Shadow of the Night, Blutige Liebe
Kapitel 1
Leslie
Ich sah in den Spiegel und verspürte auf ein neues Hass. Alles an mir, meine schwarzen Haare, meine schwarzen Augen, meine bleiche Haut, alles schien mir falsch. Niemand hatte das verdient, nicht ich, nicht ein Fremder, niemand. Und doch war ich es, die es ertragen musste. Wie oft stand ich vor dem Spiegel und stellte mir nun schon diese Fragen: Warum ich? Konnte es nicht jemand anderes treffen? Was hatte ich getan?, doch es brachte alles nichts. Dies war mein Leben, mein Schicksal, mein Verdammnis. Sich darüber aufzuregen würde sowieso nichts ändern. Nichts würde etwas ändern.
Mit trauriger Miene betrachtete ich mich. Meine Mundwinkel hingen herab, ein vertrauter Gesichtszug. Manchmal fragte ich mich, wie ich wohl durch die Welt lief. Keiner bemerkte meinen Schmerz, aber wer sollte auch. Ich hatte keine Freunde, niemanden, dem es auffallen könnte. Warum verweilte ich eigentlich immer noch auf diesem Planeten. Was hatte sich Gott dabei gedacht, mich zu erschaffen. Er hatte mich erschaffen, damit ich leide. Damit ich fühlen konnte, wie es anderen Leuten ging, damit ich anderen Leuten Schmerz zufügen konnte. Er hatte mit mir einen Fehler gemacht; einen gewaltigen Fehler, den er nun nicht mehr rückgängig machen konnte. Nicht das erste Mal wurde mir klar, dass Gott auch Fehler machte. Niemand war perfekt und so Gott wohl auch nicht.
Meine schwarzen Haare glänzten, sie sahen anmutig aus, fast schon atemberaubend, doch ich wollte sie nicht. Ich erinnerte mich daran, wie sie hätten sein können, wenn mein Leben nicht so verlaufen wäre. Vielleicht wären sie braun, oder vielleicht sogar blond geworden. Vielleicht hätte ich blaue Augen bekommen, oder grüne. Alles wäre erträglich gewesen, solange es nicht so wäre, wie es nun war.
Krampfhaft schloss ich meine Augen, um mir die Träne zu verkneifen, die sich meine Wange herunter schleichen wollte, doch es war zu spät. Schön spürte ich, wie die warme Flüssligkeit langsam an meiner Haut herunter lief. Ohne ein Laut zu machen, wischte ich sie weg und sah noch ein letztes Mal in den Spiegel. Genug Leid für heute. Mehr konnte ich an diesem Tag nicht mehr ertragen. Wer wusste, was passieren würde, wenn ich länger hier sitzen bleiben würde. Wem würde ich mein Leid als nächstes antun? Es schmerzte mir, andere Leute zu verletzten, doch ich hatte keine Wahl. Sie sollten meinen Schmerz spüren, wie ich ihn spürte.
Langsam wandte ich mich vom Spiegel ab, doch das Gefühl, unnütz zu sein, blieb an mir haften.
Es war früh morgens, die Sonne stand schon am Himmel, doch es war keinerlei Wärme zu verspüren. Diese Jahreszeit hatte ich noch nie verstanden.
Frühling. Man wusste nie, ob und wann es warm werden würde. Manchmal ist man erstaunt über das Wetter, doch wenn man nicht aufpasst, wird man sofort getäuscht. Es fängt an zu regnen und plötzlich fühlt man sich wieder wie im kältesten Winter.
Mit leisen, fast anmutigen Schritten schlich ich durch das Wohnzimmer. Man könnte meinen, ich tat das, um keinen aufzuwecken, doch die traurige Wahrheit war, dass es niemandem gab, den ich hätte stören können. Ich war alleine in diesem gottverlassenen Haus. Wie oft schon hatte ich mir gewünscht, eine Mitbewohnerin zu haben, eine Freundin, die mir helfen konnte, doch ich wusste, es wäre falsch. Am Ende würde sie sowieso tot sein und ich würde erneut Hass auf mich verspüren. So war es besser.
Um meine Gedanken loszuwerden, schüttelte ich demonstrativ den Kopf. Ich hatte das Bad fast erreicht, mein Ziel, mein Ort der Erlösung. Er war meine Freundin, der Ort, bei dem ich mich geborgen fühlte. Jedenfalls für wenige Momente.
Ohne weiteres Zögern öffnete ich die große, weiße Tür, die sich nun vor mir erstreckte und steuerte schnurstracks auf die Kommode zu. Schnell holte ich ein rotes Handtuch heraus, welches fast schon so aussah, als wäre es mit Absicht rot. Das ließ ein Lächeln auf meinem Gesicht erscheinen, welches jedoch sofort wieder verschwand.
Ich setzte mich auf den Boden und zog meine Hose aus. Meine Beine hatten viele Narben, die mich nur daran erinnerten, wie viele Tage ich schon hier gesessen war, um mir den Schmerz abzunehmen, mich vor ihm zu verstecken. Und doch hatte es nichts geholfen. Nichts würde mir helfen. Nichts. Nichts. Nichts.
Niemals.
Aus einer Schublade nahm ich mir eine Rasierklinge und führte sie zu meinen Beinen, auf die ich noch einen letzten Blick warf. Ich nahm tief Luft und fügte mir lächelnd eine weitere Wunde zu, die früher oder später zur Narbe werden würde.
Ein einziger kleiner Bluttropfen lief an meinem Oberschenkel herunter. Ein Tropfen, der so viel beschrieb. Die Erlösung, das Brennen, wenn ich meine Hose wieder anzog, den Schmerz, der mich ablenken würde, wenn es mir erneut schlecht gehen wird. Ein Tropfen, der mich auf ein Neues von meinem Leben erlöste.
Elle
»Nein, Gerard, wir können das nicht machen. Nicht jetzt, nicht hier. Nicht so.«
Ich versuchte ihn wegzudrücken, allerdings mit wenig Erfolg. Er zog mich noch fester an sich, lächelte mich an und drückte mir seine Lippen auf den Mund. Sein Wärme umschlang mich auf ein Neues und ich war versucht es zuzulassen. Doch ich konnte nicht, egal wie angenehm es war. Verzweifelt versuchte ich mich zu wehren, doch er war zu stark für mich. Von ihm konnte man nichts anderes erwarten, immerhin war er Captain des Baseball Teams und ging außerdem jedes Wochenende ins Fitnesscenter.
Ohne Chance auf einen Ausweg trat ich ihn mit meinem Bein, was ihn kurz aus der Fassung brachte. Ich nutzte den Moment um mich aus seinen Armen zu befreien.
»Nein! Hör auf!« zischte ich.
Diesmal tat er , was ich sagte. Sofort wich die Aufregung aus seinen blauen strahlenden Augen, denn ihm wurde klar, dass es nichts mehr bringen würde, mich weiterhin zu küssen, meine Entscheidung stand fest. Außerdem wollte er mich bestimmt zu nichts zwingen. Ein langer Moment verging, in dem er mich einfach nur ansah, denn er war ziemlich aus der Puste und musste sich erst fassen. Sein Brustkorb hob sich einige Minuten schwer und sank dann wieder, bis er schließlich immer flacher atmete. Seine blonden Haare waren zu einer Mähne aus tropfnassen Strähnen geworden, die mich leicht anekelten. Schweiß war noch nie mein absoluter Anturner gewesen.
