
Kampagne in Frankreich
Den 23. August 1792. Gleich nach meiner Ankunft in Mainz besuchte ich Herrn von Stein den Älteren, königlich preußischen Kammerherrn und Oberforstmeister, beginnt Goethes Bericht über den Feldzug, den er im Gefolge des Herzogs von Weimar miterlebte: Stein schilderte ihm mit flüchtigen Zügen die bisherigen Fortschritte der verbündeten Heere. Mittags bei ihm zur Tafel fand Goethe mehrere französische Frauenzimmer, darunter eine stattliche Frau, von der man sagte, sie sei die Geliebte des Herzogs von Orleans, sowie die Fürstin Monaco, entschiedene Freundin des Prinzen von Condé, deren schlanke, heitere, possenhafte Erscheinung ihn an seine eigene Romanfigur Philine erinnerte. In diesen Tagen waren die Alliierten in Frankreich eingebrochen, und ob sich die Festung Longwy ergeben oder widerstehen werde, schwebte in jenem Augenblick noch in Zweifel, während erwartete Kuriere nur das langsame Vorschreiten der Armee und die Hindernisse grundloser Wege meldeten.






