Shadow of the Night, Blutige Liebe
Kapitel 6
6
Ich öffnete meine Augen. Nichts. Um mich herum war nichts als Dunkelheit. Instinktiv versuchte ich mich aufzurichten, aber mein Kopf tat höllisch weh.
Ein Geräusch hinter mir ließ mich aufschrecken.
Ich versuchte mich umzudrehen, doch sofort bereute ich es. Jede meiner Zellen tat weh, noch nie hatte ich solch einen Schmerz empfunden. Alles was ich aus meiner Lage sehen konnte, waren noch mehr Schatten. Mein Gefühl sagte mir renn!, doch ich konnte mich nicht bewegen. Meine Beine waren schlapp und mein Kopf fühlte sich an, als hätte jemand darauf geschlagen.
Das Geräusch hinter mir wurde immer lauter, bis ich es ganz intensiv wahrnahm.
Plötzlich spürte ich einen unerträglichen Schmerz in meinem Rücken. Mein Körper fiel in sich zusammen, wie eine Marionette. Ich wollte schreien, doch es ging nicht. Heraus kam nur ein lautloser Schrei, den ich zwar deutlich in meinem Kopf hörte, aber nur leise in meinen Ohren.
Erneut versuchte ich mich umzudrehen, um sehen zu können, was meinen Rücken so zum Schmerzen brachte. Kurz bevor ich ohnmächtig wurde, sah ich schwarze Augen, die mich aus der Dunkelheit direkt anblickten. Doch dann wurde ich in die tiefe Schwärze gezogen.
Meine Augenlider flatterten auf. Die Sonne blendete mich. Ich konnte sie kaum öffnen, denn sie brannte sich gefühlt bis in meine Netzhaut hinein. Um nicht mehr in die Sonne schauen zu müssen, drehte ich mich ein wenig, was auch nicht sonderlich half.
Alles schmerzte. Ich fasste an meinen immer noch dröhnenden Kopf und sofort fiel mir wieder ein, was heute Nacht passiert war.
Das Bild von den schwarzen Augen, die mich direkt anblickten, schwirrte mir noch immer im Kopf.
Ich startete einen neuen Versuch, die Augen zu öffnen und mit viel Anstrengung gelang es diesmal. Seit wann war die Sonne so grell und stechend?
Mit einer Hand tastete ich meinen Rücken nach eventuellen Verletzungen ab und wurde fündig. Es waren 2 kleine Einstichwunden oberhalb meiner Wirbelsäule zu spüren.
Als ich vorsichtig mit meinem Finger über eine der Wunden strich, durchfuhr meinen Körper ein stechender Schmerz. Ich krümmte mich zusammen, es fühlte sich an, als bohre sich mein Finger in meine Haut hinein, wie ein Messer. Nach Luft rangend, entfernte ich meine Hand vom Rücken, worauf der Schmerz vollends verschwand.
Erst jetzt fiel mir meine Umgebung auf. Die Wände einer engen Gasse ragten an mir vorbei. Um mich herum waren überall Müllbeutel, Flaschen und Sonstiges. Die Umgebung kam mir unbekannt vor, doch ich war mir sicher, dass ich nicht weit entfernt von dem gestrigen Treffpunkt war.
Es stank bestialisch. Noch nie hatte ich solch einen schrecklichen Geruch vernommen.
Ich versuchte aufzustehen, wollte überprüfen, welche meiner Körperteile noch weh taten und zu meinem Glück konnte ich stehen, auch wenn die Welt sich um mich drehte.
Was war nur passiert? Ich wusste nur noch, dass ich getanzt hatte und dann... plötzlich war ich hier gewesen.
Die Wand diente mir als guten Stützpunkt, denn ich konnte nur schwer auf meinen Beinen stehen. Kaum hatte ich mich angelehnt, kam meine Konzentration zurück.
Ich musste nach Hause. Auch wenn es mir gerade als gute Idee schien, konnte ich hier nicht bleiben, bis ich endlich wieder normal sehen konnte. Wahrscheinlich würde das sowieso nie geschehen.
Also ging ich Schritt für Schritt nach vorne, es war mühsam, aber ich kam voran.
Als ich am Ende der Gasse angelangt war und mich umsah, nahm ich plötzlich einen so wunderschönen Duft wahr, dass ich ihm sofort folgen wollte. Etwas so wohl duftendes hatte ich zuvor nie gerochen. Es war wie der Himmel auf Erden. Ich hätte alles für diesen Geruch getan, ich wäre für ihn gestorben. Alles, was ich gerade wollte, war ihm zu folgen, bis ich ihn ganz intensiv riechen konnte. Mein Kopf drehte sich sofort in die Richtung, aus der der Duft kam, während mein Körper sich in Angriffsposition begab. Ich war bereit, sofort loszurennen.