»Ach komm schon Elle, warum nicht? Wir sind jetzt schon seit 9 Monaten ein Paar, meinst du nicht, es wäre langsam mal Zeit, den nächsten Schritt zu wagen?« hörte ich ihn bittend sagen.
Schnell suchte ich mir einen Punkt im Zimmer, denn ich konnte ihm in diesem Augenblick nicht in die Augen sehen. Ich wusste, seine Augen würden mich voller Schmerz anschauen, enttäuscht und verletzt. Ein schlechtes Gewissen wollte ich mir nicht erneut machen lassen. Nur zu gerne würde ich nachgeben, ihn einfach machen lassen, aber ich wollte nun mal nicht, dass mein erstes Mal hier stattfand. Eigentlich war ich eines dieser Mädchen, die sich ein schnulziges und total romantisches erstes Mal mit Kerzen und Rosen, wie es in Filmen immer dargestellt wurde, vorstellte.
»Ich... ich weiß doch Gerard, aber ich bin einfach noch nicht soweit. Kannst du das nicht verstehen? Und außerdem ist das hier nicht der richtige Ort für so etwas!«
Um meine Worte zu verstärken, schaute ich mich im Raum um und betrachtete einen Moment die Hockeyschläger, die wir erst heute im Sportunterricht benutzt hatten, ein Trampolin und sogar die Pokale, die das Volleyballteam letztes Jahr geholt hatte. Und hier sollte ich meine Jungfräulichkeit verlieren? Auf einer Weichbodenmatte in der Garage für die Sportgeräte? Nein, mein erstes Mal sollte etwas besonderes werden. Ein unvergesslicher Moment. Etwas, was man seinen Kindern später mal erzählen konnte, damit sie auch auf den richtigen Moment warten würden. Damit sie sich ein Vorbild an einem nehmen könnten. Da wäre es wohl nicht sehr passend, zu erzählen, dass man seine Jungfräulichkeit mit 16 in einer Garage verloren hatte.
»Aber ist es hier nicht gerade so perfekt, weil es so außergewöhnlich ist? Ich meine, wer kann schon von sich behaupten sein erstes Mal in einem Geräteschuppen gehabt zu haben?«
Er meinte diese Frage wirklich ernst, was mich nicht groß wunderte. Gerard war schon immer etwas grob gewesen. Dennoch fiel meine Mundklappe nach unten. Wie konnte er in diesem Moment so unverschämt und egoistisch sein?
Vielleicht könnte er das seinen Freunden stolz erzählen, aber ich würde mich nur dafür schämen. Im ersten Moment fragte ich mich, was wohl meine Eltern dazu sagen würden, doch dann wurde mir klar, dass sie es in zehn Jahren nicht heraus finden würden, wenn ich mit einem Jungen geschlafen hätte. Sie würden ja nicht mal merken, wenn ich ausreisen, das Haus verkaufen oder noch schlimmer, mich umbringen würde.
Aber Trish, meine Beste Freundin, würde sich darüber lustig machen.
Langsam gingen mir die Ideen aus, ich wusste nicht mehr was ich ihm noch sagen sollte. Er war stur und würde sowieso nicht auf mich hören. Mir war klar, er würde es nur immer weiter versuchen, ohne dabei auf meine Gefühle zu achten.
Langsam stand ich auf und ging zur Tür. Nur noch weg von hier, das war mein Ziel. Es war die einzige Möglichkeit, ohne noch mehr Schwierigkeiten aus dieser Situation heraus zu kommen.
Kurz davor blieb ich stehen und sah ihm in die Augen. Ich hatte Recht, er sah mich bittend an, flehte praktisch darum, dass ich doch zu ihm zurückkehrte und wir da weitermachen konnten, wo wir stehen geblieben waren.
Aber es half alles nichts, ich war noch nicht bereit dazu. Selbst wenn ich breit dazu gewesen wäre, würde ich mich nicht so leicht dazu bringen lassen. Er müsste sich schon etwas besser einfallen lassen, als mir in der Geschichtsstunde eine SMS mit dem Inhalt bitte komm in der Pause in die Sporthalle zu schicken. Womöglich würde uns hier noch jemand erwischen, und dann könnte ich meinen Schulabluss sofort vergessen und das kam für mich überhaupt nicht in Frage, immerhin wollte ich meinen 1,3 Schnitt noch verbessern, um nach der Schule auf ein gutes College gehen zu können, um meinen Lebenstraum, Arzt zu werden, zu verwirklichen.
»Gerard, das Gespräch hatten wir doch schon. Ich dachte wir wären uns einig, dass wir noch eine Weile warten.« bat ich.
Jetzt stand auch er auf und ging zu mir, nahm meine Hand in seine und sah mir fest in die Augen. Es sah aus, als würde das, was er gleich sagen würde, ihn viel Überwindung kosten, aber ich wusste schon was er sagen wollte, bevor er es aussprach.
»Ich verstehe. Wenn du mich nicht liebst, dann ist es wohl das Beste, wenn wir das
hier schnellstmöglich beenden. Ist es das, was du willst?« fragte er ohne eine Miene zu verziehen. Der grobe, immer mehr zum Arschloch werdende Gerard kam zum Vorschein, den ich noch nie leiden konnte, der aber immer öfter zum Vorschein kam.
Als ich mit Gerard Einmonatiges hatte, überraschte er mich mit einem wunderbaren Tag...
Es klingelte unerwartet an der Haustür - ich konnte mir nicht vorstellen, wer uns an einem Sonntag besuchen sollte. Ein Glück hatte ich schon geduscht und meinen Schlafanzug durch frische, anschauliche Kleidung getauscht, denn als ich die Tür öffnete, stand Gerard mit einem wunderschönen Strauß Blumen vor mir und streckte mir die Hand entgegen. Er schien aufgeregt und trug ein riesiges Lächeln auf dem Gesicht, was mich stutzig machte. Ein kleines Kichern entfuhr mir, bevor ich es verhindern konnte.
»Du glaubst nicht, wie sehr ich dieses Kichern liebe.« waren die einzigen Worte, die er zu sagen brauchte. Ohne mich weiterhin zurückhalten zu können, fiel ich ihm in die Arme und drückte ihm einen langen, leidenschaftlichen Kuss auf den Mund. Gerard legte seinen Arm um meine Schulter und zog mich an sich. Natürlich erwiderte ich sein Bedürfnis. Ich drückte meinen Oberkörper an seinen und fuhr mit meiner Hand durch seine Haare. Würde das nicht bald aufhören, würde ich die Kontrolle über mich womöglich ganz verlieren, doch ich wollte nicht aufhören. Mein Herz pochte schnell und ich fing an zu schnaufen, während seine Hände das Ende meines T-Shirts suchten.
Nein. Sagte ich mir. Das ging mir zu schnell. Ich wachte aus meinem Halbtraume auf und wandte mich leicht ab von ihm. Lächelnd fuhr er mit seiner Hand über meine Wange, als wisse er, was in mir vorging. Er drückte mich einen flüchtigen Kuss auf die Stirn.
