Shadow of the Night, Blutige Liebe

Amboo Ambo · Kapitel 9 von 11

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Shadow of the Night, Blutige Liebe

Kapitel 8

 

8

»Mach die Augen auf.« flüsterte er mir leise zu.Ich hatte Angst. Was würde mich erwarten, wenn ich sie jetzt öffnete? Natürlich erwartet irgendetwas Atemberaubendes, denn er hatte sich so gefreut, mir das hier zu zeigen und hatte so viel Spaß daran, dass es einfach etwas Besonderes sein musste.Langsam öffnete ich die Augen.»Okay Joseph, wir stehen auf dem Dach des Clubs. Das ist … interessant.«Mühsam versuchte ich mir ein Lachen zu verkneifen, doch es gelang mir nicht ganz. Diese Situation brachte mich einfach dazu loszuprusten. So viel Aufwand für ein lausiges Dach? Da überkam es mich einfach.»Hey, mach nichts schlecht, wenn du noch nicht weißt, was auf dich zukommt, okay?« Ich nickte eifrig, musste mir aber doch noch das Lachen unterdrücken. Obwohl er es nicht wollte, fing auch er langsam an zu lachen. Nach kurzer Zeit tat mir mein Bauch weh und ich zwang mich zum Aufzuhören. Auch Joseph kicherte nur noch leise.»Okay, das war ja jetzt wirklich lustig, aber mal im Ernst, was machen wir hier auf dem Dach?« fragte ich ihn neugierig.»Ich dachte mir, du bist erst seit kurzem ein Vampir und hast bisher nur die schlechten Seiten kennen gelernt. Also wieso dir nicht deine guten Fähigkeiten zeigen?«»Und die wären?«»Weit springen!« rief er mir zu, während er Anlauf nahm und dann vom Dach zum nächsten Sprang und laut auflachte.»Komm schon, du Angsthase! Trau dich!« schrie er mir vom anderen Dach zu.Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen, also machte ich es ihm nach und sprang vom Dach ab. Das Gefühl war atemberaubend. In diesem Moment fühlte es sich an, als wäre ich unbesiegbar. Ich schwebte in der Luft, war frei von allen Sorgen, allen Problemen und fühlte mich so gut wie schon lange nicht mehr. Jetzt verstand ich, warum Joseph aufgelacht hatte, man verspürte einfach ein wahnsinniges Glücksgefühl, aber leider hielt es nur für einen kurzen Moment an.Als ich auf dem anderen Dach landete, wurde mir klar, dass die Welt nicht sorglos war, aber warum sollte ich nicht eine Nacht lang dieses Gefühl der Freiheit genießen. Ich nahm Josephs Hand und gemeinsam sprangen wir durch die Dunkelheit.Es war das schönste Gefühl, dass ich je verspürte und ich dankte Gott dafür.Nach gefühlt kurzer Zeit, hielt Joseph an.»Man sollte meinen, irgendwann hat man die Schnauze voll davon, aber so ist es nicht. Es ist jedes Mal aufs neue ein wunderschönes Gefühl.« sagte er mit strahlenden Augen zu mir. »Dann lass es uns weiter genießen! Ich könnte mein ganzes Leben lang so weiter machen!« schrie ich in die Nacht hinaus, für die ganze Welt hörbar, doch Joseph schüttelte nur den Kopf.»Schau zum Himmel Elle. Du bist jung, du musst jetzt nach Hause, bevor die Sonne aufgeht. Ich fürchte in deinem Zustand wirst du zu einem unkontrollierbaren Monster, wenn die Sonne scheint. Ich würde das lieber nicht miterleben.« erklärte er grinsend.Er hatte versucht einen Witz daraus zu machen, doch ich lachte nicht. »Ich will nicht gehen... es war so schön heute. Das will ich jetzt nicht aufgeben.« flüsterte ich traurig.»Komm doch morgen einfach wieder her, dann kannst du nochmal Spaß haben!« sagte er, um mich aufzuheitern.Es funktionierte. Ich fing wieder an zu lächeln und sprang dann mit ihm zusammen vom Dach in eine dunkle Gasse.»Ich werde da sein.« rief ich ihm noch zu, während ich mich auf den Weg zu meinem Auto machte.

