Adolpho Lutz: Primeiros trabalhos: Alemanha, Suíça e Brasil (1878-1883)
Capítulo 1879
Berna
1879
Untertor (portal inferior) e ponte Nydegg em 1890. Arnold H.
Schwengeler. Liebes altes Bern, Stadtbilder 1850-1925. Berna:
Buchverlag Verbandsdruckerei AG Bern, 1975, p.25.
Untertor (lower portal) and Nydegg Bridge in 1890. Arnold H.
Schwengeler. Liebes altes Bern, Stadbilder 1850-1925. Bern:
Buchverlag Verbandsdruckerei AG Bern, 1975, p.25. Untersuchugen über die cladoceren
der Umgebung von Bern *
Vorgetragen in der allgemeinen Sitzung den 2. März, 1878.
Veranlasst durch eine von der Universität Bern ausgeschriebene Preisfrage, unternahm ich es, die Cladocerenfauna Berns näher zu studiren. Die Resultate, die sich im Laufe eines Frühlings und Sommers gewinnen liessen, werde ich auf diesen Blättern kurz darzulegen versuchen.
Die Cladoceren sind bekanntlich Süsswasserbewohner. Am häufigsten und in der grossten Artenzahl finden sie sich in beständigen stehenden und langsam fliessenden Gewässern, in Seen, Teichen, Torfmooren und schlammigen, pflanzenreichen Wassergräben; nur ausnahmsweise in schnellfliessenden Flüssen, in Bächen, Quellen, selbst Brunnentrögen. Sie bevorzugen sogenanntes weiches Wasser und ertragen zum grössten Theile das harte Quellwasser gar nicht.
Werfen wir nun einen Blick auf eine Karte, die uns die Umgebung Berns in einem Umkreise von circa zwanzig Kilometer zeigt, so finden wir folgende grössere Wasseransammlungen, die für unsern Zweck günstige Verhältnisse darbieten.
1) Die Aare, ein schnell strömender Fluss mit steinigem,
pflanzenarmen Bette, der aber mancherorts seichte Arme und
stille Buchten bildet und durch Ueberschwemmung oder
unterirdische Communication zahlreiche Tümpel speist.
2) Der Gerzensee, der Lopsigensee und die beiden Seen von
Moosseedorf. Es sind diess kleinere Landseen mit
unbedeutenden Zu-und Abflüssen, grösstentheils torfigem,
theilweise schlammigem oder sandigem Untergrund und mit
einem Gürtel von mit Wasser-und Sumpfpflanzen bestandenen
Ufern.
3) Das Egelmoos, ein grosser Teich mit steinigem und
schlammigen Bette, ausgezeichnet durch eine relativ reiche
Flora und Fauna.
Hiezu kommen noch einige Torfmoore, (in der Landessprache “Mööser” genannt, von “das Moos” Sumpf oder Moorland), meist mit geringen Wasseransammlungen, wie das Gümligenmoos, Löhrmoos, etc., ferner künstlich angelegte Teiche (besonders Löschteiche), wenige zerstreute Wassergräben und Tümpel, meist ohne charakteristische Flora und theilweise im Sommer vertrockend.
Um die Bedingungen etwas manigfaltiger zu gestalten, habe ich dem Gebiete noch die Torfmoore zwischen Aarberg und Hageneck und die Umgegend von Langenthal beigefügt, welche neben zahlreichen Teichen und Graben auch den Burgsee und den Inkwylsee enthält. Um ein grösseres Seebecken einzuschliessen, zog ich auch den Bielersee in Betracht; doch wurde hier nur die sogenannte pelagische Fauna untersucht.
In dem dergestalt umschriebenen Gebiete habe ich 42 Arten, auf 19 Gattungen vertheilt, gefunden. Am besten sind die Lynceiden mit 19 Arten (6 Gattungen) vertreten. Viele von ihnen sind wohl sehr verbreitet aber wegen ihrer Kleinheit von manchen Beobachtern (z.B. von Jurine) übersehen worden. Die grössten Lücken finden sich bei den Lyncodaphniden (vertreten durch 2 Gattungen mit 3 Arten); doch sind es hier meist seltene Arten, die fehlen. Unter den Daphnidae vermisste ich besonders die Gattung Moina und viele Daphniaarten.