Doch ich hatte keine Wahl, meine Füße waren noch zu schwach: Beim jedem Auftreten durchfuhr mich ein unaushaltbarer Stich und so konnte ich nicht rennen. Einen kurzen Moment hätte mich das nicht aufgehalten, doch dann hatte ich mich wieder im Griff. Jetzt war nicht der perfekte Augenblick dazu. Ich versuchte mir einzureden, dass ich sonst womöglich sterben würde oder mir wenigstens für eine geraume Zeit die Beine brechen würde, doch ich erwischte mich trotzdem dabei, wie ich ein lautes Fauchen austieß.
Durch dieses Geräusch fand ich mich jedoch wieder. Ich ballte meine Fäuste und schloss die Augen. Reiß dich zusammen, Elle! rief ich mir innerlich zu.
Allerdings wurde mir eines mit diesem Geruch klar: Ich hatte fürchterlichen Hunger. Solchen Hunger hatte ich mein ganzes Leben noch nicht verspürt. Mich überkam das Gefühl, als würde ich sterben, wenn ich nicht sofort etwas essen würde.
Also ging ich Schritt für Schritt weiter, denn bis ich zu Hause war, dauerte es noch lange und ich war mir sicher, dass ich hier nicht mehr lange leben würde.
Es dauerte ewig, aber irgendwann fand ich mein Auto. Einen Moment lang fragte ich mich, wie es hier her gekommen war. Alles was ich wusste, war, dass ich mit Matt hier her gefahren war, aber dass ich mein Auto auch mitgenommen hatte? Daran konnte ich mich nicht erinnern.
Wenn ich Zuhause war, musste ich mich erst einmal hinlegen. Nachdem ich etwas gegessen hatte, natürlich.
Ich stieg ein und kurbelte ein Fenster herunter. Es war plötzlich unfassbar heiß und ich fühlte mich, als würde ich verbrennen. Sofort stellte ich die Klimaanlage auf die kälteste Stufe und fuhr los.
Als ich durch das Stadtzentrum fuhr, überkamen mich plötzlich mehrere dutzend Gerüche, die mich so ablenkten, dass ich beinahe einen Unfall gebaut hätte. Ich war sogar gezwungen, an die Seite fahren. Alles, was mein Kopf und mein Körper wahrnahm, waren die himmlischen und doch verschiedensten Duftnoten, sodass ich regelrecht blind wurde.
Am Liebsten wäre ich sofort ausgestiegen und den Gerüchen gefolgt, aber ich schrie mich selber an, dass ich mich gefälligst zusammenreißen sollte und atmete ein paar mal durch, was entsprechend half.
Vielleicht würden die Gerüche weniger werden, wenn ich das Fenster wieder hoch kurbelte. Die Hitze setzte mir jedoch so zu, dass ich mich weigerte, es wieder zu öffnen.
Ich zwang mich dann aber doch dazu, das Fenster hoch zu machen und es half wirklich ein wenig.
Dies war die schlimmste Fahrt meines Lebens. So mussten sich Leute vorkommen, die eine Brille oder sonstiges brauchten, denn die Sonne blendete mich so gewaltig, dass ich kaum sehen konnte.
Es war pures Glück, dass ich lebend Zuhause ankam. In dein Einfahrt angekommen, stieg ich aus dem Auto und rannte sofort ins Haus. Die Temperatur war immer unerträglicher.
Sobald ich im Haus war stürzte ich in die Küche und riss den Kühlschrank auf. Diesem unerträglichen Hunger musste ein Ende bereitet werden.
Ich nahm so viele essbare Sachen an mich, wie meine Arme zuließen, doch alles roch widerlich. Trotz des Geruches, biss ich in mindestens 20 Sachen hinein, um sie kurz darauf wieder auszuspucken und zu würgen. Sie schmeckten regelrecht verschimmelt.
Was stimmte nur nicht mit mir. Vor lauter Hunger und Verzweiflung fing ich an zu weinen. Ich schmeckte die Tränen, die meine Wangen hinunterliefen und wischte sie mir schluchzend weg. Sie fühlten sich schrecklich warm auf meinen Händen an. Aus Reflex schaute ich auf meine Hände und stellte fest, dass ich rote Tränen weinte. Einen Augenblick befürchtete ich wirklich zu sterben, doch der Hunger forderte schon wieder meine volle Aufmerksamkeit.
Ich konnte nicht glauben, was hier mit mir geschah, alles was ich wahrnahm, jedes Gefühl, das ich spürte, war die reinste Hölle.
Als wäre dieser unerträglichen Hunger noch nicht genug, hörte ich auch noch überall Stimmen, die ich nicht einordnen konnte. Sie schwirrten durch meinen Kopf, wie lästige Bienen die um mich herumschwirrten, und hörten einfach nicht auf, Lärm zu machen. Ich hielt mit den Kopf so fest, wie es mir möglich war, doch es half alles nichts. Im Gegenteil: Die Stimmen verstärkten sich nur.
Ich wollte einfach nur noch sterben, ich fühlte mich so elend.
Ich riss immer mehr Essen aus dem Kühlschrank, bis irgendwann der Kühlschrank völlig leer war. Jedes Mal bekam ich ein wenig Hoffnung, doch das richtige Essen gefunden zu haben, nur, um wieder enttäuscht zu werden. Alles, was mir früher so gut geschmeckt hatte, war jetzt einfach nur ekelig.