Kurz nachdem ich Zuhause ankam, ging die Sonne auf. Erleichtert atmete ich auf, ich hatte es nach Hause geschafft ohne jemanden anzufallen. Einen Moment überlegte ich, ob es vielleicht daran lag, dass Joseph mir Blut gegeben hatte, doch es erschien mir nicht als die richtige Erklärung. Nachdem ich in der Gasse diesen unschuldigen Jungen ausgesaugt hatte, war ich immer hin auch noch hungrig gewesen.Mir fiel wieder ein, dass ich das Haus zerstört zurück gelassen hatte. Das Essen war noch immer auf dem Boden verteilt und in der Wand meines Zimmers war ein riesiges Loch. Mir war klar, dass ich jetzt sowieso nicht schlafen konnte und so machte ich mich an die Arbeit, alles wieder auf Vordermann zu bringen, schließlich sollte mein Vater dieses Schlachtfeld nicht zu sehen bekommen.Ich räumte das Essen wieder in den Kühlschrank und machte mich danach auf den Weg in mein Zimmer. Stutzig betrachtete ich das etwa 1 Quadratmeter große Loch an meiner Zimmerwand. Es war eindeutig unmöglich, es zu reparieren und so beschloss ich, einfach eine Pappwand darüber zu kleben. Das würde mir vorerst genügen und mein Vater würde sowieso nie einen Blick in mein Zimmer werfen. Kurze Zeit später hatte ich mein Werk getan und war sogar ein bisschen stolz darauf.Unruhig blickte ich auf meinen Wecker.6:49 Uhr.Die Sonne war nun vollends aufgegangen, eigentlich sollte mein Blutdurst jetzt immer stärker werden, doch ich fühlte nichts, was ich als gutes Zeichen abstempelte. Heute war Montag, Schule. Trish würde sicherlich mosern, wenn ich nicht kam und außerdem wollte ich noch mit Marc sprechen und so entschloss ich mich, doch in die Schule zu gehen. Natürlich war mir klar, dass ich nicht so wie immer gehen konnte, weswegen ich mir den dunkelsten Kapuzenpullover aus meinem Schrank, eine lange, schwarze Hose und meine neu gekaufte Sonnenbrille schnappte und mich auf den Weg machte.Vor der Schultür blieb ich einen Moment stehen und atmete tief durch und öffnete dann langsam die Tür.Alle starrten mich an. Es kam mir vor, als wäre ich ein Magnet, der den Blick jedes Schülers auf sich zog. Egal, in welcher Aktivität die Leute gerade steckten, sie stoppten sie, als ich die Schule betrat.Langsam, aber sicher, bewegte ich mich vorwärts. Bis jetzt hatte ich mich gut im Griff, der Hunger hatte noch nicht zugeschlagen. In meinem Kopf hörte ich die Stimmen meiner geschockten Mitschüler, wie sie ihren Freunden zuriefen, lachten und sich über mich unterhielten.Ich war gezwungen, mir Dinge wie »Was hat die denn an!«, »Hast du schon Elle Rise gesehen? Die ist jetzt so etwas von out!« und »Schau mal, sie macht jetzt einen auf Emo!« anzuhören, doch das kümmerte mich gerade recht wenig. Mein Ziel für heute war, den Tag ohne jemanden anzufallen zu überstehen und nicht, beliebt zu sein. Die Schulglocke läutete. Mist.Natürlich hatte ich zu erst die schlimmste Stunde des Tages, Mathe bei Herr Schuster und ich durfte nicht zu spät kommen. Aufgrund dessen rannte ich zu meinem Schließfach und vergaß dabei ganz in Menschentempo zu laufen. Schnell drehte ich mich in alle Richtungen, doch ich hatte Glück. Die Gänge waren bereits leer, mich hatte keine Menschenseele gesehen.Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich saß in der Falle. Instinktiv griff ich nahm dem Arm an meinem Rücken und schleuderte die Person vor mir auf den Boden. Zu spät begriff ich, dass es Marc war.Er gab einen erstickten laut von sich und schloss seine Augen. Nein. Das durfte nicht sein. Sofort schmiss ich mich zu ihm auf den Boden und fing an, Luft in ihn hinein zu blasen. Jetzt war ich froh, dass ich letztes Jahr eine Sanitätsausbildung gemacht hatte, sonst wäre in in diesem Augenblick völlig hilflos gewesen.Ich presste meine Hände auf seine Brust, drückte meinen Mund an seinen und blies ihm in den Mund. Diesen Vorgang wiederholte ich gefühlte tausend Mal, doch es hatte keinen Sinn. Er war tot.Erschüttert stoppte ich meine Bewegungen und setzte mich still neben ihn. Warum hatte es Marc erwischt? Er hatte das nicht verdient. Er war einer der Guten und nur, weil ich heute so leichtsinnig gewesen war, lag nun sein lebloser Körper neben mir.Ich kämpfte mit den Tränen, als plötzlich ein Geräusch von ihm ausging.Er krümmte sich kurz und atmete dann hektisch ein und aus. Um mich jedoch war es geschehen. Stürmisch warf ich mich in seine Arme und murmelte immer wieder seinen Namen.»Ich habe dich nicht getötet!