
Die Versuchung des Pescara
In einem Saale des mailändischen Kastelles saß der junge Herzog Sforza über den Staatsrechnungen, beginnt Meyers historische Novelle: Neben ihn hatte sich sein Kanzler gestellt und erklärte die Zahlen mit gleitendem Finger. Eine furchtbare Ziffer!, seufzte der Herzog und entsetzte sich vor der Summe, welche die mit Eile betriebenen Festungsarbeiten verschlungen hatten, wie viele Schweißtropfen meiner armen hungernden Lombarden! Warum Festungen bauen?, fragt er weiter, das ist ein schlechtes Geschäft, Pescara, der große Belagerer, wird sie schnell wegnehmen. Der Blick des Herzogs und der seines Kanzlers fielen dabei auf ein schäkerndes Mädchen unter den Deckenfresken des Saales, das sich von einem Jüngling einen gerösteten Fisch zwischen das blendend blanke Gebiss schieben ließ, während der Herzog über den Feldherrn Pescara und die drohende Belagerung seiner Festungen sinniert.






