Shadow of the Night, Blutige Liebe
Kapitel 3
3
»Wie lief es ab Leila, hat alles funktioniert, wie ich es mir erhofft hatte?«
Er stand an einer Fensterscheibe, manchmal kam er mir wirklich gruselig vor. Neben ihm war seine Freundin. Gefährtin. Frau. Er sprach nie darüber. Und ich fragte ihn auch nicht. Es war ein Thema, das wir generell einfach übergingen. Er wollte wohl nichts darüber erzählen und so nervte ich ihn nicht und bekam auch keine Schwierigkeiten, weil ich ihn eventuell verärgern könnte. Sie hatte blondes Haar und war eine Naturschönheit.
» Ich muss Sie enttäuschen, sie ist einfach gegangen. Sie wollte das alles nicht wissen.«
Er drehte sich um und sah mich einen Augenblick an. Dann schritt er hinüber zum Kamin, wo er kurz seine Hand hinein streckte, die kurz darauf Feuer fing. Er liebte nun mal das Drama. Und die Show. Ich hatte sogar gehört, er wäre damals ein Zauberer gewesen. Das war natürlich in jungen Jahren gewesen. Allerdings glaubte ich, er vermisste es. Die Aufregung, die Spannung während dem Zaubertrick und den Applaus.
» Ich fürchte, das wird schwerer, als wir gedacht hatten.«
Seine Hand brannte immer noch. Von Schmerz war in seinem Gesicht keine Spur zu sehen. Das war wieder rum ein Zeichen seines Alters. Wie alt er jedoch war, wusste keiner so genau. Und keiner fragte ihn. Das gehörte sich einfach nicht.
» Sie haben mir versprochen, dass wir es schaffen! Wir müssen es schaffen. Sie haben uns getrennt, Sie haben mich entführt, als ich ein Kind war und das schulden sie mir nun! Es ist schon schwer genug, die Eiskalte zu spielen. Ich haben ihnen vertraut und sie haben es mir versprochen!«
Er blieb ganz ruhig, doch am Fenster bewegte sich etwas. Es war seine Freundin. Gefährtin. Frau. Sie war unausstehlich.
» Du wagst es, so mit ihm zu reden! Willst du, dass ich dich mit eigenen Händen foltere und danach verbrenne?!«
Ich wusste, ich war zu weit gegangen, doch ich wollte ihr diesen Sieg nicht gönnen. Ich trat einen Schritt näher auf sie zu, um sie nur anzuspornen, mich hier und jetzt zu töten.
Er tupfte seine Hand kurz an seiner Jacke ab, was die Flammen löschte und stellte sich zwischen uns.
» Nur Ruhe meine Lieben. Wir kriegen das schon hin. Und Leila, denkst du, ich habe keinen 2. Plan oder 3. und 4. Plan? Ich bin weit aus genialer und älter, als manch einer weiß. Ich weiß, wie man spielt. Ich habe schon viel erlebt meine Liebe. Und nun geh. Ich habe genug gesagt! Ich muss das wohl selber in die Hand nehmen.«
Ich wusste ich war zu weit gegangen, aber es war richtig, dies zu sagen. Ich drehte mich um und ging zur Tür. Kurz davor blieb ich stehen und drehte mich ein letztes Mal um.
» Ich vertraue auf Sie. Wir müssen es schaffen. Sie ist immerhin meine Schwester.«
Der nächste Tag verlief ohne Schwierigkeiten. Ich begegnete dem komischen Mädchen, dessen Namen ich komischerweise nicht mal wusste, zwar immer wieder auf dem Flur, in der Toilette, eigentlich überall, aber sie tat nichts weiter als mich weiterhin anzustarren. Eigentlich hätte ich erwartet, dass sie mich erneut zu einem Gespräch zwang, aber da lag ich wohl falsch.
Was komisch war, ich hatte Gerard heute kein einziges Mal getroffen, nicht mal, als ich bei seiner Klasse nach ihm geschaut hatte. Vermutlich hätte ich einfach seine Freunde nach ihm fragen sollen... darauf war ich nur leider zu spät gekommen.
Auf dem Weg nach Hause nahm ich mir einen Apfel aus meinem Rucksack, der genauso aussah, wie der gestrige.