Ich gebe hier zuerst das Verzeichniss der von mir beobachteten Arten mit ihren Fundorten und Bemerkungen über Formen, die von früheren Beschreibungen abweichen. (Eintheilung und Nomenclatur ist grösstentheils nach Sars und P.E. Müller 1.)
Cladocera.
Sectio I
Fam. I. Sididae.
Sida Strauss
crystallina O. F. Müller.
In grösseren und kleineren Seen verbreitet und haufig. Bielersee, Grosser Moosseedorfsee, Gerzensee, Lopsingensee, Burgsee, Inkwylsee.
Daphnella Baird
brandtiana Fischer.
In Seen und Teichen mit torfigem Grunde. Haufig in einem Teiche zwischen Bleienbach und Langenthal. Seltener im Lopsingensee.
brachyura Liévin.
In Seen verbreitet, aber nicht haufig. Bielersee, Grosser Moosseedorfsee, Burgsee.
Sectio II
Fam. I. Daphnidae.
Daphnia Schödler
pulex (De Geer. Leydig).
In ungeheurer Menge in einigen Torfgräben im Torfmoor von Hageneck; longispina Leydig.
Häufig im Egelmoos bei Bern. Die Thiere sind fast vollkommen durchsichtig und farblos;
hyalina Leydig.
In Seen häufig. Variiren in der Form des Kopfschildes und in der sekundären Bezahnung der Endkrallen des Postabdomens und bilden dadurch Uebergänge zur Form Daphnia pellucida P. E. Müller.
Bielersee, Grosser Moosseedorfsee, Burgsee.
Simocephalus Schödler
vetulus O. F. Müller.
Verbreitet und stellenweise sehr haufig, so im ganzen Flussgebiete der Aare und im kleinen Moosseedorfsee. Weniger haufig zwischen Aarberg und Hageneck, um Langenthal und in den Seen des Gebiets. Um Bern doch weitaus die häufigste Daphnidenart;
serrulatus Koch.
In Seen mit Torfgrund; selten. Inkwylersee, Lopsingensee.
Ceriodaphnia Dana
quadrangula Sars, laticaudata P. E. Müller.
Haufig in einem Teiche bei Roggwyl in der Nahe von Langenthal. Die Thiere zeichnen sich durch die intensiv rothe Färbung vor allen verwandten Arten aus; reticulata Leydig.
Haufig in einem Torfgraben des Gümligenmooses, seltener in einem anderen Torfgraben bei Siselen in der Nahe von Aarberg;
megopsSars.
In schlammigen Teichen und Torfgraben verbreitet. In Torfgraben zwischen Siselen und Aarberg und auf dem Bleienbachmoos bei Langenthal. In Teichen bei Gerzensee und Roggwyl bei Langenthal.
pulchella Sars.
In Seen und Teichen mit Torfgrund. Sehr verbreitet um Langenthal.
Lopsingensee;
punctata P. E. Müller.
Grosser Moosseedorfsee.
Scapholeberis Schödler
mucronata O. F. Müller.
Von dieser Art finden sich im Gebiet mehrere Formen, bei
denen das Horn auf der Stirne entweder ganz fehlt, oder mehr
oder weniger entwickelt ist (Sc. cornuta Schödler). Wollte man
letztere als Art abtrennen, so müsste man auch hier Varietäten
unterscheiden. Denn während bei Exemplaren aus dem
Moosseedorfsee die Länge des Hornes 0,035 mm betrug,
erzeigte sich bei Exemplaren aus dem Brienzersee das
doppelte, 0,07 mm, wahrend Körpergrösse und Länge der
Schalendornen (0,15-0,17 mm) ziemlich genau
übereinstimmten. Bei dieser Veränderlichkeit des Horns dürfte
wohl auch das vollständige Fehlen desselben nur als
Varietätscharakter betrachtet werden.