»Ist ok. Das weißt du doch. Keine Eile, Elle.«
Er überreichte mir den Blumenstrauß, der durch den heftigen Begrüßungskuss ein wenig eingedrückt war. Mit breitem Lächeln nahm ich ihn an und trug ihn schnell in die Küche, wo ich ihn in eine Vase, gefüllt mit Wasser, stellte, bis ich kurz darauf bemerkte, dass Gerard mir gar nicht gefolgt war. Suchend ging ich zurück zur Tür. Er lehnte sich in den Rahmen, Arme ineinander verschränkt.
»Willst du denn nicht reinkommen?« fragte ich stirnrunzelnd. Er legte den Kopf schief und grinste mich frech an, als würde er mich zu etwas auffordern. Auffordernd hob ich meine Arme in die Luft, doch noch immer sprach er nicht. Also zog ich ihn erneut zu mir und drückte mich an ihn. Ich liebte seinen Geruch, seine Haare. Seine Lippen. Ihn.
Moment.
Das hatte ich noch nicht zu ihm gesagt. Ich würde auf den richtigen Moment warten. Oder sollte ich es nicht doch jetzt tun? War dieser Punkt nicht perfekt? War das nicht jeder Moment? Entschlossen wich ich von ihm und öffnete meinen Mund, um die gefühlvollen Worte loszuwerden, doch er kam mir zuvor.
»Für unser Einmonatiges habe ich mir etwas anderes ausgedacht. Dazu müsstest du aber mit mir mitkommen.« stellte er klar und nahm meine Hand. Schnell zog ich mit meiner freien Hand die Schuhe aus der Wohnung hervor, denn Gerard war zu geblendet von seinem Plan, um zu merken, dass ich in Socken vor ihm stand. Er führte mich zu seinem Auto, öffnete mir die Tür und ich stieg dankend ein und zog mir kichernd die Schuhe an. Ich hatte den tollsten Freund der Welt.
Der Abend wurde wundervoll. Wir fuhren zu einer märchenhaften Wiese, die sich vor einem großen Berg befand und die größtenteils aus aufgegangenen, farblich perfekt passenden Blumen bestand und picknickten, bis es schließlich dunkel wurde. Die meiste Zeit verbrachte ich in seinen Armen, und als schließlich das Feuerwerk, welches er allein für mich organisiert hatte, losbrach, zog ich ihn noch fester um mich. In seinen Armen fühlte ich mich geborgen und ich schwor mir, ihn nie wieder gehen zu lassen.
An diesem Abend sagte ich ihm nicht, dass ich ihn liebte. Geblendet von seinen wunderschönen Augen, vergaß ich ganz und gar, welches Ziel ich mir eigentlich gesetzt hatte...
Ich hatte keine Lust auf Streit und wusste, wenn ich jetzt etwas falsches sagen würde, würde ich ihn verlieren. Den Jungen, den ich damals am See kennen gelernt hatte, mit dem ich mich von Anfang an super verstanden hatte, mit dem ich schon so viel erlebt hatte. Verzweifelt seufzte ich und hoffte, das würde mir ein bisschen mehr Zeit zum Nachdenken verschaffen. Ich öffnete schon meinen Mund um mich zu äußern, als die Schulglocke läutete. Meine Erlösung.
»Können wir das Gespräch bitte verschieben? Ich hab jetzt Mathe und du kennst doch meinen Lehrer. Ich darf nicht zu spät kommen!« erklärte ich schnell. Er kaufte mir diese Ausrede ab. Gerard war nun mal nicht der Hellste.
Zum Abschied drückte ich ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, um ihn am Sprechen zu hindern und rannte aus der Garage.
Hinter mir hörte ich noch ein leises Aber...!,doch das hielt mich nicht davon ab weiter zu rennen. Später würde ich mit einer Packung Pralinen zu ihm kommen und mich entschuldigen. So wie ich Gerard kannte, würde er nicht widerstehen können und den Streit sofort vergessen, würde mich in seine Arme nehmen, mich wärmen, mir ins Ohr flüstern, wie sehr er mich liebte und dass es nichts geben würde, was uns trennen könnte. Den liebevollen Gerard, den ich so liebte und nicht diesen aufdringlichen, groben Gerard, der mich zu etwas zwang, was ich nicht wollte.
Nach kurzem Überlegen entschied ich mich allerdings dafür, ihm noch eine Chance zu geben. Immerhin war keiner perfekt und ich liebte ihn nun mal. Vielleicht würde er eines Tages doch wieder zu seinem alten Ich werden, welches ich von ganzem Herzen vergöttert hatte.
Endlich weit genug von der Sporthalle entfernt, ohne zu befürchten, dass er mir noch nachrannte. Ich stoppte, atmete lange aus, schüttelte mich ein Mal durch, um das Geschehene zu vergessen, und ging mit verlangsamten Schritt Richtung Klassenzimmer.
Gerard
Sie ließ mich einfach stehen, alleine, in der dunklen Kammer. Mein Körper war heiß gelaufen. Ich war wütend. Verwirrt. Ich die Energie loswerden. Mit allen Poren spürte ich, wie die Wut in mir hoch stieg und ich hatte keine Lust, sie zurück zu halten. Elle hatte mich abgeschoben, schon wieder. Das würde ich mir nicht länger gefallen lassen. Nun waren wir schon mehrere Monate zusammen und es war endlich Zeit, es zu tun. Ein Mann hatte immerhin auch Bedürfnisse! Und außerdem hatte ich schon die Wette mit Joe und den anderen aus dem Team gemacht und konnte nicht riskieren, dass ich Geld von meinem Konto abheben musste, das ich so mühselig gesammelt hatte.
Das Geld, dass ich gespart hatte, um mir ein eigenes Auto zu kaufen.
Das Auto, mit dem ich in den Urlaub fahren würde.
Das Auto, in dem Elle sitzen würde und mich vom Beifahrersitz aus anschauen würde.
Das Auto, in dem unsere Kinder eines Tages tollen würden.
Das Auto, das später mal unser Sohn bekommen würde.
Das Auto, mit dem unsere Kinder später zu unserer Beerdigung fahren würden.
Ich durfte diese Wette nicht verlieren. Es ging nicht nur um das Auto, es ging auch ums Prinzip. Mein Stolz ließ mich nicht aufgeben.
Während ich nachdachte, bewegte ich mich kein Stück. Als mir schließlich auffiel, wie starr ich gewesen war, ließ ich mich auf die Weichbodenmatte sinken. Minuten verstrichen, vielleicht Stunden, Tage, in den ich einfach nur da lag und an nichts dachte. Die Zeit schien etwas Unwichtiges zu sein, etwas, worauf man nicht achten müsse. Ich wollte nicht wieder in den Unterricht, geschweige denn nach Hause, ich war nicht in Stimmung dazu. Alles was ich wollte, war Elle. In allen Zügen. Ich wollte sie riechen, schmecken, wie ich es schon so oft getan hatte. Doch ich wollte mehr. Ein Gedanke schlich sich in mein Gehirn, dass sie nicht gleich empfinden würde wie ich. Mit der zur Faust geballten Hand schlug ich gegen meinen Kopf, um diese Vermutung zu vernichten, zu zerstören. Nicht. Elle würde mich niemals verlassen. Ich war Gerard, DER Gerard, mit dem sich jedes Mädchen dieser Schule gerne treffen würde, das war mir klar. Doch ich wollte nur eines: Sie und zwar für mich allen.
