Shadow of the Night, Blutige Liebe
Kapitel 7
7
Ich ging schon zum 2. Mal diese Woche in dieses gruselige Gebäude. Es gefiel mir ganz und gar nicht, doch ich hatte keine Wahl. Wenn ich nicht käme, würde er mich töten. Und Elle auch. Das durfte ich nicht zulassen.
Natürlich erwartete er mich schon. Er saß auf dem Sofa, neben ihm lag der leblose Körper einer Frau, die wohl zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war. Sie tat mir fast ein bisschen Leid. Von ihm geschnappt und ausgesaugt zu werden, war sicherlich nicht der schönste Tod.
»Wie ist es gelaufen, Leila?« fragte er, während er mit seiner Zunge die Lippen ableckte.
»Alles ist nach Plan gelaufen, Sir. Sie weiß nun was sie ist und wird sich bald schon eingelebt haben. Ich verstehe nur nicht, warum sie so unbedingt wollen, dass sie sich gut zurecht findet. Sie ist doch meine Schwester, nicht ihre.« fragte ich einfach heraus.
Diese Frage hatte mich schon länger beschäftigt, doch ich hatte mich bisher nie überwunden, sie zu stellen.
Berechtigt.
Er sprang auf, rannte zu mir und schlug mir gewaltsam ins Gesicht. Ich flog in hohem Bogen auf die weit entfernte Wand des Hauses und riss die Wand völlig aus den Fugen. Ich hielt meinen Kopf fest, denn jetzt schmerzte er unerträglich. Es war ein schlimmer Fehler gewesen, ihn auszufragen. Sofort wollte ich aufstehen und mich ihm stellen, doch bevor ich mich auch nur ein wenig bewegen konnte, stand er vor mir.
»Wenn du es noch einmal wagst, einen Satz mit einem Fragezeichen zu beenden, wirst du härte Konsequenzen austragen müssen, als diese. Also überlege es dir das nächste Mal besser, wenn du mir eine unangebrachte Frage stellen willst. Du hast hier nichts zu sagen, Kleine. Du kannst dir nicht vorstellen wie alt und stark ich bin. Und jetzt verschwinde. Du hast mich heute schon genug verärgert. Kümmere dich weiterhin um sie, ich will nicht, dass du den Plan zerstörst. Und ich glaube du willst das auch nicht, denn wenn du es nicht hinkriegen solltest, weißt du ja was dir drohen wird.«
Er fuhr mit seinem Finger gespielt über seinen Hals. Ich wusste, ich musste verschwinden.
Einen kurzen Moment blickte ich sein hämisches Lächeln an und verschwand dann in die Dunkelheit.
Am nächsten Tag schlief ich so lange ich konnte. Der Hunger war noch immer nicht da und ich hatte keine Lust, den ganzen Tag dagegen anzukämpfen. Zum Glück war Sonntag, denn wenn ich an einem Schultag Zuhause geblieben wäre, hätten mindestens 5 Leute bei mir angerufen, um mich zu fragen, wie es mir ginge und ob ich am nächsten Tag wieder kommen würde und das würde ich jetzt nicht durchstehen können.
Ich nutzte die Zeit, in der die Sonne am Himmel stand und suchte im Internet nach Bars für Vampire. Es hörte sich zwar dumm an, aber es konnte nie schaden, ein paar Vampirkontakte zu haben. Außerdem musste ich lernen, mit meinem neuen Ich umzugehen und möglicherweise waren wirklich ein paar Vampire zu finden, die mir bereitwillig halfen.
Nach kurzer Zeit hatte ich eine Bar gefunden, die sich ziemlich seriös anhörte und nicht all zu weit weg war.
Als die Sonne langsam unterging, schnappte ich mir entschlossen meine Autoschlüssel und fuhr los. Diesmal machte ich nicht den Fehler die Fenster herunter zu kurbeln. Auch so roch ich schmackhafte Leute, selbst wenn ich mich in einem geschlossenen Auto oder einem Raum befand.
Noch immer konnte ich kaum glauben, dass ich den Tag überstanden hatte. Der Hunger und die Hitze waren so unerträglich gewesen, dass ich meines Erachtens eigentlich schon längst hätte tot sein müssen.