In grösseren und kleineren stehenden und sehr langsam
fliessenden Gewässern. Var. fronti laevi. In einem Torfgraben
bei Siselen, in Teichen bei Roggwyl und auf dem
Bleienbachmoose. Var. brevicornis mihi; Horn circa 0,035 mm.
Überschwemmte Wiesen langs der Aare zwischen Bern und
Muri, Bielersee, Inkwylsee, Grosser Moosseedorfsee,
Torfgraben auf dem Brüttelenmoos bei Aarberg. Var. longicornis
mihi, Horn circa 0,07 mm lang. Brienzersee in bedeutender
Entfernung vom Ufer.
Fam. II. Bosminidae.
Bosmina Baird
laevis Leydig.
Inkwylsee, Burgsee, Grosser Moosseedorfsee;
cornuta Jurine, curvirostris Fischer.
Inkwylsee;
longispina Leydig.
Meine Exemplare unterscheiden sich von Leydig’s
Beschreibung dadurch, dass die Bewimperung der Afterkrallen
sich unter seitlicher Verschiebung auf die Krallenträger fortsetzt
(wie Leydig bei B. laevis angibt), Schalenfortsätze häufig etwas
kürzer und umgesägt. Bielersee.
Fam. III. Lyncodaphnidae.
Macrothrix Baird
laticornis Jurine.
Selten. In einem schlammigen Teiche in der Mettlen bei Bern.
rosea.
Ziemlich häufig in einem Teiche im Bleienbachmoos.
Iliocryptus Sars
sordidus Liévin.
In stehenden Gewässern mit Torf-oder Schlammgrund. Ziemlich
häufig in zwei Teichen des Gümligenmooses. Seltener in einem
Teiche auf dem Bleienbachmoos und im grossen
Moosseedorfsee.
Fam. IV. Lynceidae.
Eurycercus Baird
lamellatus O. F. Müller.
Nicht häufig. Ueberschwemmte Wiesen in der Elfenau,
Torfgraben bei Siselen. (Schwarzsee im Kanton Freiburg,
ausserhalb des Gebiets).
Camptocercus Baird
macrurus O. F. Müller.
Bielersee, Grosser Moosseedorfsee, Lopsingensee,
Inkwylsee,jedoch überall spärlich.
Acroperus Baird
leucocephalus Koch.
Sehr verbreitet und häufig im ganzen Gebiet.
Alona Baird
quadrangularis O. F. Müller.
Verbreitet und stellenweise sehr häufig. Grosser Seedorfsee, Lopsingensee, Burgsee, Gümligenmoos, überschwemmte Wiesen längs der Aare, etc.;
costata Sars.
Verbreitet, aber nirgends häufig. Grosser Moosseedorfsee, Burgsee, Teich bei Roggwyl;
similis Leydig.
Sehr selten. Lopsingensee;
tenuicaudis Sars.
Sehr selten. In einem Teiche bei Roggwyl und in einem tiefen Wassergraben bei Gutenburg in der Nahe von Langenthal;
lineata Fischer.
Verbreitet und haufig. Gümligenmoos, Gutenburg, Roggwyl, Bleienbachmoos bei Langenthal, etc.;
transversa Schödler, pygmaea Sars.
Verbreitet. Haufig im Gümligen- und Bleienbachmoos;
reticulata Baird, grisea Fischer.
Verbreitet. Lopsingensee, Gerzensee, Inkwylsee, Teiche bei Roggwyl, Bleienbachmoos, etc.;
verrucosa mihi.
(Siehe Anmerkung 2 am Schluss.) Sehr selten. Gutenburg und Bleienbachmoos bei Langenthal.
Pleuroxus Baird
truncatus O. F. Müller.
Nicht selten. Bei Bern z.B. Gümligenmoos, Grosser Moosseedorfsee, Lopsingensee. Sehr haufig in der Gegend von Langenthal;
exiguus Lilljeborg.
Verbreitet. Lopsingensee, Grosser Moosseedorfsee, Gümligenmoos bei Bern, Bleienbachmoos, Roggwyl, Gutenburg, Burgsee, etc. bei Langenthal;
aduncus Jurine.