« rief ich erleichtert aus.»Was bist du!« stieß er mühsam hervor. Seine Stimme war nicht mehr als ein Krächzen, doch ich konnte die Worte ganz genau verstehen.»Nicht hier.« antwortete ich leise und drehte mich in alle Richtungen um. »Tut mir Leid Marc, aber ich fürchte, wir müssen heute die Schule schwänzen.« gestand ich ihm.Alles sagend steckte ich ihm meine Hand hin, um ihm aufzuhelfen und gemeinsam verließen wir das Schulgebäude.Wir liefen durch einen Park, mehrere Straßen und eine Einkaufspassage, bevor wir zum Stoppen kamen. Es war schwer einen passenden Ort zu finden, um ihm alles zu erklären, denn auch schon so früh morgens waren die Straßen voller Leute und es war schwer, ein großes Gebäude zu finden, das nicht gerade unter Beobachtung stand.»Marc, was ich dir jetzt sagen werde, ist streng vertraulich und muss unter allen Umständen unter uns bleiben. Hast du das verstanden?« frage ich ihn mit ernster Miene.Er nickte kurz.»Ich meine es ernst! Kann ich auch dich vertrauen?« »Elle, du weißt, du kannst mir alles sagen.« antwortete er gefühlvoll.»Das reicht nicht. Verspreche es mir.« drängte ich ihn.Er schaute mich leicht irritiert an, antwortete dann aber doch.»Okay, wie du willst. Ich verspreche dir, dass egal, was du mir jetzt erzählst, unter uns bleiben wird.« Das war genügend. Grinsend klemmte ich meinen Arm unter seinen und sprang in die Luft. Sofort spürte ich wieder das Gefühl der Freiheit, des Glücks, des Lebens.Als wir auf dem Hausdach landeten, hörte ich Marc kichern, doch als er seine Augen aufriss, war es verklungen.Er drehte sich ängstlich zu mir um, rannte zum Rand des Daches und starrte verwirrt zum Boden. Mit langsamen Schritten ging ich auf ihn zu.»Matt, glaubst du an Unmenschliches?« fragte ich ihn mysteriös.»Wie meinst du das? Und wie sind wir zum Teufel nochmal hier hoch gekommen?!« stieß er hervor und zeigte nervös hinunter in die Straße.»Du hast es doch selbst gespürt Marc. Wir sind gesprungen.«Ein Lächeln breitete sich in meinem Gesicht aus, doch er erwiderte es nicht.»Ich glaube du musst mir einiges erklären.« murmelte er abwesend.Und genau das tat ich. Ich erzählte ihm, was nach der Party geschehen war, wie ich nachts in der Gasse aufgewacht war und gebissen wurde und wie ich dann am nächsten Tag aufgewacht war und nicht wusste, was mit mir geschah. Darauf stieß er einen kleinen Schrei aus und sagte »Wie konnte dir das nur jemand antun!« , worauf ich nur zustimmend nickte. Außerdem erzählte ich ihm die Geschichte mit meiner Schwester, wie ich ihr das erste Mal im Einkaufszentrum begegnet war, wie sie mich mit sich geführt hatte und mir aufgetischt hatte, mit ihr verwandt zu sein und wie sie mir dann eine Nacht später erklärt hatte, was ich war und wie ich damit umgehen konnte.»Du bist also ein... Vampir?« stammelte er ungläubig.Zum Beweis fuhr ich meine Zähne und Krallen aus. Seine Augen weiteten sich geschockt und er brachte ein tonloses »wow« heraus.»Aber das ist noch nicht alles.« erklärte ich und fuhr mit meine Geschichte fort. Als nächstes erzählte ich ihm, wie ich in die Vamp Bar gegangen war und Joseph und Leslie begegnet war, wie mir gesagt wurde, dass ich die wichtigste Rolle in einer Prophezeiung spielte und dass ich dazu verdammt war, böse zu sein. Als letztes erzählte ich ihm noch, wie Joseph und ich von Dach zu Dach gesprungen waren und erwischte mich dabei, wie ich leise vor mich hin kicherte.Als ich fertig erzählt hatte, starrte mich Marc wortlos an.»Ich weiß, das ist viel zum Verdauen, aber ich hoffe, du grenzt mich deshalb jetzt nicht von dir ab... Mehr denn je brauche ich jetzt einen Freund wie dich.