Bis ich fündig wurde. Ganz hinten im Kühlschrank hatte ich ein rohes Stück Fleisch übersehen und ohne, dass ich es wollte, fletschte ich mit den Zähnen. Gierig riss ich es an mich, riss mit meinen Zähnen die Folie ab und biss hinein.
Ehe ich mich versah, hatte ich es verschlungen,doch ich war noch lange nicht satt. Der Hunger war jetzt nur unerträglicher geworden.
Alles schmerzte.
Ich stand auf, öffnete sofort alle Fenster und sprang unter die Dusche. Ein eiskaltes Bad würde vielleicht die Hitze meines Körpers mildern. Mit geschlossenen Augen wartete ich auf den befreienden Strahl, aber er kam nicht. Verwirrt sah ich nach oben, um zu kontrollieren, ob die Dusche kaputt war. Der Strahl aber kam wie gewöhnlich herunter. Das Problem war nur, dass ich zu heiß war. Über mir konnte ich Dampf ausmachen, der von mir ausging.
War das wirklich ich? Ich erkannte mich nicht wieder, ich war noch nie ein Mensch gewesen, der anfällig gegen Grippen oder sonstigem war. Jedoch war wirklich fragwürdig, ob dies eine Grippe war.
Verzweifelt drehte ich den Duschhahn aus und zog mir hastig wieder meine Klamotten an.
Durchs ganze Haus waren meine verzweifelten Schreie und mein Weinen zu hören, als ich aus der Dusche stieg und mich wieder auf den Weg zum Kühlschrank machte. In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher, als von diesen schrecklichen Gefühlen erlöst zu werden.
Ich wusste nicht, woher dieses Verlangen kam. Alles was ich wusste, war, ich konnte es nicht kontrollieren. Es ging mir schlecht und ich wusste es war das Egoistischste, das ich je getan hatte, aber es hielt mich in diesem Moment nicht davon ab. Ich nahm mein Handy aus meiner noch nassen Jacke und schrieb Till eine Nachricht.
Till mir geht’s schrecklich, kannst du kommen?
Die roten Tränen liefen mir weiterhin übers Gesicht. Als ich nach unten schaute, fiel mir auf, dass mein T-Shirt Blutgetränkt war. Hatte ich wirklich so viel geweint? Auf dem Weg zu meinem Zimmer, wo ich mir etwas anderes anziehen wollte, starrte ich durchgehend auf mein Handy. Endlich erklang der erlösende Klingelton.
Was ist denn los, Baby? Wo wollen wir uns treffen?
Sein Baby ließ mich wieder lächeln. Er schaffte es einfach jedes Mal aufs Neue, meine Stimmung zu heben.
Aber ich konnte das Haus jetzt nicht verlassen. Nicht ins Licht gehen, in die Sonne schauen.
Kannst du bitte zu mir kommen, ich will jetzt nicht nach draußen gehen...
Ich wühlte in meinem Kleiderschrank, bis ich die freizügigste Bluse fand, die ich besaß. Keine Ahnung wieso, aber ich wollte sie unbedingt anziehen. Langsam hörte ich auf zu weinen, denn ich wusste, ich könnte meine Bluse sonst auch wegschmeißen.
Okay, ich bin in 10 Minuten da, ich schleiche mich raus. Warum willst du nicht raus?
Ich starrte auf mein Handy und überlegte, ob ich ihm die Wahrheit sagen sollte. Doch meine Finger schrieben schon, bevor ich einen Entschluss gefasst hatte.
Zu heiß, will lieber in der Kälte bleiben. BG.
Blitzschnell zog ich mir die Bluse an und machte mich auf den Weg zu meinem Spiegel. Meine Haare mussten zerzaust sein und mein Make-Up verwischt, deshalb wollte ich lieber nochmal einen Blick in den Spiegel werfen. Doch als ich in den Spiegel sah, erschrak ich.
Mit einem lauten Geräusch bröckelte die Wand, gegen die ich vor lauter Schreck geknallt war.
Wo war mein Gesicht? Alles was ich in dem Spiegel sah, war meine – inzwischen kaputte - Wand und mein Schreibtisch, neben dem ich gerade stand, von mir war jedoch nichts zu sehen. Wahrscheinlich wurde ich verrückt, das war die einzige logische Erklärung. Mir stiegen schon wieder Tränen in die Augen, als die Klingel läutete.
Es musste Till sein.
Ängstlich schlich ich mich an die Tür heran, aus Angst, jemanden vorzufinden, der mir Schmerzen bereiten wollte, aber als ich fragte, wer da sei, antwortete Till mit einem fröhlichen Ich bin's, Baby!.
Ich zog die Tür auf und sofort ging es mir ein Stück besser. Till schaute mich mit großen Augen an, bis er ein leises »wow« hervorbrachte.
Verständnislos blickte ich ihn an, worauf er mit seinem Daumen in meine Richtung wies und erneut wow sagte.
Seine Geste brachte mich dazu, an mir herunter zu schauen.