Elle
Auf dem Gang standen unerwartet noch mehrere Leute, die mir zuwinkten. Es hatte Vorteile beliebt zu sein, jeder kannte und respektierte einen, aber in diesem Moment wünschte ich mir nichts anderes, als unsichtbar zu sein. Ich wollte einfach nur in Mathe bei Parabeln oder was wir zur Zeit hatten einschlafen und alles vergessen, was mir gerade passiert war, aber man war eben nicht nur einen Tag beliebt, sondern immer.
Freundlich winkte ich allen zu und ging schnell weiter, damit mich nicht noch jemand ansprach.
Zu meinem Unglück stieß ich auch noch auf Lisa und ihre Freundinnen, so ziemlich die Einzigen an dieser Schule, die mich nicht ausstehen konnten. Lisa hasste mich schon seit dem Kindergarten, weil meine Eltern mich einmal vom Kindergarten abgeholt hatten und ihre sie nicht. Eine total überflüssige Streitigkeit, aber wenn sie sie für nötig hielt. Mich scherte das kein bisschen. Außerdem warf sie mir vor, ich hätte ihr meinen früheren Freund Louis ausgespannt. Das meinte sie jedenfalls... Ich konnte doch nichts dafür, dass Louis in mich verliebt gewesen war und das obwohl er mit Lisa zusammen war. Dann kam eben Eins zum Anderen. Außerdem war das in der vierten Klasse, meiner Meinung nach hätte sie jetzt längst schon längst darüber hinweg sein müssen, aber man täuscht sich eben manchmal. Früher war das noch nicht so schlimm, aber jetzt wurde sie immer unausstehlicher. Bestimmt lag es nur daran, dass mich jeder mochte und sie keiner ausstehen konnte, aber das würde sie niemals zu geben. Lieber würde sie sterben. Dabei bemerkte sie nicht einmal, dass mich dieses ganze Rumgezicke nicht runtermachte, sondern nur lächelnd den Kopf schütteln ließ.
Während ich an ihnen vorbei lief, lachten sie ziemlich offensichtlich über mich und Lisa schaute mich erheitert an. Wahrscheinlich sah ich noch ziemlich durchwühlt aus, doch das machte mir gerade nichts aus und ich wollte Lisa diesen Triumph nicht gönnen. Allerdings machte ich mir eh nichts aus den Meinungen von Lisa und ihren Freunden. Ich wusste, dass ich nicht gerade die hässlichste Person auf dieser Welt war und das reichte mir vollkommen.
Gerade als ich um die Ecke biegen wollte, stupste mich jemand an. Reflexartig setzte ich mein Allzeit-Lächeln auf, doch verlor es im nächsten Moment wieder, als ich erkannte, wer mich aufgehalten hatte. Es war Josh. Gerade jetzt hatte ich überhaupt keinen Nerv für ihn.
Sein braunes Haar, das ihm über die Stirn hing, war leicht nass, doch seine bernsteinfarbenen Augen blitzen trotzdem darunter hervor. Einen kurzen Moment war ich fasziniert von ihnen, fasste mich aber schnell wieder.
Hatte er etwa eben Sport gehabt oder war er nur so aus der Puste, weil er mir nach gerannt war? Ein Glück, dass er mich und Gerard nicht dabei erwischt hatte, wie wir zusammen in der Garage gestritten hatten. Er mochte Gerard nicht sonderlich. Ganz im Gegenteil: Er hasste ihn. Josh versuchte mir immer wieder zu sagen, ich sollte mit ihm Schluss machen, mich in jemand anderen verlieben. In ihn verlieben.
Doch ich ging ihm eigentlich so gut wie immer aus dem Weg. So gut wie es nun einmal ging. Wenn ich ihn auf dem Gang erblickte, bog ich schnell um die nächste Ecke, wenn ich ihn ins Klassenzimmer laufen sah, tat ich so, als wäre ich beschäftigt, immer darauf gefasst, dass er mich doch irgendwann einmal abfangen würde. Und nun war es dazu gekommen.
Aber er war nichts für mich, wir passten nun einmal nicht zusammen, was er auch langsam mal kapieren sollte.
Ich seufzte, ein wenig zu offensichtlich, woraufhin sein Lächeln verschwand und sein Blick zum Boden glitt.
»Hi... Josh. Na, was gibt’s?« fragte ich und gab mir Mühe heiter zu klingen. Ich wollte ihn nicht noch mehr kränken, wusste aber, er würde mich durchschauen. Dazu kannte er mich einfach zu gut.
Josh war schon ewig hinter mir her. Eigentlich sah er ziemlich gut aus, mit seinen braunen, schulterlangen Haaren und dem dünnen Körper, der nicht zu lang und nicht zu kurz war. Früher waren wir gute Freunde gewesen, aber nach dem Unfall konnte ich ihm einfach nicht mehr in die Augen blicken. Viel zu schmerzhafte Erinnerungen waren mit ihnen verbunden. Erinnerungen, an die ich mich nur ungern erinnerte. Erinnerungen, die bald wieder aufzuflackern schienen.
»Hi Elle. Du, ich wollte dich nicht lange aufhalten, also komme ich gleich zur Sache. Du fehlst mir. Seit dem Unfall haben wir nicht mehr viel miteinander geredet... wird sich das je wieder ändern? Ich will dich nicht als Freundin verlieren. Können wir das nicht einfach vergessen?« fragte er leise. Die Unsicherheit war deutlich in seiner Stimme zu hören.
Er schaute mich so liebevoll an, dass ich ihm nur zu gerne gesagt hätte, dass wir das wirklich konnten, aber es ging nicht. Eigentlich wünschte ich mir auch, dass es wieder so sein würde, wie früher. Ja, das wünschte ich mir das mehr als alles Andere auf der Welt, doch man konnte nichts ungeschehen machen, was bereits geschehen war. Dafür war es zu spät.
Ich schüttelte leicht den Kopf, woraufhin er gekränkt nickte und sich mit der Hand durch seine Haare fuhr. Eine Geste die ich nur zu gut kannte.
»Wir oder ich kann es nicht vergessen. Die Erinnerung hat sich in meinen Kopf gebrannt, ich denke zu oft daran, ich würde jetzt zu gerne anfangen zu weinen, aber ich darf nicht. Und wenn ich dich sehe, dann fällt es mir noch schwerer glücklich zu sein. Weißt du, es ist noch nicht lange her, und langsam fange ich wieder an, mich in mein Leben einzufinden und wenigstens ein bisschen zu vergessen, was passiert ist. Ich habe nicht mehr jede Nacht den Albtraum, der sich immer und immer wiederholt, aber trotzdem ist es nicht weniger schlimm. Es ist einfach zu viel passiert. Ich denke nicht, dass sich das je ändern wird...« erklärte ich vorsichtig und spürte wie mir eine Träne über die Wange lief, doch davon lies ich mich nicht beirren. Ich wusste, was zu sagen war und ich wollte es schnellstmöglich hinter mich bringen.
