand auf einmal vor mir.Ich hatte ihn gar nicht bemerkt, so tief war ich wohl in meinen Gedanken versunken.„Ah, Hey Mr. IchschubsegerneLeuteaufdenBoden, was machst du hier?", fragte ich ihn, als er sich neben mich setzte.„Hat Tony dir nichts gesagt?", stellte er als Gegenfrage und zog eine Schachtel Zigaretten aus seinem Koffer. „Erstens, ist rauchen ist ungesund zweitens, antwortet man auf eine Frage nicht mit einer Gegenfrage und abgesehen davon, nein Anthony hat mir nichts gesagt", sagte ich regelrecht angepisst, da ich wusste worauf er hinaus wollte.Er packte die Zigaretten, zu meiner Überraschung, wieder in den Koffer zurück.
„Lass mich raten, er kommt nicht?", enttäuscht stand ich auf und schnappte mir meinen Koffer.
„Ich geh dann mal rein, danke das du so nett warst und extra her gekommen bist, um mir bescheid zu sagen",versuchte ich mit einem glaubhaften Lächeln zu sagen.
„Hey Alexis, warte doch mal!", rief er mir hinter her .Ich blieb stehen und drehte mich um.
„Mh?"
Er kam mit seinen Sachen auf mich zu gerannt, nahm meinen Koffer und ging einfach weiter.
„Ähm, du hast meinen Koffer, den brauche ich", sagte ich verwundert, doch er ließ mich einfach ohne ein Wort stehen. „Hey du!", rief ich, aber er blieb einfach nicht stehen. „Hey, halt! Mein Koffer!", rief ich wieder und da er nicht so aus sah, als würde er je irgendwann stehen bleiben, lief ich ihm nach. „Jetzt bleib doch endlich stehen!", sagte ich und packte ihm an sein Handgelenkt, um mit ihm Schritt halten zu können. Er zog mich einfach mit sich, bis wir an einem schwarzen Benz ankamen.
„Kannst du mir mal bitte sagen was das hier alles soll?", brummte ich, als ich ihm meinen Koffer aus der Hand riss und ihn neben mir abstellte.
Er fing an zu lachen, schnappte sich wieder meinen Koffer und schloss den Kofferraum auf.
„Wärst du nicht gleich so enttäuscht weggestampft, hätte ich dir das alles von vornherein erklären können und nun setzt dich ins Auto", sagte er schlicht, hob einen Koffer nach dem anderen in den Kofferraum und schloss ihn wieder.
Ich öffnete die Tür auf der Beifahrerseite und setzte mich widerwillig hinein.
Den Koffer würde ich sowieso nicht wieder bekommen, da er den Kofferraum abgeschlossen hatte, also hatte es keinen Sinn sich zu wehren.
„Also, was soll der ganze Mist hier? Du weißt, dass das theoretisch Diebstahl ist!", sagte ich schnippisch.
Wieder fing er an zu lachen, was mir langsam ziemlich gegen den Strich ging.
Ich lehnte mich zurück, schnallte mich an und packte meine Tasche auf die hintere Sitzbank.
Er schnallte sich ebenfalls an und steckte den Schlüssel in das Zündschloss.