
Der Drachentöter
Es war ein schönes und fruchtbares Land mit Wäldern, Feldern, Flüssen, Straßen und Städten, über das ein von Gott gesetzter König herrschte, älter und stolzer als alle Könige, von denen man je Glaubwürdiges gehört hat. Sein einziges Kind war ein Mädchen von großer Jugend, Sehnsucht und Schönheit, und gerade ihre Sanftmut und die Macht ihres unerwachten Angesichts scheinen die unschuldige Ursache jenes Drachens gewesen zu sein, der, je mehr sie aufblühte, desto näher heranschlich und sich schließlich im Walde vor der schönsten Stadt des Landes niederließ, denn es bestehen geheime Beziehungen zwischen dem Schönen und dem Schrecklichen. Ob der Drache dem jungen Mädchen wirklich feindlich gesinnt war, weiß niemand mit Gewissheit zu sagen, doch ließ man es auf eine Probe nicht ankommen, zumal das Untier gegen alle, die zufällig in den Kreis seiner Kraft traten, erbarmungslos war und Kinder wie Herden gleichermaßen ergriff und behielt. Der König bemerkte zunächst mit hoher Befriedigung, wie diese Not viele Jünglinge seines Landes zu Männern machte, die aus allen Ständen auszogen, als gingen sie in ein fremdes, fernes Land, mit dem Heldentum einer einzigen, heißen, atemlosen Stunde.