»...Es tut mir so Leid, was aus unserer Freundschaft geworden ist, wir haben uns früher so gut verstanden, du warst mein bester Freund, aber es geht einfach nicht mehr. Vielleicht wird sich das irgendwann ändern. Vielleicht wache ich eines Tages auf und denke: Mir geht’s klasse, ich sollte mit Josh reden! Aber bis es soweit ist, brauche ich Abstand...« fuhr ich langsam fort.
Er schloss die Augen. Wollte nicht, dass ich sehe, dass Tränen in seine Augen stiegen. Wollte nicht, dass ich ihn weinen sah. Nach einigen Sekunden sah er mich wieder an, mit so viel Sorge im Blick, dass ich fast aufgegeben hätte. Mich fast in seine Arme geschmissen hätte. Alles vergessen und einfach den Augenblick genossen hätte.
Ich war fast soweit nachzugeben, doch dann fiel mir wieder ein, wie fest entschlossen ich war, nicht aus der Fassung zu fallen und das hier zu beenden. Eigentlich wollte ich das schon längst hinter mich gebracht haben, aber ich war bisher zu feige gewesen, es ihm zu sagen. Ich sollte ihm danken, dass er von sich aus auf mich zugegangen war, denn ich selbst hätte es vermutlich nie getan.
»Aber du bist nicht glücklich. Ich sehe das doch. Denkst du, ich falle auf deine falsche Fassade rein? Wahrscheinlich merkt keiner wie es dir wirklich geht. Bestimmt nicht mal Gerard. Aber ich Elle, ich kenne dich. Ich kenne dich mehr, als jeder Andere und ich sehe wie es dir wirklich geht. Ich bitte dich nur um eins Elle. Gib mir eine Chance. Lass uns einen Nachmittag zusammen etwas unternehmen und danach kannst du mir sagen, ob ich verschwinden soll, oder ob ich bei dir bleiben soll. Es muss nicht so sein, wie es jetzt ist. Bitte Elle. Denk doch nur daran, wie es früher war. Willst du etwa, dass ich für immer aus deinem Leben verschwinde? Willst du wirklich die schönen Erinnerungen an die Erlebnisse, die wir haben, vergessen?« fragte er mit ernstem Blick. Die Tränen waren verschwunden, die Unsicherheit, er war plötzlich stark und entschlossen, was mich ein wenig verwirrte.
Sekunden lang sah ich ihm in die Augen. Natürlich wollte ich das nicht, alles in mir sträubte sich danach, ihm zu sagen, dass ich ihn vergessen wollte, aber es war genau das, was zu tun war. Es war besser so, für uns Beide. Keineswegs wollte ich ihn nicht verletzten, aber es ging einfach nicht anders.
Ich nickte zögerlich.
»Dich vergessen ist das, was ich will.« flüsterte ich, blickte ihm entschlossen einige Sekunden in die Augen, bevor ich mich schließlich umdrehte und ihn alleine, mit diesen verletzenden Worten, auf dem Flur zurück ließ.
Vor dem Klassenzimmer stand Trish. Sie wartete wohl auf mich, denn sie schaute immer wieder auf die Uhr während sie mit den Händen wild umher zappelte. Ganz offensichtlich hatte sie Angst vor Herr Schuster, was man ihr auch nicht verübeln konnte. Sie war sein Hauptopfer, diejenige, die er immer wieder an die Tafel holte und ihr unlösbare Aufgaben stellte.
Herr Schuster war die Art Lehrer, die ihren Frust an den Schülern ausließ und den es Spaß machte, anderen Leuten dabei zuzusehen, wie sie untergingen. Kurz fragte ich mich, was ihn wohl dazu brachte, so mit seinem Schülern umzugehen, ob er Stress mit seiner Frau hatte oder ob es doch Alkoholprobleme waren, die ihn plagten, doch das erschien mir alles unwahrscheinlich. Es musste etwas anderes sein. Ein Rätsel, dass ich wohl nie lösen würde.
Als sie mich sah, lächelte sie kurz und ging ins Klassenzimmer. Am Ende des Flurs sah ich Herr Schuster, mit seiner karierten Hose und seinem roten T-Shirt, welches er fast jeden Tag trug, der mit erhobenen Finger auf mich zulief, also legte ich einen Gang zu, und war kurze Zeit später am Klassenzimmer angelangt.
Bevor ich allerdings die Tür öffnete, prüfte ich mein Aussehen, denn ich musste noch ziemlich mitgenommen von der Unterhaltung mit Gerard aussehen.
Außer Puste setzte ich mich neben Trish, die ihre Haare nach hinten warf, während Marc an ihr vorbeilief, doch er schenkte ihr nicht mal einen kurzen Blick, sondern ging ohne sie auch nur zu bemerken zu seinem Tisch und lehnte sich geschmeidig über die Tischkante, was Trish wahrscheinlich gerade zum Schmelzen brachte.
Er hatte blonde, kurze Haare und dieses Lächeln, das jedes Mädchen zum Schmunzeln brachte.
Trish war schon seit einiger Zeit in ihn verliebt, aber er wies sie immer wieder ab. Selbst die Nachhilfe, die sie ihm angeboten hatte, da er letztes Jahr wegen einer Fünf in Englisch fast sitzen geblieben war, lehnte er nur dankend ab.
Was sie als nächstes vorhatte, um doch noch ein Treffen mit ihm zu erreichen, wusste selbst ich nicht und das musste schon etwas heißen, denn normalerweise platzte sie mit dem neusten Plan noch vor der Begrüßung heraus. Womöglich sollte ich sie danach fragen, doch ich war gerade nicht in Stimmung.
Stöhnend wandte sie sich zu mir. Ihre hellgrünen, heraus stechenden Augen, die perfekt zu ihren hellbraunen, schulterlangen Haaren passten, funkelten mich böse und traurig zugleich an.
»Ich werde Marc nie rumkriegen. Ich denke, ich sollte ihn aufgeben...« gab sie seufzend von sich.
Mir war klar, dass es nun an mir lag, ihr Mut zuzusprechen. Sie wartete darauf.
»Nein, bleib an ihm dran! Du bist doch die hübsche, sexy und verführerische Trish! Kein Junge kann dir widerstehen! Glaub mir, es braucht nur ein wenig Zeit.« beschwichtigte ich nickend.
Insgeheim aber dachte ich, dass sie ihn nie bekommen würde, da er ganz offensichtlich in seine Sitznachbarin Amber verliebt war. Die beiden flirteten immer wieder ziemlich öffentlich miteinander.
Ich konnte nicht einmal verstehen, warum er Amber so klasse fand, sie war nicht sehr hübsch und auch ein wenig pummelig, doch ich wollte nicht vorschnell urteilen. Sie musste wohl sehr nett sein, doch das konnte ich nicht beurteilen, da ich bisher nichts mit ihr zu tun hatte. Sie hielt sich strickt von den beliebteren Menschen fern, was ich nachvollziehen konnte. Selbst ich würde lieber mit durchschnittlichen Klassenkameraden befreundet sein.