Moosseedorf- und Lopsingensee. Sehr verbreitet und haufig in der Gegend von Langenthal;
personatus Leydig.
Sparlich im Moosseedorfsee.
hastatus Sars.
Selten. Inkwylsee und Teich bei Roggwyl.
Chydorus Leach
sphaericus O. F. Müller.
Im ganzen Gebiete die gemeinste Lynceidenart;
globosus Baird.
Ziemlich haufig im Löhrmoos, seltener im grossen Moosseedorfsee und Bielersee. In einer Pfütze bei Aarberg;
latus Sars.
Verbreitet, aber überall sehr sparlich. Lopsingensee, Inkwylsee, Teiche bei Roggwyl, Mummenthalerteich bei Langenthal.
Sectio III
Fam. I. Polyphemidae.
Polyphemus O. F. Müller
pediculus De Geer.
Sehr spärlich in einem Teiche auf dem Bleienbachmoos.
Bythothrephes Leydig longimanus Leydig, Liljeborg; Cederströmii Schödler.
Bielersee, Thunersee (nach P.E. Müller) und Brienzersee ausserhalb des Gebiets.
Fam. II. Leptodoridae.
Leptodora Lilljeborg
hyalina Lilljeborg.
Bielersee, Burgsee, Thunersee, (nach P. E. Müller) und
Brienzersee ausserhalb des Gebietes.
Aus diesen Angaben geht hervor, dass die vorliegende Fauna
von derjenigen Dänemarks und der Umgebung von Christiania
(wie sie von P. E. Müller und Sars so vortrefflich beschrieben
worden sind) nur wenig abweicht. Allerdings fehlen uns
vielejener Formen (was bei der Beschränktheit des Gebietes
nicht befremden kann), während wir einig wenige seltenere
Arten allein besitzen; aber im Ganzen lässt sich doch die
grösste Aehnlichkeit nicht verkennen und ich kann mich daher
nur an P.E. Müller anschliessen, wen er in seinem
ausgezeichneten Artikel über die schweizerischen Cladoceren
sagt: Cette faune appartient à une aire zoologique qui, selon
l’état actuel de nos connaissances, occupe toute la partie
centrale et occidentale de l’Europe, à partir des hautes
montagnes de la Scandinaviejusqu’aux Alpes, du centre de la
Russiejusqu’à l’Atlantique.
Seltene Arten und meines Wissens, ausser von Sars und P. E.
Müller, noch nicht angegeben, sind besonders Ceriodaphnia
punctata P. E. Müller, Pleuroxus hastatus Sars, Alona
tenuicaudis Sars, A.costata Sars und Chydorus latus Sars.
Die beobachteten Exemplare waren fast durchgehends
Weibchen, da die Untersuchungen im Frühling und Sommer
stattfanden. Ausnahmsweise beobachtete ich schon Ende
August ein Männchen und ein in Ephippienbildung begriffenes
Weibchen von Ceriodaphnia punctata, und einmal schon Ende
April ein Weibchen von Simocephalus vetulus mit fast
ausgebildetem Ephippium.
Was die verticale Verbreitung der Cladoceren anbelangt, so ist
die Umgebung von Bern zu diessbezüglichen Studien nicht
geeignet, da alle angeführten Fundorte in annähernd gleicher
Höhe von 500-600 Meter liegen. Dagegen hatte ich
Gelegenheit, ausserhalb des Gebietes einige Beobachtungen
anzustellen, die mir zeigten, dass die Gränze der verticalen
Verbreitung sehr hoch liegt und wahrscheinlich so weit geht, als
sich stehende Gewässer finden, die nicht direkt durch
schmelzende Schnee-und Eismassen gebildet werden. Doch
finden sich auch an der obersten Gränze dieselben Arten wie in
der Ebene. So fand ich z.B. in den Seen des St.
Gotthardtpasses bei 1800 Meter Sida crystallina, Bosmina
longispina Leydig, B. laevis Leydig und Chydorus sphaericus,
auf dem Giacomopass bei 2400 Meter noch Alona lineata
Fischer und Chydorus sphäricus.