Meine normalerweise schulterlangen Haare gingen nun bis zu meinen Hüften und hatten ein anderes, helleres blond, als zuvor. Ich ließ meine Finger durch die seidigen Haare gleiten, welche weich wie nie waren. Und natürlich trug ich das freizügigste Oberteil der gesamten Welt.
Till kam auch mich zu und gab mir einen liebevollen Kuss auf die Wange.
Als seine Lippen meine Haut berührten, spürte ich einen brennenden Schmerz. Aus Reflex, schlug ich ihm sofort ins Gesicht, womit ich bezweckte, ihn von mir weg zu scheuchen.
Jedoch wurde mir eine Sekunde später klar, was ich getan hatte und ich fing langsam wieder an zu weinen. Alle Gefühle überkamen mich, ich spürte wieder den gewaltigen Hunger, die brennende Hitze und das Stechen, das die Stimmen in meinem Kopf verursachten.
Till schaute mich verwirrt und gleichzeitig verängstigt an und hielt sich an seinem Gesicht, wo sich ein langer roter Schlitz abzeichnete.
Hatte ich das getan? Wieder einmal fragte ich mich, was mit mir los was, weshalb ich mich so verhielt. Das war nicht ich.
»Du hast mich geschlagen« flüsterte er, in seinen Augen lag Ängstlichkeit.
Er entfernte sich stolpernd ein paar Schritte von mir, doch ich nahm seinen Arm, um ihn vom Gehen abzuhalten.
»Es tut mir Leid, I-I-Ich weiß nicht, was mit mir l-l-los ist« stotterte ich unter Tränen.
»Hast du mir das mit deinen Fingernägeln angetan?«
Sofort fiel mein Blick auf meine Fingernägel, was mich erstaunt verstellen ließ, dass sie mindestens 3cm lang waren und spitz wie Messer. Ungläubig ließ ich meinen Arm von ihm ab und starrte meine Hände an.
»Was ist nur mit mir los!« schrie ich verzweifelt.
Ich konnte meinen Tränenfluss nicht mehr stoppen, alles floss nur so aus mir heraus, was nur dazu führte, dass Till mich noch geschockter anblickte.
Mir fiel wieder ein, dass ich rote Tränen weinte und ich wischte sie schnellst möglich weg.
»Bitte wende dich nicht von mir ab. Ich brauch dich gerade mehr denn je«
Vorsichtig ging ich einen Schritt auf ihn zu und merkte sofort, wie er sich innerlich zwang, nicht zurück zu weichen.
»Ich weiß nicht ob ich das kann...«
Einen Moment lang starrte er ins Leere. Dann atmete er einmal tief durch und blickte mir wieder in die Augen.
»Komm her«
Er öffnete seine Arme und ich sah ihn dankend an und lief direkt hinein. Noch immer rannen mir Tränen übers Gesicht, weshalb ich mein Gesicht in seinen Nacken drückte.
Seine Haut war weich und ich konnte seinen Puls zu hören. Mich überkam auf einmal ein erneuter Hunger, ich konnte deutlich spüren, wie sein Blut durch die Adern strömte. Ich spürte, wie ich meine Beherrschung verlor, wollte ihm meine Zähne in den Hals bohren, alles Blut aus ihm saugen. Sein Blut roch himmlisch. Im Vergleich zu diesem Duft, hatte das Fleisch widerlich gerochen. Wie würde es dann wohl im Vergleich schmecken?
»Siehst du Baby, jetzt weinst du schon nicht mehr. Alles wird wieder gut«
Seine Stimme löste mich aus meiner Starre und mir wurde sofort klar, dass ich ihn töten würde, wenn ich mich jetzt nicht von ihm abwandte.
Ich sammelte meine ganze Willenskraft und schubste ihn dann von mir weg, so aggressiv, wie ich konnte, denn ich merkte, wie mein Verlangen langsam die Überhand gewann.
»Geh weg von mir!« schrie ich.
»Was ist nur los mit dir.«
Sein Flüstern kann so traurig und verzweifelt heraus, dass ich beinahe wieder angefangen hätte zu weinen, doch ich konnte an nichts anderes mehr denken, als an sein Blut. Wie ich es trinken würde, es auf meiner Zunge spüren würde, wie es meine Kehle hinunterlief.
»Geh raus hier! Sofort!«
Ein wütender Aufschrei kam aus meiner Kehle. Er warf mir einen verletzten Blick zu, stürmte dann aber wie gefordert aus dem Haus.
Sobald er durch die Tür gegangen war, drückte ich sie zu und warf mich dagegen.
Mein Verlangen wies mich an, die Tür wegzureißen, um ihm folgen zu können, doch ich umschlang mich selber, damit ich die Kontrolle über mich nicht verlor und sank dann ganz langsam zu Boden, wo ich wieder anfing zu weinen.
Langsam verschwand der Geruch und ich wusste, dass ich es geschafft hatte.
Vorerst.
Als langsam die Sonne unterging, konnte ich mich nicht mehr aufhalten. Ich brauchte etwas zu essen. Barfuß rannte ich aus dem Haus und machte mich auf den Weg Richtung Stadtzentrum.