Kurze Zeit später kam in eine abgelegene Stadt an. Zuerst befürchtete ich, mich verfahren zu haben, doch nach kurzer Überprüfung stellte ich fest, dass ich wirklich richtig war. Mein Navi wies mich an, rechts ab zu biegen.
Ich war angekommen.
Ein großes Haus ragte sich vor mir auf. An den Wänden reihten sich Clubnamen wie Night & Day, Louisiana und JUMP auf. Ganz rechts befand sich die Vamp Bar.
Der Name Vampire Night schien mir nicht gerade kreativ, aber es schien mir auch nicht fair, den Club gleich zu kritisieren, obwohl ich ihn noch nicht einmal angesehen hatte.
Der Türsteher zögerte einen Moment bei mir, musterte mich kurz, doch ließ mich dann hinein, ohne nach meinem Ausweis zu fragen. Es war nie ein Problem für mich gewesen in einen Club rein zu kommen, da ich schon immer älter als 16 aussah.
Als ich den Raum betrat, floss ein Strom aus Gerüchen zu mir. Es duftete nach Blut, leckerem Blut.
Ein Zeichen, dass der Club voller lebenden Wesen war. Verdammt.
Langsam drang ich zu der Menschenmasse vor. Wenn ich hier schon keine anderen Vampire fand, wollte ich wenigstens mal wieder so richtig tanzen. Doch als ich inmitten der vielen Menschen stand, spürte ich, wie mir langsam die Kontrolle von mir entglitt. Ich erwischte mich dabei, wie ich mit den Zähnen fletschte und einem dieser wohlriechenden Düfte folgte.
Blitzschnell setzte ich zum Sprung an, um mich auf einen der Tänzer zu stürzen und sein ganzes Blut auszusaugen, bis ich vollends satt war, doch ich kam nicht dazu abzuspringen.
An meinem Rücken spürte ich ein leichten Druck und plötzlich war ich außerhalb des Gebäudes an die gegenüberliegenden Wand geknallt.
Reflexartig drehte ich mich nach allen Seiten um, nahm meine Krallen nach oben und fletschte mit den Zähnen. Ein gutaussehender Mann stand vor mir und blickte mich wütend an.
»Was machst du hier?« schrie er wütend.
Seine Stimme war voller Hass.
»Ich bin so hungrig!« stieß ich hervor und ich erkannte meine eigene Stimme gar nicht wieder.
»Du kennst die Regeln!«
Er drückte mich an die Wand und kam so nah an mein Gesicht heran, dass ich ihm ganz leicht die Augen hätte auskratzen können, doch er hatte meine Handgelenke gesichert.
»Welche Regeln« murmelte ich.
Mit einem Mal war meine Wut verflogen, ich war nur noch das junge verzweifelte Mädchen, dass lieber sterben würde, als weiterhin in diesem Körper zu stecken. Ich kämpfte nicht mehr gegen ihn an, ließ ihn mich einfach halten, was ihn dazu brachte mich loszulassen.
»Du kennst sie wirklich nicht, oder?« fragte er.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Meine Handgelenke schmerzten, er hatte sie ziemlich fest gehalten, was mich zu dem Entschluss kommen lies, dass er wie ich war.
»In meiner Vamp Bar darf man nicht jagen. So lauten die Regeln.«
»Bist du ein Vampir?« war das Einzige, das ich zu Stande brachte und mir wurde sofort klar, wie dumm meine Frage war. Er nickte kurz.
»Ich wollte hier nicht jagen. Wirklich nicht. Es ist nur, ich dachte, hier treffe ich vielleicht ein paar Meinesgleichen.« erwiderte ich.
Ein Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus.
»Das meinst du jetzt nicht Ernst. Jeder vernünftige Vampir weiß, dass man in solchen Clubs nicht fündig wird.«
»Ja, dann bin ich wohl nicht vernünftig. Tut mir Leid, ich wusste es einfach nicht. Ich wollte Ihnen keine Schwierigkeiten bereiten.« murmelte ich leise.
Schnell wandte ich mich zum gehen ab, weil mir die Situation so peinlich war, doch er hielt mich auf.
»Hey, warte doch. Du meintest gerade, dass du nicht vernünftig bist. Wie alt bist du denn?« fragte er neugierig.
Diese Frage verunsicherte mich. Warum interessierte ihn, wie alt ich war? Jetzt würde heraus kommen, dass ich noch minderjährig war und ich würde wahrscheinlich zu allem Pech Hausverbot oder Sonstiges bekommen.