Über die Tiefenverbreitung der Cladoceren finden sich in der
interessanten Arbeit von Professor F. A. Forel: “La Faune
Profonde du lac Léman” Angaben, die auch für den Bielersee zu
gelten scheinen. In dem viel trüberen Wasser des
Moosseedorfsees und des Burgsees fand ich die pelagische
Fauna am reichlichsten in einer Tiefe von 3,5-6 Meter unter der
Oberfläche. Unter einer Tiefe von 5 Meter fand ich keine
Repräsentanten der Uferfauna.
Ausschliesslich zur pelagischen Fauna gehören folgende der
angeführten Arten:
Daphnia hyalina Leydig,
Ceriodaphnia punctata P. E. Müller,
Daphnella brachyura Liévin,
Bythotrephes longimanus,
Leptodora hyalina.
Die Bosminaarten finden sich sowohl in kleineren stehenden
Gewässern, als auch in grösseren in ziemlicher Entfernung vom
Lande unter die pelagische Fauna gemischt oder näher der
Oberfläche.
Unter der pelagischen Fauna fischte ich bei Nacht auf der
Oberfläche des Brienzersees zahlreiche Exemplare von
Scapholeberis mucronata var. longicornis; auch die Varietät
ohne Horn scheint sich sehr weit vom Ufer zu entfernen, wie
zwei Exemplare beweisen, die Professor F. A. Forel an der
Oberfläche des Genfersees in beträchtlicher Entfernung vom
Lande fing.
Dagegen fanden sich in ganz seichtem Wasser von wenigen
Centimetern Tiefe an und in ganz kleinen Tümpeln und Pfützen:
Simocephalus vetulus,
Chydorus sphäricus,
Chydorus globosus Baird.
Die nicht bei Anlass der pelagischen Fauna erwähnten Arten
finden sich meistens sowohl in kleineren stehenden Gewässern,
als auch in der Uferzone der grösseren Teiche und Seen.
Ausschliesslich in letzteren fanden sich:
Sida crystallina,
Daphnia longispina,
Simocephalus serrulatus,
Ceriodaphnia laticaudata P. E. Müller, Camptocercus macrurus O. P. Müller,
Chydorus latus,
Polyphemus pediculus.
In Flusswasser fanden sich folgende Arten (Die Angaben
beziehen sich lediglich auf bei Hochwasser überschwemmte
Wiesen):
Simocephalus vetulus,
Scapholeberis mucronata (var. brevicornis),
Eurycercus lamellatus,
Acroporus leucocephalus,
Alona quadrangularis O. F. Müller,
Chydorus sphäricus.
Als Torfwasserbewohner dürften sich fast alle angeführten
Species der Uferfauna ansprechen lassen, da die meisten
untersuchten Gewasser torfigen Boden haben und wo diess
nicht der Fall ist, sich kaum andere Arten finden.
Was die Art der Verbreitung betrifft, so fallen im Gebiete wohl
nur zwei Wege hauptsächlich in Betracht; die Verschwemmung
von Thieren oder Ephippien durch fliessendes Wasser (z.B. in
den Gegenden langs der Aare) und die Verschleppung durch
Wasservögel. So hat sich auf dem Bleienbachmoos an der
Stelle eines verlassenen Torfstiches ein Teich gebildet, der
gegenwärtig wenigstens 15 Cladocerenarten aufweist, von
denen mehrere in der gazen Umgegend vermisst werden, so
dass an einem Transport der Ephippien durch den Wind nicht zu
denken ist.
Die Cladoceren zählen zahlreiche Feinde unter den Thieren, die
mit ihnen die gleichen Gewasser bewohnen. Ich fand ganze
Cladoceren oder charakteristische Theile im Verdauungskanal
von Corregonen, Phoxinus laevis und verschiedener Libellen
und Wasserkäferlarven. Beijungen Corregonen aus dem
Bielersee bestand der Mageninhalt fast ausschliesslich aus
Daphnia hyalina, Bosmina longispina und Cyclopiden. Bei den
andern angeführten Thieren finden sie sich nur vereinzelt unter
andern Nahrungsresten. Gelegentlich dürften sie auch manchen
Wasservögeln, Batrachiern, den Hydraarten,ja selbst den
grössten Arten ihrer Familie zur Beute werden. Doch können
vielerorts diese schädlichen Einflüsse kaum in Betracht
kommen.