Ich erinnerte mich an die rote Schrift an der Wand, die mit höchster Wahrscheinlichkeit mit Blut geschrieben war, wie ich sie versuchte wegzubekommen, mit allen möglichen Mitteln, wie sie einfach nicht wegging.
Ich überlegte wer so etwas an meine Schlafzimmerwand hätte schreiben können. Wer sollte ''Du hättest auf mich hören sollen. Er will dich.'' auf die Wand eines Teenagers geschrieben haben? Klar, Gerard hätte es sein können, ich hatte ihm genug Gründe gegeben, sauer auf mich zu sein, aber wäre solch eine Drohung nicht ein wenig übertrieben? Und Josh, er hasste mich womöglich, aber wir hatten uns früher so gut verstanden, dass mir das unrealistisch vorkam. Aber wer sonst hätte es sein sollen?
Natürlich! Diese Irre musste es gewesen sein. Sie hatte wahrscheinlich den Schlüssel der unter der Fußmatte lag genommen und war dann in mein Zimmer gelaufen.
Aber warum sollte sie das tun? Ja, natürlich war sie irre, aber auch wenn ich sie definitiv nicht leiden konnte, traute ich ihr so Etwas nicht zu. Doch wenn sie es nicht gewesen war, musste es jemand Fremdes gewesen sein. Ich nahm an, es war einfach irgend ein blöder Scherz von irgendwelchen Raudis gewesen.
Als ich nach Hause kam, fand ich Cookie allein im Wohnzimmer auf. Er hörte mich erst nicht, doch als ich seinen Namen rief, sprang er mich wie wild an und freute sich abgöttisch. Das sah ich als eine Auffassung zum Gassigehen auf, also schnappte ich mir die Leine, die wie gewohnt an der Gaderobe im Flur hing und brach zu einem Spaziergang auf.
Es war schönes Wetter, perfekt um Spazieren zu gehen. Cookie war heute anders, er wollte in eine völlig andere Richtung als sonst, aber da ich ihn liebte und er nun einmal ziemlich stur war, folgte ich ihm einfach.
Cookie war ein kleiner Yorkshire Mischling und mein Ein und Alles. Allerdings war er schon 7 Jahre alt und ich wusste nicht, wie lange er noch leben würde, denn er hatte schon einige Krankheiten durchgestanden und benahm sich auch schon eher wie ein alter Hund.
Heute aber war er fröhlich und aufgeweckt wie nie, weshalb ich ziemlich schnell laufen musste, um mit ihm mitzuhalten.
In der Ferne sah ich einen anderen Hund kommen, doch es war zu spät. Cookie raste schon auf ihn zu und ich wusste, er würde ihn sofort angreifen. Es war mein Fehler, ihn von der Leine loszumachen, doch ich hatte gedacht, dass ich hier niemanden treffen würde.
Er war nicht gerade der freundlichste Hund, naja, jedenfalls was das Zusammentreffen mit anderen Hunden anging. Ich rannte ihm also hinterher, doch ich befürchtete, ich kam zu spät. Cookie entfernte sich immer mehr und hatte den anderen Hund nun fast erreicht. Plötzlich spürte ich etwas unter meinen Füßen und wurde weggezogen. Sofort wurde alles schwarz.
»Hey, ist alles in Ordnung?« hörte ich jemanden hastig sagen.
Ich wurde gerüttelt. Als ich langsam wieder sehen konnte, blickte ich in das Gesicht von einem total gutaussehenden Jungen. Sofort war es mir peinlich, hingefallen zu sein und ich versuchte mich aufzusetzen. Mit Folgen. Mein Kopf dröhnte und kurz wurde alles um mich herum wieder schwarz. Was war nur passiert?
»Was machst du da, du darfst dich doch nicht so schnell aufsetzten! Du bist gerade echt schlimm hingefallen!« beteuerte der fremde Junge.
Ich verstand die Situation noch immer nicht, doch als ich im Hintergrund Cookie erkannte, fiel mir alles wieder ein. Ich war ihm nachgerannt und plötzlich hingefallen. Anscheinend musste ich ohnmächtig geworden sein...
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich in den Armen des Fremden lag, der mich ziemlich fürsorglich anschaute. Er sah wirklich gut aus, hatte braune, kurze Haare und strahlend blaue Augen.