Während ich in den Schatten der Häuser lief, roch ich die unterschiedlichsten Dinge. Ganz entfernt von hier konnte ich einen Crepe-Stand ausmachen, bei dem ich sogar hören konnte, wie die Leute bestellten. »Mit Zimt und Zucker bitte«.
Keineswegs konnte ich nachvollziehen, was mit mir geschah, doch es fühlte sich fantasstisch an. Die Kopfschmerzen waren nach kurzer Zeit verschwunden und auch sonst fühlte ich mich jetzt erstaunlich gut. Seitdem die Sonne unter gegangen war, sah ich die Dinge viel schärfer, als ich es früher getan hatte. Jede einzelne Bewegung nahm ich wahr, egal ob direkt vor mir oder am Rande meines Augenfeldes. Sogar Ameisen konnte ich auf dem Boden krabbeln sehen.
An einer Hauswand kam ich zu halt und fing an eine Gruppe von Jugendlichen zu beobachten, die etwa 500 Meter entfernt von mir stand.
Ohne jegliche Anstrengungen konzentrierte ich mich auf die Worte die sie sagten.
»Ich sags dir, ich hab noch nie so einen miesen Film gesehen. Du hast da echt nichts verpasst, glaub mir.« sagte ein blonder, großer Junge zu dem Mädchen neben sich, der inmitten von allen stand.
»Wirklich nicht? Ich hatte schon Angst, dass ich wirklich was großes verpasst hab, nur weil ich keine Zeit hatte.« antwortete sie.
»Leute, ich glaub ich fahr jetzt nach Hause, sonst bekomme ich noch Ärger von meinen Eltern. Ihr wisst ja, sie sind echt streng was die Ausgangssperre betrifft.«
Die Stimme kam von einem mittelgroßen, brünetten Jungen. Für einen Augenblick legte meinen Kopf schief und sog seinen Geruch ein.
Volltreffer.
»Okay, Sam, bis morgen.« riefen ihm die restlichen Jugendlichen zu.
Einige der Anderen verabschiedeten ihn, indem sie ihn umarmten, ihm zuschlugen oder ihm ein Küsschen gaben.
Dies war meine Chance. Mir entging keine seiner Bewegungen, ich beobachtete genau wie er sich langsam von der Gruppe entfernte und dann schließlich hinter einer Wand verschwand.
Ich rannte los.
Alles auf das ich gerade achten konnte, war die Spur, die dieser Junge setzte. Eine Sekunde lang nahm ich wahr, wie schnell ich eigentlich rannte. Die Häuser und Menschen in meinem Umfeld verschwanden, so als würde man in einem fahrenden Auto sitzen. Daran könnte ich mich gewöhnen.
Ein paar Meter hinter Sam blieb ich stehen. Er pfiff leise vor sich hin und spielte mit seinen Schlüsseln.
Armer Junge, wusste nicht einmal was ihn jetzt erwartete. Wäre er doch nur bei seinen Freunden geblieben. Obwohl. Damit hatte er wahrscheinlich nur seine Freunde gerettet. Mein Hunger war so groß und unkontrollierbar, dass ich möglicherweise ihn und seine ganzen Freunde ausgesaugt hätte.
Leise pirschte ich mich an ihn heran, bis ich kurz vor ihm stand.
»Tut mir Leid« hauchte ich ihm mitfühlend zu.
Er drehte sich blitzschnell um, doch es war zu spät. Seine Augen weiteten sich fast unmerklich, bevor ich ihm meine Zähne in den Hals schlug. Mich erfüllte ein unglaubliches Gefühl, als würde ich von der Welt abheben,in eine andere Dimension schweben, ins Paradies. Dies war der Himmel auf Erden. Nein. Es war besser. Es war das Gefühl des puren Glückes. Für dieses Gefühl würde ich immer weiter töten, das wusste ich in meinem tiefsten Inneren.
2 Sekunden später sackte sein lebloser Körper vor mir zusammen. Zufrieden wischte ich mir den Mund ab und stellte fest, dass ich immer noch hungrig war.
Erst jetzt merkte ich, was ich getan hatte. Er war unschuldig und ich hatte ihn getötet. Ich stolperte ein paar Schritte zurück, da der Anblick von ihm mich so verschreckte. Dies war mein Werk.
Ich drückte mich an die nächstgelegene Wand und sank auf den Boden. Neben mir lag seine Leiche, die mich mit leerem Blick anstarrte.
»Warum!« schrie ich so laut, dass die ganze Stadt es hätte hören können.
Ich verbarg mein Gesicht in meinen Armen, als ich plötzlich nicht weit entfernt von mir, Schritte wahrnahm.
Auf alles gefasst, blickte ich auf und suchte nach einer Bewegung in der Dunkelheit, bis aus dem Schatten eine Person erschien.
»Wow, da hast du ja ganze Arbeit geleistet. Ich hätte nicht gedacht, dass du gleich so loslegst.« stellte sie grinsend fest.
