
Das Christkind
Das Christkind erschien 1893, als Rilke erst siebzehn Jahre alt war, und spielt in einem Krankenhaus, wo unter dem lakonischen Eintrag Gestorben im grünen Krankenhausbuch der Tod der neunjährigen Elisabeth Horvát, einer Försterstochter, vermerkt wird. In Zimmer 12, wo mehrere kranke Kinder das Bett teilen, hockt ein kleines Mädchen aufrecht in den Kissen, während aus einer dunklen Ecke leises, trostloses Weinen dringt und das schwarze Holzkreuz im dämmerigen Zwielicht frei zu schweben scheint. Der frühe Februarabend blickt wie mit rotgeweinten Büßeraugen müde und mürrisch ins Zimmer, während die Kinder in der karbolgesättigten Luft auf die Ankunft des Christkindes warten. Die frühe Erzählung zeigt bereits Rilkes charakteristisches Gespür für gedämpfte Stimmungsbilder und den Kontrast zwischen kindlicher Erwartung und existentiellem Ernst.