»Eh ich eh.. tut mir Leid, hat Cookie deinen Hund angegriffen?« fragte ich noch immer nicht ganz bei der Sache. Er lachte kurz. Was gab es hier zu lachen? Ich war hingefallen, mein Kopf schmerzte unglaublich und mein Hund hatte wahrscheinlich mal wieder jemanden gebissen. Mir war absolut nicht zum Lachen zumute.
»Du machst Witze oder? Die beiden haben sich auf Anhieb toll verstanden. Schau doch!« antwortete er und zeigte mit seiner Hand zu den Hunden.
Er hob mich vorsichtig hoch, damit ich die beiden sehen konnte. Tatsächlich. Sie lagen nebeneinander und sahen sich total niedlich an, so etwas hatte ich bei Cookie noch nie gesehen. Bisher hatte sie jeden Hund, den wir trafen von der ersten Sekunde an gehasst. Einmal hatte ich sogar eine Klage am Hals, weil mein Hund einen anderen angefallen hatte, doch die beiden verstanden sich wohl ziemlich gut.
»Achso, ich bin übrigens Till, ich bin der Besitzer von Jerry und hab dich fallen sehen, deshalb bin ich so schnell wie möglich hier her gerannt, aber du warst schon ohnmächtig. Ich bin echt froh, dass es dir soweit gut geht, ich hab mir schon überlegt, einen Krankenwagen zu rufen!« erzählte er.
Angestrengt wand ich mich aus seinem Armen, um ihm zu zeigen, wie gut es mir ging und setzte mich auf. Jetzt konnte ich seine Schönheit vollends erkennen, er hatte wirklich etwas Einzigartiges.
»Ach nein, es geht mir gut. Aber vielen vielen Dank! Ich bin auch so ein Tollpatsch, so was passiert immer nur mir... aber naja, du hast mich ja gerettet. Dafür bin ich dir eigentlich was schuldig.« sagte ich, während ich mich mit meiner Hand am Boden abstützte.
Er schenkte mir ein bezauberndes Lächeln, ihm gefiel wohl was ich sagte.
»Ja das stimmt. Ich würde ja eine Einladung ins Kino verlangen oder wenigstens deine Handynummer, aber so ein hübsches Mädchen wie du hat doch bestimmt einen Freund.« gab er grinsend zurück.
»Nein hab ich nicht.«
Bevor ich auch nur eine Sekunde nachgedacht hatte, platzen die Worte aus mir heraus. Warum sagte ich so was? Ich meine, das mit Gerard war immer hin noch nicht vorbei? Oder doch? Vielleicht war das ja ein Zeichen.
Ich wollte mich gerade korrigieren, da fiel er mir ins Wort.
»Super, na dann würde ich sagen, wir treffen uns hier morgen um 18 Uhr und entscheiden uns dann, was wir machen wollen? Meine Nummer bekommst du nicht, damit du mich nicht versetzten kannst. Ich meine, du bist mir doch was schuldig, nicht wahr?« fragte er immer noch lächelnd.
Er stand auf und wollte mir aufhelfen, doch ich blieb sitzen. Ich musste einen Moment überlegen, ob ich Gerard wirklich so hintergehen sollte. Er war mein Freund, doch wir hatten Streit. Aber er liebte mich und ich war niemand, der betrug. Andererseits aber war es bei uns doch gerade sowieso so gut wie aus und außerdem konnten wir ja als Freunde etwas zusammen machen. Ich würde ihm gleich morgen sagen, dass ich doch einen Freund hatte, doch für jetzt entschied ich mich, ihm die Wahrheit zu verschweigen.
Tief atmete ich durch, nahm seine Hand, die er mir entgegenstreckte und ließ mir schließlich von ihm hoch helfen. Ich stand zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber außer den Kopfschmerzen ging es mir schon viel besser.
»Okay, genau hier, morgen um 18 Uhr. Ich werde da sein.« beschwichtigte ich und schenkte ihm ein Lächeln. Insgeheim freute ich mich wirklich auf morgen. Man lernte immerhin nicht jeden Tag Jungs kennen und erst recht nicht so gutaussehende und ein wenig Ablenkung nach dieser Verrückten und dem Vorfall mit dem Schreibtisch konnte wohl auch nicht schaden.