Ich erkannte ihre Stimme sofort. Als sie ins Licht trat, erblickte ich ihre wunderschönen schwarzen Haare und dieselben Augen, die ich auch hatte.
»Ich wollte das nicht.« wisperte ich.
Meine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.
»Doch, natürlich wolltest du das.« antwortete sie mit einem schämischen Grinsen auf dem Gesicht.
Ich schüttelte bedrückt den Kopf, doch insgeheim wusste ich, dass sie recht hatte.
»Du bist doch sicher schon dahinter gekommen, was mit dir los ist, oder?« sagte sie und ich glaubte, etwas wie Mitleid in ihrer Stimme zu hören.
»Ich weiß nicht. Vielleicht. Das kann einfach nicht sein.« flüsterte ich.
Sie kam näher an mich heran, bückte sich, sodass sie mir in die Augen gucken konnte und legte ihre Hand auf meinen Arm.
»Du weißt es. Aber bevor wir jetzt weiter darüber reden, lass uns erst mal diesen Jungen hier wegbringen. Es wäre nicht gut, wenn man ihn morgen früh so auffinden würde. Es wäre zu … auffällig.«
Einen Moment blickte sie ihn schief an, bis sie endgültig aufstand.
Sie wies mich an die Beine des Jungen zu nehmen, während sie ihn an den Schultern packte und ich gehorchte. Mich erschrak, wie stark ich war, denn ich spürte keinerlei Gewicht, als ich Sam trug.
»Glaub mir, bei mir war es am Anfang noch schlimmer.« sagte sie lächelnd.
»Du bist so wie ich?«
Erst verwirrte es mich, doch im Nachhinein war es die einzige sinnvolle Erklärung.
»Schau mich doch an, ich habe genau die selben Augen wie du.«
Es schien sie zu amüsieren, wie ahnungslos ich war und dass ich richtige Schwierigkeiten damit hatte, alles zu verstehen, was sie sagte.
Wir erreichten ein altes Fabrikhaus und sie führte mich hinein. Es war ziemlich alt und die meisten Fenster waren zerbrochen, doch als Schutz für eine Leiche würde es eindeutig reichen. Als wir eintraten, überkam mich ein Gefühl, als müsse ich aufstoßen. In der ganzen Halle stank es nach Verwesung.
»Das Haus dient uns schon lange als Versteck für die Opfer, die wir erledigt haben. Irgendwann wird hier bestimmt mal jemand zufällig reinkommen und alle Leichen finden, aber bis es soweit ist, werde ich es weiter nutzen.« sagte sie ganz nebenbei.
Wir legten Sam ab und sie ging voraus zu einem kleinen Tisch, an dem 2 Stühle standen. Sie setzte sich hin und wartete, bis ich es ihr nach machte. Ich wollte endlich erfahren, was mit mir geschah.
»Was willst du als erstes wissen?«
»Ich glaube, ich will zuerst wissen, was mit mir passiert ist.« fragte ich mit einem leichten Nicken.
Sie lachte auf.
»Du bist ein Vampir.« flüsterte sie mir gespielt boshaft zu. Ich allerdings fand das gar nicht lustig.
»Ein Vampir?«
Ich konnte kaum glauben, was sie mir hier erzählte. Vampire gab es nicht. Sie waren eine Erfindung von verrückten Menschen, die nichts besseres zu tun hatten, als irgendeinen Humbug zu verbreiten.
»Doch es gibt sie wirklich. Und vergiss nicht, ich kann deine Gedanken immer noch lesen.«
»Dann ist das meine 2. Frage. Warum kannst du sie lesen? Ich kann deine nicht lesen. Woran liegt das?«
Sie schaute kurz auf den Tisch, überlegte was sie sagen sollte und wandte sich mir dann wieder zu.
»Ich versuche es so leicht wie nur möglich zu erklären. Ich bin schon seit ich denken kann ein Vampir. Wir werden geboren als normale Menschen, aber manche von uns entwickeln im Laufe unseres Vampirlebens besondere Fähigkeiten. Und meine Fähigkeit ist eben das Gedankenlesen. Allerdings kann ich nicht von jedem die Gedanken lesen. Deine kann ich zum Beispiel nur lesen, weil du meine Schwester bist. Normalerweise sind andere Vampire älter als ich und das setzt voraus, dass sie wissen, dass es Gedankenleser gibt. Es gibt eine Technik, wie man sich ein Schutzschild aufbauen kann, dass mich davon abhält, ihre Gedanken zu lesen. Das ist natürlich eine Schande, aber die Gedanken der Menschen kann ich trotzdem noch einwandfrei lesen.«
Ich konnte also auch verhindern, dass sie meine Gedanken laß. Ein Glück. So war ich wenigstens in Zukunft ein wenig sicherer von ihr.
»Und habe ich eine Fähigkeit?« fragte ich neugierig.
»Das kann ich dir nicht beantworten. Du allein wirst es im Laufe der Zeit feststellen. Aber ich will dir nichts versprechen, nicht viele der Vampire haben das Glück eine Gabe zu erhalten. Ich bin ein gesegnetes Kind, Gedankenleser gibt es wirklich selten und es ist eine der stärksten Fähigkeiten.« sagte sie stolz.