« flüsterte ich leise. Er schüttelte den Kopf und sah mich mit aufgerissenen Augen an.»Wie könnte ich! Ich hab einen Vampir als Freundin, wie cool ist das denn!« rief er lächelnd aus. Schockiert blickte ich ihn nun an, doch nach kurzer Zeit musste auch ich lachen und umarmte ihn kurz.»Die Reaktion hätte ich nun nicht von dir erwartet.« sagte ich.»Tja, ich bin eben eine vielfältige Person.« erläuterte er schnippisch.»Aber weißt du was wirklich komisch ist?« fragte ich ihn, worauf hin er leicht den Kopf schüttelte. Mein Blick glitt am Dach vorbei zum Himmel, ich betrachtete die Sonne, die mir noch immer in den Augen stach und fuhr deshalb wieder zu Marc herum.»Bei dir komme ich nicht in Verlangen. Bisher hätte ich gerne jeden Menschen angefallen und ihm sein Blut ausgesaugt. Bis auf dich.« gestand ich ihm und musste lächeln.»Da kann ich nur sagen, dass das unserer Freundschaft wirklich weiterhilft!« antwortete er spöttisch.»Aber kommen wir zu wichtigeren Themen. Was läuft da verdammt noch mal zwischen dir und diesem Joseph?« erkundigte er sich.»Nichts. Wir sind nur Freunde. Glaube ich. Ich weiß nicht, vielleicht sind wir nicht mal das.« antwortete ich, doch ein Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen.»Wir verstehen uns, und ich mag ihn wirklich sehr, aber ich fürchte, ich bin nur eine Art Objekt für ihn, das er beschützen muss. Du weißt schon, wegen der Prophezeiung...« flüsterte ich.Marc schüttelte wissend den Kopf und sah mich ernst an.»Das glaube ich kaum. Wie kann man dich denn nicht mögen? Und außerdem, es ist doch gut, wenn er dich beschützen will, oder nicht? Dann bist du wenigstens sicher!«»Ja, du hast recht. Aber mehr als Freunde ist wirklich nicht drin.«Plötzlich fiel mir die Sache mit Till wieder ein.»Oh nein!« rief ich aus.»Was ist los?« antwortete Marc verwirrt und drehte sich ängstlich in alle Richtungen um.»Keine Sorge, hinter dir steht kein böser Vampir. Die einzige mögliche Gefahr für dich besteht gerade aus mir...« besänftigte ich ihn lächelnd.»Ich hab mich nur gerade an etwas erinnert... ich hab Mist gebaut, Marc.«Also erzählte ich ihm, wie ich mich mit Till nach der Party am nächsten Tag verabredet hatte, wie dumm ich war, ihn zu mir eingeladen hatte und wie ich ihn dann angegriffen hatte.»...Ich weiß nicht mal, ob er jetzt im Krankenhaus liegt, weil ich ihn so verletzt habe!« stammelte ich unter Tränen.»Wenn ich schon dabei bin zu weinen, warne ich dich lieber, es sind rote Tränen. Und genau das hat Till auch gesehen und außerdem noch meine langen Fingernägel. Ich fürchte, ich muss ihm auch alles erzählen... hoffentlich nimmt er es so gut an, wie du.« Doch insgeheim wusste ich, dass er es nicht tun würde. Der Schock in seinen Augen, als ich ihn angegriffen hatte, war zu groß gewesen. Er würde mir wahrscheinlich nie wieder verzeihen, womöglich würde er mich nicht einmal ausreden lassen.»Das ist doch kein Grund zu weinen. Der Typ ist für dich auf diese Party gekommen, obwohl er von seinem Vater Hausarrest bekommen hat, Elle! Er empfindet etwas für dich! Wenn er der Richtige ist, wird er es verstehen... vertrau mir.« besänftigte er mich.»Wenn es doch nur so einfach wäre...« sagte ich und nickte leicht.Marc legte einen Arm um mich, worauf hin ich mich an ihn kuschelte. So blieben wir liegen, bis langsam die Sonne unterging. Der Sonnenaufgang war atemberaubend und das Zeichen für mich, zu gehen. Ich wandte mich aus seinen Armen und schaute ihn an.»Ich muss noch wo hin.« erklärte ich und stand auf.»Joseph?« war alles, was er wissen wollte. Wortlos nickte ich und nahm seine Hand, die er mir entgegenstreckte.So wie wir gekommen waren, verließen wir dieses Hausdach auch wieder. Wir sprangen hinunter und uns beiden entfuhr ein Freudenschrei. Schnell flitze ich mit ihm zur Schule zurück, verabschiedete mich und rannte so schnell ich konnte Richtung Vamp Bar.