Ich rief Cookie zu mir und gemeinsam gingen wir dann wieder in die entgegengesetzte Richtung. Till begleitete mich noch ein Stück, wobei ich ihn etwas kennen lernte. Und er war toll. Wirklich. Selten hatte ich jemanden getroffen, der so gut aussah und trotzdem so einen wundervollen Charakter besaß.
Als ich Zuhause ankam, hatte ich schon wieder alles von dem Gespräch vergessen. Mein Kopf schmerzte unmenschlich und die Bauchschmerzen waren auch wieder zurück gekommen. Ich musste wohl doch härter gefallen sein, als ich zuerst dachte und sollte mich wohl etwas ausruhen, vielleicht würde mir dann wieder alles einfallen. Das Einzige, was ich noch in Erinnerung hatte, war, dass er echt nett war. Und, dass ich mich morgen um 18 Uhr mit ihm traf.
Am nächsten Morgen stand ich früher auf. Ich wollte noch bei Gerard vorbeischauen, weil ich die Sache zwischen uns wieder in Ordnung bringen wollte. Ich hatte keine Lust auf eine Konfrontation während der Schule und außerdem hatte ich noch ein schlechtes Gewissen wegen Till und wollte ich ihm auch noch erklären, warum ich im Einkaufszentrum so einfach aufgelegt hatte.
Ich sprang unter die Dusche und putzte mir die Zähne. Heute sah mein Gesicht schon besser aus, allerdings hatte es immer noch die selbe bleiche Farbe wie am Tag zuvor. Kurz überlegte ich, ob ich vielleicht mal wieder ins Sonnenstudio gehen sollte, wie ich es früher immer getan hatte, entschied mich dann jedoch dagegen, da mir meine neue Gesichtsfarbe sogar ein wenig gefiel. Sie brachte meine schwarzen Augen gut zum Vorschein.
Nachdem ich mich angezogen und geschminkt hatte, ging ich hinunter in die Küche, um mir für die Schule noch ein Pausenbrot zu belegen. Mein Vater George saß am Esstisch, mit der Zeitung und einem Kaffee in der Hand. Als ich an ihm vorbeilief, schaute er nicht einmal auf.
»Guten Morgen, Daddy« rief ich ihm zu.
Er blickte kurz auf, murmelte etwas, das sich entfernt anhörte wie »Morgen« und wandte sich dann wieder seiner Zeitung zu.
Nichts Ungewöhnliches, mein Vater hatte eigentlich nie Zeit für mich. Jedenfalls ließ er sich ein paar Mal in der Woche hier blicken, im Gegensatz zu meiner Mutter. Sie hatte nicht mal den Anstand einmal in der Woche anzurufen, nein, von ihr hörte ich so gut wie nie etwas.
Es kam mir oft so vor, als hätte ich eine eigene Wohnung, weil ich meist die Einzige Person im Haus war, mit Ausnahme von Cookie. Für viele meiner Freunde wäre das wahrscheinlich ein Traum, aber ich kam mir einfach nur verlassen vor. Der Einzige, der mich immer Glücklich machte, war mein Hund. Er schenkte mir seine ganze Liebe und ich brauchte alles davon. Für Cookie würde ich sterben.
Ich entschied mich dafür, mich kurz zu meinem Dad zu setzten, weil ich schon so lange nicht mehr mit ihm geredet hatte und ihn ziemlich vermisste.
Also machte ich mir auch einen Kaffee und setzte mich zu ihm.
»Wie läuft es in der Arbeit, Daddy?« fragte ich so nebenbei, wie es mir gelang.
Er schien etwas verwirrt zu sein, er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich ihn noch einmal ansprach.
»...Gut« murmelte er so leise, dass ich es kaum verstand.
Das war typisch mein Vater.
»Kann ich heute dein Auto benutzen, Daddy?« fragte ich leicht gereizt.
Jetzt hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Wenn es um sein Auto ging, kannte er kein Erbarmen. Hätte er die Möglichkeit, sein Auto zu heiraten, würde er es sofort tun. Ich war mir nicht hundertprozentig sicher, aber wahrscheinlich würde er sogar meine Mutter für das Auto stehen lassen.