»Und wie bin ich zum Vampir geworden? Es ergibt alles keinen Sinn! Ich habe doch ein ganz normales Leben geführt und plötzlich ging alles nach hinten los!«
Ich schrie schon fast, denn so langsam verlor ich die Kontrolle über mich.
»Beruhige dich. Glaub mir, alles ergibt Sinn. Erinnerst du dich an die Nacht, wo du diesen stechenden Schmerz in deinem Rücken gespürt hast?«
Ich nickte. Noch immer konnte ich mich an alles erinnern. Das Dröhnen in meinem Kopf, der stechende Schmerz, die schwarzen Augen die mich anblickten. Die schwarzen Augen!
»Richtig, die schwarzen Augen. Ich muss gestehen, das war ich. Ich habe dich gebissen, um die Verwandlung zu beenden. Tut mir Leid, aber mir blieb nichts anderes übrig.«
Sie legte ihre Hand auf meine, doch ich riss sie schnell weg. Sie hatte mir das hier angetan! Nur wegen ihr fühlte ich mich so schrecklich. Ich konnte es nicht fassen.
»Ich sagte doch, es tut mir Leid. Ich musste es tun! Er hätte mich sonst getötet! Und dich auch...« erklärte sie hitzig.
»Wer ist er?!«
Meine Stimme wurde immer lauter, die Wut hatte mich übermannt.
Sie schüttelte kaum merklich den Kopf.
»Ich wünschte, ich könnte es dir sagen. Tut mir Leid.« wisperte sie.
Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.
Sofort stand ich auf und drehte mich demonstrativ zum Gehen um. Plötzlich stand sie vor mir, schnappte nach meinem Arm und funkelte mich böse an.
»Wie machst du das! Schon als ich das erste Mal mit dir gesprochen habe, warst du plötzlich vor mir«
»Hast du nicht schon bemerkt, dass du dich unmenschlich schnell bewegen kannst? Du könntest jetzt locker wegrennen, hätte ich dich nicht gepackt. Du bist noch so unerfahren.«
Das ließ ich mir nicht gefallen. Um ihr zu beweisen, wie stark ich war, versuchte ich meinen Arm wegzureißen, doch sie hielt mich eisern fest. Keinerlei Chance in Sicht.
»Was können wir noch alles?« fragte ich sie und versuchte mich immer noch vergeblich aus ihrem Griff zu befreien.
»Wir können unsere Fingernägel ausfahren. So können wir unsere Beute ganz leicht verletzten. Eigentlich könnten wir unseren Opfern die Kehle leicht aufschlitzen, aber dann wäre das ganz Blut ja umsonst. Glaub nicht, dass ich es nicht schon einmal ausprobiert hätte. Also dient es uns dazu, unsere Feine festzuhalten und wenn nötig umbringen zu können. Also würde ich an deiner Stelle nicht mehr versuchen, meine Hand abzuschütteln. Glaub mir Schätzchen, ich bin stärker als du.«
Mir fiel wieder ein, wie ich Till verletzt hatte, obwohl ich es gar nicht wollte. Was war ich nur für ein Monster geworden.
»Und natürlich können wir noch ziemlich hoch springen und ach ja, wir können unser Erscheinungsbild ändern. Eine echt tolle Fähigkeit. Du glaubst nicht, wie viele Vampire sich als andere Menschen tarnen, um dann die Freunde der Person auszusaugen. Und ich muss sagen, es funktioniert sogar ziemlich gut.« sie lachte laut auf.
Plötzlich erschien vor mir eine andere Person. Sie war klein und etwas kurvig, hatte blondes kurzes Haar und blaue, strahlende Augen.
Es sah wirklich überzeugend aus.
»Wieso ist mir den ganzen Tag so heiß gewesen und warum konnte ich nicht gescheit sehen? Jetzt wo die Sonne untergegangen ist geht es mir fantastisch.«
»Das ist ganz einfach. Du bist jetzt ein Nachtmensch. Und außerdem bist du ziemlich jung. Kein Wunder, dass die Sonne dir so zusetzt. Ich habe dir ja immerhin schon dein Auto gebracht, mehr konnte ich in dem Moment nicht tun. Sei froh, dass du auf dem Weg nach Hause noch keinen Menschen getötet hast. Ich hatte es damals nicht so einfach. Junge Vampire haben Schwierigkeiten mit der Sonne. Aber mit den Jahren gewöhnst du dich daran, du bist zwar nie immun dagegen, aber wenn erst einmal ein paar Wochen vergangen sind, wirst du keine Probleme mehr damit haben. Du hast es ja damals im Einkaufszentrum gesehen, ich kann auch einfach in der Sonne herumlaufen, ohne zu sterben. Und was die Hitze angeht, das macht die Verwandlung. Dein Körper hat sich noch nicht völlig gewandelt, es wird noch ein paar Tage dauern. In dieser Zeit würde ich dir übrigens empfehlen, nur wenn es dunkel ist rauszugehen.«
Das erklärte die Sache mit dem Auto. Niemals hätte ich gedacht, dass sie so etwas für mich tun würde, es schien mir fast so, als hätte sie tief in ihrem Inneren doch noch einen netten Kern. Ganz tief in ihrem Inneren.