Grösseren Einfluss scheint die Verdrängung durch den
Verhaltnissen besser angepasste Arten, eigener oder fremder
Familie, zu haben. So findet sich im Torfmoore von Bleienbach
unter einer Reihe von mit Cladoceren bevölkerter Graben, ein
einziger, der keine solchen enthält, dafür aber kolossale
Mengen einer winzigen Ostracodenart beherbergt. Noch
haufiger trifft man unter sehr günstigen Verhaltnissen nur
ungeheure Cyclopidenschaaren, unter welchen höchstens
einige kleine Lynceidenarten sich finden.
Wo die Localität kein gegenseitiges Ausweichen gestattet,
behauptet meist nur eine der grösseren Arten das Feld. So fand
ich z.B. zwei Wassergräben ausschliesslich mit Daphnia pulex
Leydig im einen, Ceriodaphnia reticulata Leydig im andern Falle
bevölkert. Daphnia longispina Leydig findet sich um Bern nur im
Egelmoos, hier aber in ungeheurer Menge, während der sonst
so häufige Simocephalus vetulus sich nur an vereinzelten
Stellen sparlich behauptet und auch die kleinsten Lynceiden fast
vollständig fehlen. Wohnen mehrere grössere Arten in
demselben Gewasser, so pflegen sich die selteneren Arten an
einzelnen Stellen unvermischt zu localisiren, wie ich diess in
prägnanter Weise bei Simocephalus serrulatus, Ceriodaphnia
laticaudata P. E. Müller und Eurycercus lamellatus beobachtete.
Von eigentlichen Parasiten haben die Cladoceren des Gebietes
nur wenig zu leiden. Bei Leptodora hyalina aus dem Burgsee
beobachtete ich eine Saprolegnia, die mit der von P. E. Müller
geschilderten identisch sein dürfte. Bei Daphnia longispina
Leydig fand ich in wenigen Fallen eine lebhafte orangegelbe
Farbung, die wohl auf einen, die Blutraume bewohnenden,
Parasiten zurückzuführen ist, wie die von Leydig bei Chydorus
sphäricus beobachtete rothe Farbung.
Weit haufiger finden sich auf der Schale der Cladoceren Algen
oder Infusorien, denen sie nur als Stützpunkt, nicht zur Nahrung
dienen. (Junge Spongillen fand ich zwar nicht auf Cladoceren,
wohl aber auf Cyclopiden, die mit ihnen dieselben Gewasser
bewohnten.) Meist finden sie sich nur an denjenigen Stellen, wo
sie nicht durch die Ruderantermen oder das Postabdomen
abgestreift werden können; nie sah ich eine erhebliche
Beeinträchtigung der Bewegung daraus entstehen. Besonders
haufig beobachtete ich solche Bewohner bei Chydorus
sphäricus, Scapholeberis mucronata, Simocephalus vetulus und
Daphnia longispina Leydig.
Diess sind ungefähr die Resultate der Beobachtungen, die ich in
einem Frühling und Sommer zu machen Gelegenheit fand.
Obgleich die meisten Localitäten zu wiederholten Malen
durchsucht wurden, kann doch das Eine oder Andere der
Beobachtung entgangen sein; ein Theil der Arten kann
verschwinden und neue dafür auftauchen, so dass es unmöglich
ist, ein vollkommenes und bleibendes Bild der Fauna zu geben.
So viel aber möchte aus dieser Skizze hervorgehen, dass auch
in Beziehung auf diese kleine Süsswasserthiere unsere Gegend
des Interessanten genug bietet. Neue Untersuchungen in den
andern Theilen der Schweiz dürften noch manche merkwürdige
Art zu Tage fördern und zeigen, dass, wenn unsere
Cladocerenfauna so viel armer erschien, es nur dem Umstand
zuzuschreiben ist, dass sie noch keine so umfassende und
gründliche Bearbeitung erfahren hat, wie sie die nordischen
Forscher über ihre Gegenden geliefert haben.