Marc gehörte eigentlich mehr zu den Beliebten, was eigentlich klar war, da Trish sonst niemals an ihm interessiert sein würde.
Früher hing er manchmal mit uns ab, aber seitdem er in Englisch wegen seinen schlechten Noten in die erste Reihe neben Amber gesetzt wurde, hatte er nur noch Augen für sie.
Das wusste hier jeder aus der Klasse – außer Trish, aber ich wollte sie nicht noch mehr verärgern, also sagte ich ihr einfach, was sie hören wollte. Ich hatte schon genug Stress für diesen Vormittag und mein Nachmittag würde wohl auch nicht besser werden, denn ich musste das mit Gerard noch klären. Hoffentlich würde mich Josh nicht noch einmal aufhalten, das fehlte mir gerade noch.
Jetzt lächelte Trish mich wieder an, nickte überzeugt mit dem Kopf und wandte sich kurz von mir ab, um zu schauen, ob Marc sie nicht gerade doch ansah, aber der leichten Enttäuschung in ihrem Gesicht zu Folge war das nicht der Fall. Wahrscheinlich unterhielt er sich gerade mit Amber.
»Und du? Habt ihr es getan? Du und Gerard? Ich meine, solange wie du weg warst müsst ihr es doch getan haben! Ich dachte schon du kommst nicht mehr wieder.« fragte sie neugierig und hob ihre Augenbrauen an, als erwarte sie, dass ich ihr jetzt gleich eine überaus romantischen Geschichte erzählen würde.
Doch das tat ich nicht. Ich zuckte lediglich mit den Schultern und wandte mich von ihr ab, was sie allerdings verärgerte. Sie wollte schon ansetzten mir Vertrauensbruch und andere Dinge vorzuwerfen, als Herr Schuster hereinkam.
Heute hatte ich echtes Glück in Sachen Timing, doch trotzdem stand mir jetzt eine lange, grausige Stunde Mathe bevor.
Während Trish zusammenzuckte und sich klein machte, damit er sie übersah, malte ich eine Sonne auf meinen Blog. Sonnen hatten mich schon immer sehr fasziniert. Wenn man meinen Blog durchblätterte, konnte man mehrere Zeichnungen von Sonnen sehen, manche vom Sonnenaufgang, manche vom Untergang und manchmal auch einfach nur runde Kreise. Zeichnen war schon immer ein Hobby von mir gewesen. Ich ermahnte mich das Positive an der Situation zu sehen: Wenigstens lenkte mich das Zeichnen davon ab, an Gerard, Josh oder irgendjemand anderen zu denken.
Trish
Herr Schuster hatte es wieder einmal auf mich abgesehen, welch Überraschung! Er sah mich mit seinen gruseligen Augen an, forderte mich heraus, doch ich war schwach, ich war ein leichter Gegner. Meine Nackenhaare stellten sich auf, denn ich wusste, ich würde nun an die Tafel müssen.
Ein Seitenblick zu Elle. Sie hatte abgeschaltet, ihre Augen waren leer, wie so oft. Wahrscheinlich schlief sie schon innerlich. Wie unfair. SIE hätte es verdient an die Tafel zu müssen, nicht ich! SIE war doch das Nervenbündel, nicht ich! SIE wäre reif für die Klapse, nicht ich! Doch ich bekam immer alles ab. Wie viele Momente gab es schon in meinem Leben, in den ich mir wünschte, mit ihr den Platz tauschen zu können. Ich wollte so beliebt sein wie sie, wollte so viele Freunde haben, so viele Liebschaften. Ich hätte das verdient.
Als ich Elle kennenlernte, war sie ein Frack...
Das Sommerfest der Schule fand statt und ich war mit meinem guten Freund Paul dort. Wir lachten, hatten Spaß, tanzten zu der tollen Musik, bis ich schließlich ein Mädchen allein am Boden sitzend erblickte. Sie tat mir Leid und außerdem wollte ich mein Image pflegen, also ging ich zu ihr. Als ich näher kam, bemerkte ich, dass sie weinte. Das konnte ich gar nicht ab und war kurz davor, schon wieder zurück zur Tanzfläche zu gehen, wo Paul mich wahrscheinlich schon vermisste, suchte, doch gerade, als ich ihr den Rücken zuwenden wollte, hob sie den Kopf und sah mich verwirrt an. Sie war hübsch und ich erkannte sie. Es war Elle gewesen, die sich in den letzen Monaten von allem abgegrenzt hatte. Nie hätte ich erwartet, sie mal so zu erleben. Ich musste mir ein Grinsen unterdrücken, die Hilflosigkeit ihrerseits erfreute mich, machte mich schadenfroh. Diese Gelegenheit durfte ich mir nicht entgehen lassen. Sie als Frack zu erleben, das war eine echte Genugtuung für mich, denn nachdem sie mir mein Date in der siebten Klasse geklaut hatte, war ich immer neidisch auf sie gewesen.
Wir redeten. Sie weinte. Ich tröstete. Sie bemerkte nicht, dass ich alles nur vortäuschte. Nach kurzer Zeit beruhigte sie sich. Ich munterte auf. Sie lächelte.
Schließlich führte ich sie zur Tanzfläche und wir genossen den Abend. Der Beginn unserer ''Freundschaft''. Nach kurzer Zeit allerdings fing ich wirklich an, sie zu mögen, oder es kam mir so vor. Und nun? Nun war sie wieder die Beliebte, nicht ich, sie hatte mir wieder den Rang gestohlen, etwas, für das ich sie für immer quälen könnte. Doch ich spielte. Ich tat so, als wäre sie meine beste Freundin, als würde ich sie vergöttern und irgendwann würde ich zuschlagen, ihr alles heimzahlen. Der Moment würde kommen. Eines Tages. Und ich wartete schon sehnsüchtig auf ihn.
»Trish, kommst du bitte an die Tafel und löst die Aufgabe, die ich angeschrieben habe?« fragte Herr Schuster. Auf seinem Gesicht spiegelte sich ein breites Grinsen, das fast schon nett aussah. Es täuschte. Es gefiel ihm, mir mein Leben zur Hölle zu machen, doch das konnte ich nicht zulassen.
Lächelnd stand ich auf und schritt zur Tafel vor.
»Natürlich«
Meine Stimme war höflich, nett und aufgesetzt, doch das würde niemand merken. Nachdem ich die Aufgabe falsch gelöst hatte, schrie er mich an, er schrie sich die Seele aus dem Leib, fragte mich, wie dumm ich eigentlich sei und ich stand kurz vorm Weinen. Jede Stunde lief gleich ab, doch langsam lernte ich dazu. Mein aufgesetztes Lächeln blieb standhaft, bis ich mich schließlich wieder zu meinem Platz begeben durfte.
Ein Seitenblick zu Elle. Sie hatte sich nicht verändert, kein Stück. Ihr Körper war steif, hatte sich seit fünf Minuten nicht bewegt, wie eine Statue. Auf sie konnte ich mich natürlich nicht verlassen.
Ein Seitenblick zu Marc. Er redete freudig mit Amber, natürlich. Ein breites Lächeln befand sich auf seinem Gesicht und eine Sekunde wünschte ich mir, es wäre für mich. Dass er mich anschauen würde, mit genau diesem Blick.