»Okay...aber wie soll ich dann in die Schule gehen? Sonne tötet uns also nicht, aber irgendetwas wird uns töten. Was ist es?«
Auf einmal bemerkte ich, dass wir immer noch so dastanden. Ihr fiel auf, dass ich mich unbehaglich fühlte und so lies sie mich los und ging wieder zu ihrem Stuhl zurück.
»Setz dich wieder.« sagte sie und zeigte auf den Stuhl ihr gegenüber.
»Gut, dass du fragst. Du kennst doch die Vampirfilme, in den gesagt wird, dass wir gegen alle möglichen Dinge empfindsam sind, oder? Ein paar Dinge stimmen, doch wir Vampire haben schon immer Dinge erfunden, damit wir im Fall, dass wir auffliegen, doch geschützt sind. Wir können zum Beispiel durch Feuer getötet werden, aber Weihwasser, Knoblauch und Kreuze bringen gar nichts. Das Einzige, was uns noch töten kann, ist Silber. Und natürlich kann man uns töten, indem man uns in Stücke reißt. Wenn dir jemand die Kehle durchschneidet, sodass dein Kopf abgetrennt ist, bist du tot. Aber wenn dir nur jemand in den Bauch sticht, hast du vielleicht Glück. Die meisten Leute haben keine Messer aus Silber, aber es kommt schon vor. Und was die Schule betrifft, da musst du wohl drauf verzichten. Was für eine Schande.« sagte sie grinsend.
»Noch eine Frage. Wenn du mich erst gestern gebissen hast, warum habe ich mich davor dann schon so komisch verhalten?«
Mir fiel wieder mein Black Out ein und wie sich meine Gesichtsfarbe geändert hatte.
»Du trinkst doch jeden Mittag einen Tee nicht wahr? Wir, ich meine, ich, habe dir ein gewisses Gift in den Tee getan, welches die Verwandlung zum Starten gebracht hat. Allein einen Mensch zu beißen reicht nicht. Du brauchst dieses Gift, damit dein Körper sich nach dem Aussaugen wieder komplett herstellt. Es sorgt dafür, dass jede Zelle sich neu bildet. Hätte ich es nicht in deinen Tee gekippt, würdest du jetzt nicht mehr hier sitzen. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Das einzige Problem ist nur, dass das Gift wirklich schwer zu finden ist.« sagte sie und zuckte mit den Schultern.
»Und wie ist das mit dem Ernähren? Muss ich ab heute mein ganzes Leben lang Leute aussaugen oder gibt es noch andere Möglichkeiten?« fragte ich leise.
Niemals konnte ich mein ganzes Leben lang Menschen töten, deshalb hoffte ich, dass es eine andere Möglichkeit gab. Doch sie schüttelte lediglich den Kopf.
»Nein, du hast keine Wahl. Ob du nun willst oder nicht, es gibt nur eine Option. Entweder du beißt Menschen oder der Hunger wird dich nach und nach auffressen und irgendwann wirst du es sowieso nicht mehr aushalten. Es gab schon ein paar Vampire in der Geschichte, die es mit Fleisch versucht haben, oder mit Tierblut, doch bisher sind alle gescheitert.« sagte sie unbeeindruckt.
»Glaub mir, irgendwann wirst du dich daran gewöhnen. Der Blutdurst siegt eben doch immer. Man kann sich nicht dagegen wehren.«
Nein.
Ich konnte nicht weiterhin Menschen töten. Mein Gewissen war schon schwer genug, weil ich gerade diesen unschuldigen Jungen getötet hatte. Dazu kam noch, dass ich Till angegriffen und verletzt hatte. Das konnte ich nicht noch einmal durchstehen. Dann würde ich eben nie wieder Blut trinken. Ich würde die erste sein, die es schaffen würde.
Sie lachte über mich, sagte jedoch nichts mehr zu meinen Gedanken.
Sie blickte nach draußen, was mich ebenso dazu verleitete einen Blick nach draußen zu werfen. Der Himmel färbte sich leicht orange. Die Sonne würde bald aufgehen.
»Es wird Zeit zu gehen, Elle. Ich kann dir in nächster Zeit nicht mehr helfen, aber wenn du mich brauchst, wirst du mich finden. Viel Glück, Schwester.«
Ehe ich mich versah,war sie verschwunden und ich alleine in dieser Halle voller verwester Leichen.
Jetzt war der perfekte Zeitpunkt, meine Fähigkeiten zu rennen, auszuprobieren. Ich musste sowieso irgendwie schnellst möglich nach Hause kommen und ich konnte mich nicht daran erinnern, mein Auto mitgenommen zu haben. Ich stand auf, ging in die Stellung eines Sportlers, der in der nächsten Sekunde zum Sprint ansetzten würde und rannte dann los.
5 Sekunden später stand ich vor meinem Haus.