Anmerkungen.
1) Die von mir benutzten Schriftsteller, die aber theilweise nur vorübergehend zur Disposition standen, sind folgende:
Jurine, Histoire des monocles, qui se trouvent aux environs de Genève, 1820.
Schödler. J. E.,. Cladoceren des frischen Haffs (Wiegmanns Archiv für Naturgeschichte, 32. Jahrg., Bd.1).
Leydig, Dr. Fr.,. Naturgeschichte der Daphniden, Tübingen 1860.
Müller, P.E., Danmarks Cladocera (Schiödte, Naturhistorisk Tidsskrift III. R., V. Bd., 1867). -Note sur les Cladoceres des grands lacs de la Suisse. Archives des sciences physiques et naturelles. Tome XXXVII, Genève 1870.
Fischer, Dr. S., Abhandlung über einige neue oder noch nicht genau gekannte Daphniden und Lynceiden, als Beitrag zur Fauna Russlands. Moskau 1854.
G.O. Sars Oversigt af de af ham i Omegnen af Christiana iagttagne crustacca Cladocera Forhandlinger i Videnskabs selskabet i Christiania 1863.
Dr. H.G. Bronns Klassen und Ordnungen des Thierreichs, fortgesetzt von Dr. A. Gerstacker. 22. Lieferung, 1876. Leipzig und Heidelberg.
2) Die genauere Beschreibung ist in Kurzem folgende:
Oberrand von der Schnabelspitze an fast gleichmassig gekrümmt, mit abgerundetem Winkel in den Hinterrand übergehend. Letzterer nur leicht nach Aussen gekrümmt, fast gerade abfallend, nach dem Unterrande zu abgerundet. Dieser ist mit, von hinten nach vorn an Lange abnehmenden, Börstchen besetzt, und verlauft gerade, bis er an seinem vordern Ende unter abgerundetem Winkel in den senkrecht aufsteigenden Vorderrand übergeht. Die Schale ohne den Kopfschild erhalt dadurch die Form eines Rechteckes mit abgerundeten Winkeln. Der Kopfpanzer ist breit, von der Schale weit abgehoben; sein stumpfes Ende wird vom Stammende der Tastantennen erreicht. Auge gross. Nebenauge klein, von letzterem weiter entfernt, als von der Schnabelspitze. Postabdomen ziemlich breit, kurz, hinter den starken, mit kurzem Dorn an der Basis versehenen, Endklauen ausgeschnitten; der Hinterrand desselben, mit 7-8 von der Spitze an abnehmenden Dornen besetzt, bildet etwas weiter oben einen wenig vorspringenden Winkel. Die Ruderborsten ziemlich lang und wellig. Charakteristisch für die Art ist die Sculptur der Schale und des Kopfschildes, die aus zu schiefen Streifen angeordneten Warzchen besteht und dem Thiere ein sehr ziehrliches Ansehen gibt. Die Farbe ist grau. Lange des Thieres 0,336 mm, grösste Schalenbreite 0,217 mm. (nach zwei übereinstimmenden Messungen).
* Das deutsche Originaltext wurde aufgrund seines schlechten Zustands ipsis litteris abgetippt. Im Adolpho Lutz-Archiv befindet sich die portugiesische Fassung dieser Mitteilung, wahrscheinlich durch Bertha Lutz in den 50er-Jahren übersetzt. Dort sind Korrekturen des Verlegers und Anmerkungen zu finden, die ihr Vater mit der Bleistift per Hand auf einem Exemplar des in Bern erschienenen Artikels schrieb. Die Anmerkungen sind im hiesigen portugiesischen Text als “Randbemerkungen” beibehalten worden, um sie von den ursprünglichen Anmerkungen unterscheiden zu konnen. In Fubnoten zeigen wir noch die Veränderungen, die von Übersetzer oder Korrekturleser unternommen wurden, unser Erachtens nach Bertha Lutz.