»Sei nicht dumm, Kleines. Du weißt, dass das nicht geht.« erklärte er leichtherzig.
Ich wusste natürlich, dass ich es sowieso nicht bekommen würde, ich hatte ja selber ein Auto, aber so schnell würde ich nicht nachgeben. Heute wollte ich einfach mit ihm reden, und wenn dies die einzige Möglichkeit war, es zu schaffen, würde ich das Thema ganz ausreizen.
»Warum nicht?«
Während ich ihn fragte, blickte ich ihm direkt in die Augen.
Jetzt war er richtig fassungslos. Er öffnete ein paar mal den Mund und schloss ihn dann aber wieder, so, als ob er nicht wüsste, was er sagen sollte. Nach kurzer Zeit hatte er sich wieder gefangen.
»Wie kannst du es wagen! So habe ich meine Tochter nicht erzogen!«
Die Gereiztheit war deutlich in seiner Stimme zu hören. Ich hatte zwar erreicht, dass er mir zuhörte, aber mehr auch nicht, denn auf einen Streit hatte ich es nicht abgesehen.
»Ach Daddy, ich wollte doch nur mal mit dir reden... du und Ma, ihr seid immer weg, es kommt mir so vor, als wäre ich Waise! Ich sehe euch beide so selten, dich sehe ich zwar manchmal, aber du bist immer nur mit dir beschäftigt, oder mit deiner Arbeit! Und Ma? Ich weiß nicht, wie viele Monate ich sie jetzt schon nicht mehr gesehen habe! Was habe ich getan, damit ihr euch so wenig für mich interessiert?! Kannst du mich nicht verstehen? Ich vermisse euch einfach... könnt ihr nicht mal etwas mehr für mich da sein?« fragte ich, spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen und musste mir das Weinen verkneifen.
»Mh-hm« war alles was mein Vater zusagen hatte. Jetzt war das Gespräch vorbei. Er wandte sich wieder seiner Zeitung zu und ich wusste, dass es mal wieder nichts gebracht hatte.
Ich stand auf, belegte mir so schnell ich konnte ein Brot, holte mir meinen Autoschlüssel und stürzte aus dem Haus. Keine Sekunde lang hielt ich es noch mit ihm aus, deshalb seufzte ich erleichtert, als ich die Tür hinter mir zuschlug.
Wie konnte er mich nur so behandeln, er war immerhin mein Vater! Eigentlich hatte er die Aufgabe, mir zu sagen, dass ich das hübscheste Mädchen der Welt war, dass ich mich anständig anziehen sollte und gute Noten in der Schule schreiben sollte.
Aber was bekam ich?
Ich erinnerte mich noch genau an meinen zwölften Geburtstag, an dem meine beiden Elternteile anwesend waren. Meine Tante und meine Freunde waren auch anwesend und es schien eigentlich ein perfekter Tag zu werden, doch am Ende es war zu einem der schlimmsten Tage meines Lebens geworden.
Noch immer hörte ich die Stimme meiner Mutter, wie sie laut sprach, als ich die Kerzen meines Kuchens ausblies.
George, weißt du noch, als wir bei meiner Geburt beide so verzweifelt waren, weil wir so ein hässliches Kind bekommen hatten? Wir hatten doch Glück, sieht sie dir an, sie hat sich doch noch ganz gut entwickelt.
Seit diesem Tag war mein Selbstbewusstsein am Boden. Vielleicht sah ich meine Mutter deshalb nie. Weil sie zu enttäuscht von mir war und den größten Fehler ihres Lebens in mir sah und es deshalb nicht ertrug, mir zu begegnen.
Ich stieg ins Auto und machte mich auf den Weg zu Gerard. Jetzt war ich doch später dran, als ich wollte, wegen dem Gespräch mit meinem Vater, aber ich entschloss mich trotzdem noch bei ihm vorbei zu schauen, doch als ich bei ihm vorbeifuhr, war sein Auto schon weg.
Es war noch viel zu früh, um zur Schule zu gehen und Gerard kam meistens zu spät, also musste er sich noch wo anders herumtreiben.
Und ich glaubte, ich wusste wo, also fuhr ich los.