Stopp. Diesen Gedanken verbannte ich aus meinem Kopf.
Erleichtert ließ ich mich tiefer in meinen Stuhl sinken, die erste Hürde dieses Unterrichts war geschafft, nun hatte ich mindestens fünfzehn Minuten Ruhe.
Falsch gedacht.
Fünf Minuten vergingen.
Herr Schuster redete und redete und redete und redete und redete, ich glaubte, ich schlafe gleich ein. Plötzlich bewegte sich etwas am Rande meines Sichtfeldes. Es war Elle. Langsam drehte ich den Kopf zu ihr, doch als ich sie erreichte, war sie bereits aufgestanden. Wie ein Zombie schob sie ihren Stuhl zurück.
»Fräulein Rise, gibt es ein Problem?« schnauzte Herr Schuster, doch sie antwortete nicht. Sie starrte ihn lediglich an und das machte mir Angst. Schnell zog ich an ihrem Arm, um ihr zu befehlen, sich wieder hinzusetzen, doch sie riss ihren Kopf herum und schenkte mir einen tödlichen Blick, bevor sie meine Hand von ihrem Arm schlug und sich auf den Weg zu Herr Schuster machte. Was hatte sie denn jetzt vor? Wollte sie sich und mich für immer blamieren? Ich war so geschockt, dass alles wie im Kino für mich ablief.
Als sie den Pult von Herr Schuster erreicht hatte, stand dieser auf und fragte sie, was ihr einfiel, ihm einfach nicht zu antworten, doch sie hatte uns verlassen, war in sich gefangen. Sie stoß Herr Schuster von sich Weg und er taumelte mindestens 5 Meter durch den Raum, weshalb die halbe Klasse ein huch ausstieß und sich die Hand vor den Mund hielt. Ich allerdings sank immer tiefer in meinen Stuhl, um mich unsichtbar zu machen, damit keiner auf die Idee kam, mich mit dieser Situation in Bezug zu ziehen.
Nachdem Herr Schuster von der Bildfläche ist, packt Elle den Schreibtisch, hebt ihn über sich, stößt einen schrecklichen Laut aus, bei dem selbst mir der Mund offen stehen bleibt und reißt ihn samt Mappe des Lehrers auseinander. Mit weit geöffneten Augen starre ich Elle an, die nun ein Grinsen auf ihrem Gesicht trug.
Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.
Das kann nicht passieren. Was. Macht. Sie. Sie. Zerstört. Meinen. Ruf.
Kaum zu fassen! Die Wut steigt meinen Hals hoch, doch ich halte sie zurück. Leise schlage ich auf meinen Tisch. Immer und immer wieder. Es hilft mir. Niemand kriegt es mit, denn Elle hat die volle Aufmerksamkeit. Wie immer.
Elle
»Elle?ELLE!« schrie jemand.
Mit einem Ruck hob ich meinen Kopf und stellte erschrocken fest, dass ich immer noch im Mathe Unterricht war. Mein Blick traf sofort die verärgerten Augen von Herr Schuster, der still vor mir stand und erwartend die Hände von sich streckte.
»Also? Wie willst du das erklären?« fragte er angespannt. Ich verstand nicht, was er meinte. Gut, ich war im Unterricht eingeschlafen und das war keine Meisterleistung, aber kein Grund mich so anzuschnauzen? Also was sollte ich vorbringen, wenn ich nichts getan hatte? Fragend hob ich meine Augenbrauen.
Er schaute mich mit bitterem Blick an, dass ich Angst hatte, er würde gleich explodieren, auf mich zurennen und mich schlagen. So verärgert hatte ich ihn noch nie gesehen, aber dennoch wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Nichts, ich hatte nichts getan. Mein einziges Verbrechen war, dass ich Sonnen auf meinen Block gezeichnet hatte. Schlaf war meiner Meinung nicht als Straftat anzusehen, denn ohne ihn würde ich mich sowieso nicht konzentrieren können. Also schwieg ich. Sekunden der Stille vergingen. Minuten.
Als er langsam immer wütender wurde und ich immer noch nichts sagte, drehte er sich um und lachte höhnisch.
»Fräulein Rise hat also das Sprechen verlernt.« stieß er schließlich aus.
Seine Worte reizten mich ziemlich, doch ich konnte nichts anderes tun, als ihn fragend anzublicken und zu warten, bis er mir endlich erklärte, was ich getan haben sollte. Ich musste mir eine freche Aussage verkneifen, denn eigentlich hatte ich keine Lust mir seine Rede anzuhören.
Er drehte sich wieder zu mir um und seine Augen wurden zu langen Schlitzen. Musterte mich, als würde er mich für einen Verbrecher, jemand, der in den Knast gehörte, halten, und das, obwohl ich seine beste Schülerin war.
Und es machte ihm sichtlich Spaß mir das anzutun.
»Wollen sie nichts zu ihrer Verteidigung vorbringen?« fragte er wütend.
Ein Lächeln zierte sein Gesicht. Er erwartete, dass ich mich stelle, ihm Recht gab, aber das hatte ich nicht vor. Erstens wollte ich ihm diese Genugtuung nicht gönnen und zweitens hatte ich verdammt nochmal keine Ahnung, was ich getan haben sollte, also warum sollte ich mir dann einen langen Vortrag über etwas anhören, dass ich nicht verbrochen hatte?
Mein Bauchgefühl riet mir, nichts zu sagen, sondern einfach abzuwarten.
Schließlich zuckte ich lediglich mit den Schultern. Diese Geste brachte ihn völlig aus der Rolle. Er öffnete immer wieder den Mund, schloss ihn aber Sekunden später wieder, als fände er nicht die richtigen Worte für das, was er nun zu sagen hatte.
Ich warf einen kurzen Blick zu Trish, die mich mit verängstigten Augen anblickte und mich anflehte, diesem Ganzen ein Ende zu setzten und zu gestehen, doch nicht einmal Trish zu Liebe hätte ich das getan.
»Es tut mir Leid Herr Schuster, aber ich weiß nicht was sie meinen.« sagte ich schließlich ehrlich. Er brach erneut in schallendes Gelächter aus. Es dauerte mehrere Minuten, bis er wieder verstummte.
»Ach, sie wissen es nicht mehr. Natürlich. Sie wollen mir also sagen, sie wissen nicht mehr, wie sie meinen Schreibtisch auseinandergerissen haben? Wie sich mich durch das ganze Klassenzimmer geschubst haben? Sie überraschen mich immer wieder aufs Neue. Ich muss sagen, so etwas ist mir in meiner Laufbahn wirklich noch nie passiert.« erklärte er kalt.
Mein Blick glitt zum anderen Teil des Zimmers, in dem sich normalerweise sein großer Pult aufragte. Tatsächlich. Er lag zerbrochen da, in der Mitte durchgerissen. Mir fuhr ein eiskalter Schauer über den Rücken. Hatte er womöglich Recht? Hatte ich das wirklich getan? Das würde auch den verängstigten Blick von Trish erklären. Aber wenn ich es wirklich getan hätte, warum erinnerte ich mich dann an nichts? Was war das heute nur für ein Tag.
