Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Litteratur
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in deren Köpfen kein eigenes Gold geprägt, wohl aber das fremde in Rauch
aufgelöst wird, unsere flehentliche Bitte, daß dieselbe doch geruhen
möchten, die ohnehin schreckliche Menge der goldleeren oder – wie der
Landmann sich ausdrückt – lichten Beuteln zu beherzigen, und dieselben
nicht ferner mit neuen zu vermehren, sintemalen sonst diese ihrer
Bestimmung nach, so edle Ideenbehältnisse noch immerfort das klägliche
Schicksal würden erfahren müssen, von unbarmherzigen Händen in
Tabackbeutel, und Käs- und Gewürzfuterale verwandelt zu werden. Wovor
sie der Himmel bewahren, und mit seiner Allmacht gnädigst beschützen
wolle!
Noch ein Umstand, der unsere Litteratur in ihrem Fortgange zurückhält, ist
die unter uns eingerissene Gewohnheit, fremde auswärtige Journale und
Magazine mit inländischen eigenen Produkten und Beyträgen zu bereichern, und
den ohnehin grossen Mangel unserer Litteratur an derley kleineren Arbeiten
noch mehr zu vergrössern. Es war eine Zeit, wo die wenigen inländischen
Gelehrten in den periodischen Blättern unsers Landes keine anständige
Gesellschaft fanden, in der sie mit Ehren erscheinen konnten, und sich also eine
bessere in auswärtigen Blättern suchen mußten, nicht selten nöthigte sie auch die
grössere Strenge der Censur, Aufsätze, die hier bedenklich waren, auswärtigen
Blättern zu überlassen, und einige unter ihnen suchten – was vormals kaum zu
verdenken war – eine Ehre darinn, in den gelehrten Blättern einer Litteratur zu
erscheinen, die der unsrigen, ihres grossen Vorsprungs wegen, von jeher den Ton
angab. In wie weit diese Ursachen, die unsere Litteratur um so manches
schätzbare Eigenthum brachten, noch itzt fortwähren, will ich nicht untersuchen,
gewiß ist es indessen, daß wir sehr viel dabey verlieren, und so lang diese
Gewohnheit währet, nie ein gutes periodisches Blatt werden aufweisen können.
– Das Verhältniß, in welches wir uns selbst durch unsere Beyträge mit den
Auswärtigen setzen, ist auffallend ungleich und gegen alle Regeln eines
gesellschaftlichen Vertrags: wir geben ihnen Beyträge, sie geben uns keine, wir
schenken ihnen unsere Arbeiten, um selbe wieder von ihnen um unser Geld
kaufen zu können. Was Wunder also, daß wir ihnen damit willkommen sind?
Würde dadurch unsere eigene Litteratur nicht zurückgesetzt, so möchte dieß
alles noch hingehen, aber seinem Vaterlande den Rock ausziehen, um ihn
andern, die so viele Röcke haben, zu schenken, ist der Ahndung jedes Patrioten
werth. Nie wird unsere Litteratur vorwärts rücken, nie wird sie sich ihren
Schwestern bemerkenswerth und nothwendig machen, wenn nicht Gemeingeist
unter ihren Schriftstellern herrscht. – Und doch, wie leicht könnte sie das? Ist
nicht Wien der Mittelpunkt, um den sich Deutschlands kleinere und größere Planeten drehen? Ist es nicht – zumal itzt – das Augenmerk von ganz Europa?