»Um ehrlich zu sein 16, warum?«
»Nein, ich meinte dein richtiges Alter, du musst die Vampirjahre natürlich dazu rechnen.«
Er schüttelte den Kopf, langsam schien ich ihn rasend zu machen.
»Ich bin 16...! Wenn du es genau wissen willst, ich bin erst seit letzter Nacht ein Vampir.« sagte ich und versuchte alles ein bisschen aufzulockern, indem ich dabei lachte.
Doch er lachte nicht mit. Er schaute mich lediglich an, als hätte er ein Geist gesehen.
»Das kann nicht sein.« flüsterte er kaum hörbar. Er sah sich in alle Richtungen um und fuhr sich durch seine Haare.
»Komm mit mir.« Er winkte mir zu sich und lief dann durch den Hintereingang wieder hinein in den Club. Ohne weiter nach zu fragen, folgte ich ihm.
Erneut überkam mich ein solcher Hunger, dass ich mich am liebsten auf den nächsten Menschen, der an mir vorbeilief, gestürzt hätte, doch der unbekannte Mann packte mich am Handgelenk und führte mich mit sich.
Wir gingen in den Hinterteil des Clubs, wo sich ein Raum für Angestellte befand.
Vor einem Fenster blieb der Fremde stehen und blickte nach draußen in die noch frühe Nacht.
»Du hast schwarze Augen.« sagte er mehr zu sich selber, als zu mir.
Verwirrt blieb ich hinter ihm stehen und wartete, dass er sich umdrehte, doch das tat er nicht.
»Ja, ich weiß, dass ich schwarze Augen habe. Schon seit meiner Geburt. Aber das ist doch nichts Besonderes? Du hast doch auch schwarze Augen?«
»Du verstehst nicht!« zischte er und drehte sich blitzschnell um.
»Wir bekommen erst nach 10 als Vampir verbrachten Jahren diese Augen.«
Er lief unruhig durchs Zimmer, doch ich konnte ihn nur anstarren.
»Warum bist du hier her gekommen! Du bringst uns alle in Schwierigkeiten!«
Jetzt kam er wieder zu mir, so nah, dass ich dachte, er würde mich schlagen, doch er wich zurück. Verzweifelt schüttelte er seinen Kopf.
»Du bleibst hier, ich komme gleich wieder.« sagte er düster und verschwand so schnell aus dem Zimmer, dass ich nicht hinterher schauen konnte. Da mir nichts anderes übrig blieb, ging ich ans Fenster und beobachtete das Nachtleben.
Auf der Straße waren mehrere Menschen zu sehen. Am Rande der Straße taumelte ein Betrunkener und natürlich hatte ich das Verlangen, zu ihm zu rennen und meine Zähne in seinen Hals zu rammen. Diesmal jedoch siegte mein Verstand. Ich wusste, dass es falsch war und ich würde sowieso nicht sehr weit kommen, denn der Fremde, auf den ich in diesem Moment wartete, war sehr viel älter als ich und würde nicht zulassen, dass vor seinem Club jemand einfach einen Menschen ermordete, also hatte es sowieso keinen Sinn.
Genervt fasste ich mir an die Stirn und stellte fest, dass sich Schweißtropfen gebildet hatten. Obwohl ich es in diesem Moment nicht merkte, setzte die Hitze mir ganz schön zu. Das Letzte mal, dass ich so stark geschwitzt hatte, war lange her. Es war damals im Hawaii Urlaub gewesen, den mir mein Vater großzügiger Weise spendiert hatte. Dies war eines der wenigen Geschenke, die ich je von meinen Eltern bekommen hatte. Sie hatten mir versprochen, gemeinsam mit mir in den Urlaub zu gehen, da ich ihnen eines Tages gesagt hatte, wie sehr ich sie vermisste.
Damals waren sie noch nicht ganz so verbittert wie heute gewesen. Trauriger Weise musste ich am Ende doch ganz alleine dort hin fliegen. Ich war wohl oder übel verdammt, allein zu sein.
Mein Gefühl verriet mir, dass sich 2 Personen dem Raum näherten und drehte mich um.