Erst die Sache mit Gerard, dann musste ich mich mit Josh auseinandersetzten und nun auch noch das. Das war genug für heute.
»Ja, Herr Schuster, ich erinnere mich an nichts.« murmelte ich leise. Erst jetzt bemerkte ich, wie still es im Klassenzimmer war. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Ich drehte mich zu meinen Mitschülern um, erwartete, dass sie zu mir hielten, doch sobald ich den Blicken von ihnen begegnete, wandten sie sich von mir ab. Jeder einzelne.
»Sollte ich mir ernsthafte Sorgen um Sie machen, Fräulein? Oder ist das nur eine miese Ausrede?« gab es zurück.
Plötzlich fing mein Bauch höllisch an zu schmerzen. Meine Hände umfassten meine Hüfte, verzweifelt drückte ich gegen meine Knochen, doch alles half nichts. Ich wollte so schnell wie möglich hier raus, denn ich würde es keine einzige Sekunde mehr mit diesen Schmerzen aushalten, ohne einen Schrei von mir zu geben. Verzweifelt entschied ich mich, einfach zu sagen, dass ich es war. Es kostete mich zwar viel Überwindung, denn das Letzte, was ich wollte, war diesem Biest von Lehrer Genugtuung geben, aber ich riss mich zusammen und sprach die Worte aus.
»Na gut! Ja, ich war es, sind sie jetzt zufrieden?!« stieß ich schnell von mir.
Er lächelte zufrieden und zeigte mit dem Finger zur Tür.
Das Zeichen, auf das ich sehnsüchtig gewartet hatte. Das Zeichen, dass mir befahl, zum Direktor zu gehen.
Sofort stand ich auf, rannte aus dem Klassenzimmer und ging schnurstracks zur Toilette. Natürlich hatte ich nicht vor zum Direktor zu gehen, das wollte ich mir für heute ersparen, auch wenn ich mir damit vielleicht einen Schulverweis einhandelte. Die Schmerzen allerdings waren so groß, dass mir selbst der Schulverweis in diesem Augenblick unwichtig erschien. Ohne eine Sekunde zu stoppen rannte ich in eine Kabine der Mädchentoilette und übergab mich. Sehnsüchtig hoffte ich, dass es mir nun besser gehen würde, doch das Glück stand nicht auf meiner Seite. Mein Bauch schmerzte weiterhin wie davor und das waren keine Unterleibsschmerzen. Nein, das war etwas viel Schlimmeres.
Nachdem ich mich drei weitere Male übergeben hatte, lief ich gebeugt zum Spiegel, die Arme noch immer um meinen Körper geschlungen und warf einen Blick auf ihn. Ich keuchte vor Schreck auf. Meine Augen waren von großen schwarzen Augenringen umgeben, meine Haare zerzaust und kraftlos. Normalerweise erstrahlten meine Haare wie rotes Feuer, doch nun waren sie ausgebleicht und hingen ohne Volumen herunter. Meine Haut war kreidebleich. Ich war zwar nie ein besonders dunkelhäutiger Typ gewesen, doch so weis war ich noch nie. Was war nur los mit mir. Eigentlich sah ich ziemlich erwachsen für meine sechzehn Jahre aus, doch jetzt wirkte ich wie ein kleines, zerbrechliches Kind, das gleich losweinen würde, weil ihm sein Eis auf den Boden gefallen war.
Ungläubig berührte ich mit der Hand meine Wange. Sie war eiskalt. Ich konnte die Augen nicht von mir abwenden, das im Spiegel war nicht ich. Und meine Augen, sie hatten ein solch intensives schwarz, dass es fast schon gruselig war. Zwar waren sie schon immer dunkel gewesen, aber jetzt verängstigten sie mich ein wenig, denn so düster kannte ich sie nicht. Sie waren mir fremd. Ich war mir fremd. Mir stiegen Tränen in die Augen, doch mir war nicht nach weinen. Schnell schloss ich meine Augen, atmete ein paar mal tief durch, bis ich mich schließlich wieder unter Kontrolle hatte.
Ich musste hier sofort raus. Keine Sekunde länger würde ich in diesem Schulhaus verbringen können. Den Schulverweis hatte ich ja sowieso schon in der Tasche, also hielt ich es nicht mehr für nötig, nochmal zurück zum Klassenzimmer zu gehen. Herr Schuster würde mir sowieso kein Wort glauben.
Schon auf dem Weg nach draußen, kam plötzlich ein Mädchen herein und starrte mich unverwandt an. Ich schenkte ihr kaum Beachtung, rannte einfach an ihr vorbei, doch als ich draußen war, blieb ich verwirrt stehen. Mein Kopf drehte sich in ihre Richtung. Ohne es zu wollen, musste ich an ihre pechschwarzen Augen denken, die mir so bekannt vorkamen. Sie waren schwarz wie die Nacht gewesen. Ich kannte diese Augen. Nur wenige Sekunden, bevor sie reingekommen war, hatte ich sie im Spiegel gesehen. Dies waren meine Augen gewesen.
Leslie
Sie stürmte an mir vorbei und verließ die Mädchentoilette. Ein breites Grinsen erschien auf meinem Gesicht. Mein Plan funktionierte wunderbar. Nach ihrem Ausraster im Klassenzimmer würde sie nun jeder für labil halten und nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, es könnte nicht besser laufen. Sobald niemand mehr zu ihr stand, würde alles noch leichter für mich sein. Ich hätte freie Bahn, niemand könnte mich mehr aufhalten. Und ihre Haare, ihre Augen. Die Verwandlung begann. Sie verlor langsam die Kontrolle über sich, auch wenn ihr das nicht klar war. Noch ein paar Rückschläge und sie würde völlig am Ende sein. Ein Kinderspiel für mich. Mit zufriedenem Blick lief ich den kurzen Flur des kahlen Raumes - um den sich nicht mal die Putzfrauen gescheit kümmerten – bis zum Spiegel und betrachtete mich einen Augenblick. Ich hasste mich. Ich hasste mein Aussehen, ich hasste meine Augen. Alles. Hass. Hass. Hass. Hass. Hass. Hass. Hass. Hass. Hass. Hass.
Keine Sekunde länger konnte ich diesen Anblick ertragen. Angewidert schloss ich meine Augen und stellte die mitgebrachte Tüte ans Waschbecken. In ihr befand sich meine Erlösung. Freudig holte ich die vor ein paar Stunden gekauften Rasierklingen aus ihr und öffnete die Packung mithilfe meiner spitzen Fingernägel. Es hatte wohl doch Vorteile, ich zu sein. Nachdem ich eine der Klingen abgetrennt hatte, ging ich in eine der Kabinen und öffnete meine Hose. Drei kleine Schnitte und mein Leben würde wieder gut sein. Ein letztes Mal sog ich die dreckige Luft, die um mich herum schwebte, ein und führte dann die Klinge an meiner Hüfte entlang. Ein tiefer Seufzer entfloh mir, doch ich konnte ihn nicht aufhalten, die Erlösung war ein so schönes Gefühl. Zwei weitere Schnitte, zwei weitere Linien, aus der meine rote Lebensflüssigkeit entrann und mein Leben war wieder schön.