
Der Wanderer
Der Wanderer, ein Essay über Gedankengang und Bedeutung von Goethes gleichnamigem Gedicht, entstand am 7. Dezember 1893, als der achtzehnjährige Rilke sich mit der Frage beschäftigte, worin die wahre, erhabene Kunst des Dichters bestehe. Rilke entwickelt am Beispiel eines Mannes, der sich so tief in ein Guckkasten-Landschaftsbild vertieft, dass er Blumenduft zu riechen und Blätterrauschen zu hören meint, seinen Gedanken, dass jedes Kunstwerk seinen eigenen, sich von selbst einstellenden Maßstab verlange und sich jedem vorschnellen, von außen herangetragenen Urteil entziehe. Der kurze, in gelehrtem Ton gehaltene Essay zeigt den jungen Rilke bereits als aufmerksamen Leser Goethes und als eigenständigen, wenn auch noch unfertigen Kunsttheoretiker.