Wie erwartet trat der Fremde wieder ein, doch diesmal folgte ihm eine kleine, aber wunderschöne Frau. Sie hatte blonde lange Haare und natürlich auch schwarze Augen. Ein Lächeln war auf ihrem Gesicht zu sehen, doch ich wusste, es war gezwungen.
»Hi, ich bin Leslie. Entschuldige bitte, wenn mein Freund Joseph unhöflich war und dich verschreckt hat, das wollte er natürlich nicht.« erklärte die wunderhübsche Frau.
Sie warf ihm einen bösen Blick zu, worauf er gehorsam nickte.
»Joseph hat mir erzählt, du wärst erst 16, stimmt das?«
Sie schien sehr nett zu sein und ich entschied, sie zu mögen.
»Ja, das stimmt.« antwortete ich.
»Interessant. Das ist wirklich interessant.«
Sie schaute mir tief in die Augen, bevor sie vor mir hin und her lief und mich deutlich musterte.
»Du musst wissen, es ist nicht normal für einen Vampir, sofort schwarze Augen zu haben. Man muss sie sich quasi erst verdienen. Nur die Vampire, die es schaffen 10 Jahre zu überleben, werden mit diesen schwarzen Augen gesegnet.«
Sie wandte sich an Joseph und flüsterte ihm so leise, dass selbst ich es nicht hören konnte, etwas zu und schaute mich dann wieder an.
»Joseph wird sich um dich kümmern. Was uns beide angeht, wir werden uns bald wieder sehen.« sie hauchte die letzten Worte, als wolle sie es mir schmackhaft machen, doch sie erreichte damit nur das Gegenteil. Sie verließ den Raum so schnell, wie sie gekommen war.
Joseph starrte mich an, was mich sehr verunsicherte.
»Was ist hier eigentlich los?« fragte ich ihn neugierig.
»Willst du dich nicht erst einmal setzten und etwas trinken?«
Er zeigte auf ein Sofa in der Ecke und ich nahm den Vorschlag dankend an.
»Nein danke, ich will nichts... trinken...« antwortete ich gezwungen.
Einen Moment schaute er mich schräg an und schmunzelte.
»Du verweigerst doch nicht im Ernst Blut, weil du niemanden mehr töten willst?«
Plötzlich kam ich mir lächerlich vor. Nie hatte ich gedacht, dass er mich so schnell durchschauen könnte.
»Ich sehe es nicht ein, zu töten. Ich sterbe lieber, als noch einem Menschen weh zu tun.« stammelte ich.
Es hatte mich viel Überwindung gekostet, diesen Satz hervorzubringen, denn die Lust und das Verlangen plagten mich und befahlen mir, nachzugeben.
»Ja dann ist das hier ja genau das Richtige für dich. Es ist von einem unserer Blutspender. Es hat auch Vorteile einen Nachtclub mit lauter Vampirfreaks zu führen, glaub mir.« sagte er grinsend.
Er reichte mir einen Becher, der eine rote Flüssigkeit beinhaltete und eigentlich wollte ich es nicht trinken, doch bevor ich mich überhaupt entscheiden konnte, war der Becher schon leer und ich bettelte nach mehr. Wortlos füllte er meinen Becher nach und setzte sich danach neben mich.
»Also ich fange lieber ganz von vorne an. Es gibt diese Prophezeiung. Lass mich überlegen, sie lautet soweit ich weiß: Bald wird das Wesen mit den dunklen Augen auferstehen und die Welt zum Erschüttern bringen, doch wer sich kann verbinden mit dem Wesen, wird erreichen, was er begehre.«
Mit meinem Becher in der Hand saß ich da und sah ihn verständnislos an.
»Ich will jetzt wirklich nicht unhöflich sein, aber geht das auch auf deutsch?« ich lächelte verunsichert, doch als er auch lächelte, wusste ich, dass ich mich bei ihm normal verhalten konnte.
»Was ist es wohl, was alle Menschen begehren?« fragte er mich. Doch als ich nichts antwortete, fuhr er mit seiner Analyse fort.
»Unsterblichkeit. In dieser Prophezeiung wird gesagt, dass derjenige, der sich mit dem Wesen mit den dunklen, also schwarzen Augen verbinden kann, die wahrhaftige Unsterblichkeit erlangt. Und außerdem soll das Wesen angeblich die ganze Welt erschüttern. So wie es aussieht, bist du das Wesen mit den schwarzen Augen.«
Meine Mundklappe fiel nach unten.
»Ich soll was sein? Also ich soll die Welt erschüttern und durch mich soll irgendeine komische Person die Unsterblichkeit erreichen? Sind wir Vampire nicht sowieso schon unsterblich? Und was ist das bitte für eine komische Prophezeiung?« fragte ich, doch ich wusste selber nicht, ob ich die Antwort wissen wollte.
»Ja ich muss gestehen, ich finde sie auch ein wenig merkwürdig, aber es gibt sie nun mal seit dem Anfang der Vampire. Nein, wir sind nicht ganz unsterblich. Hat dir noch keiner erklärt, dass man uns mit Silber und Feuer töten kann? Du siehst, wir können sterben. Derjenige, der sich mit dir verbindet ist dann immun gegen alles und wird auch keine Probleme mehr mit Hunger oder der Sonne haben.« erklärte er mir.
»Und wie verbindet man sich?«
Langsam wurde mir wirklich mulmig zu Mute. Ich wollte niemand besonderes sein. Alles, was ich mir mein ganzes Leben gewünscht hatte, war eine Familie, die sich um mich kümmerte, ein sorgenloses Leben und jetzt das.
»Man tauscht sein Blut aus. Also kann dir eigentlich gar nichts passieren. Du musst nur aufpassen, mit was für Leuten du dich abgibst. Und solange keiner herausfindet, dass du das Wesen bist, von der in der Prophezeiung gesprochen wird, bist du vor den Vampiren sicher.«
Er schenkte mir ein leichtes Lächeln, doch es half nichts.
Solange es keiner herausfand. Solange.
»Ich will das alles nicht Joseph. Und was hat es mit dem, die Welt erschüttern auf sich?« stammelte ich unter Tränen.
»So ungern ich das auch sage, aber man kann sich sein Schicksal nicht aussuchen... genauso wenig, wie man sich seine Fähigkeiten aussuchen kann. Ich bin mir nicht sicher, aber es heißt wahrscheinlich, dass du Unheil über die Welt bringen wirst. Ich will dich nicht noch mehr kränken, aber wir Vampire haben nicht umsonst schwarze Augen. Zum einen haben wir sie, weil wir böse sind. Schwarze Augen bei Vampiren bedeuten Bosheit, rote Augen Stärke und, dass du gut bist. Es ist wie mit den Haarfarben. Wenn du rote Haare bekommst, bist du das wahrhaftig Böse. Du hast Glück, dass du in meine Bar gekommen bist, es hätte dich wirklich schlechter treffen können. Leslie und ich, wir lassen uns auf dieses ganze Bosheits Getue nicht ein. Wir sind gute Vampire. Aber es ist wirklich schwer und laut deiner Prophezeiung hast du wohl keine Chance und wirst wohl oder übel ein schwarzer Vampir.« erklärte er mir mit traurigem Gesicht.
»Verstehe ich das richtig, ich bin verflucht, böse zu sein? Nein, das kann nicht sein, ich habe das nicht verdient!«
Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten und schluchzte laut auf. Er rutschte näher zu mir heran und legte seinen Arm um meine Taille.
»Ssssch, alles wird gut. Du kannst es doch trotzdem noch versuchen. Ich meine, wenn es schon Prophezeiungen gibt, warum dann nicht beweisen, dass sie nicht stimmen? Und außerdem haben die schwarzen Augen auch etwas gutes. Du kannst damit die Emotionen anderer Leute beeinflussen. Natürlich nur von Menschen, aber das kann einem manchmal wirklich helfen.«
Er streichelte leicht meinen Rücken, was mir half, mich zusammen zu reißen und nicht mehr so stark zu weinen.
»Du hast recht. Ich muss nicht böse werden. Ich kann meine Zukunft selbst bestimmen, nicht wahr...«
Doch während ich dies sagte, wurde mir schmerzlich klar, dass ich selber nicht daran glaubte.
»Die Einstellung ist doch richtig. Willst du noch irgendetwas wissen, oder können wir uns jetzt auf andere Dinge konzentrieren?« fragte er und ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
»Was meinst du mit anderen Dingen? ...«
»Komm mit.«
Mit einem Grinsen im Gesicht nahm er meine Hand und zog mich mit sich.