Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Litteratur

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um in Betrachtung gezogen zu werden. Wenigstens lehrt uns die Erfahrung

unseres eigenen Schadens, daß diejenigen Mächte, welche früher, als wir

anfiengen, die Litteratur und Wissenschaften ihres Landes zu begünstigen, und

zu heben, sich nicht verrechnet haben, wenn sie von ihrer Bemühung nebst dem

unsichtbaren Zuwachs von Ruhm und Ansehen, auch einen sehr sichtbaren und

handgreiflichen Zuwachs von fremdem Gelde erwarteten; und lag auch diese

Absicht nicht in dem Plan ihrer zum Besten der Wissenschaften gemachten

Einrichtungen, so mußte sie doch der Erfolg davon überzeugen, daß die

Summen, welche sie dazu verwendet hatten, auf sehr gute sowohl unsichtbare

als sichtbare Zinsen ausgelegt waren. Und wenn man das allgemeine Verhältniß

der Staaten untereinander als eine immerwährende Ebbe und Flut betrachtet, in

welcher eine Masse die andere drängt, und wie eine Macht abläuft, die andere

vordringt, wo jede Blösse, jeder Abgang, jedes noch so unbeträchtliche minus

das allgemeine Gleichgewicht stört; wenn man annimmt, daß diese Massen des

Staates unaufhörlich gegen einander streiten und wirken, um sich ins

Gleichgewicht zu setzen, so ist es gewiß, daß auch die Wissenschaften auf jene

Waage gehören, auf welcher ein Staat sein Gewicht gegen den andern abwägt,

und daß sie sowohl von Seite der Ehre als des Gewinns einen nicht

unbeträchtlichen Theil davon ausmachen.

Es würde mich zu weit führen, wenn ich diese auf wahre Verhältnisse

gegründete allgemeine Beobachtungen fortsetzen, dem Faden aller daraus

möglichen Folgerungen nachgehen, und die Anwendung derselben auf jeden

Zweig der Litteratur und alle damit verbundene Gegenstände und Einrichtungen

auseinandersetzen wollte. Jeder Geist, der Licht genug in sich hat, aus einer

allgemeinen Wahrheit, wie die Sonne aus ihrem Mittelpunkte den ganzen

Umkreis der ihn umgebenden Gegenstände zu beleuchten, kann das von selbst.

Genug, daß sich daraus der wahre Schluß ergiebt, daß zum Besten der

Wissenschaften nie zu viel gethan werden kann, und daß ein Staat, der bereits

auf einer gewissen Stuffe von Grösse und Vollkommenheit steht, den Gipfel

derselben nur durch den höchstmöglichen Grad von Aufklärung erreichen könne.

So schwer es auch immer seyn mag, den allgemeinen Grad der Aufklärung

eines grossen Staates zu bestimmen, so wird der aufmerksame Beobachter, der

dem Wechsel der menschlichen Meinungen und herrschenden Begriffe nachspürt

und die gegenwärtige Beschaffenheit derselben mit der vorhergegangenen

zusammenhält, gleichwohl Data finden, aus denen sich, wo nicht die Stuffe der

Aufklärung, doch sicher das Mehr oder Weniger derselben berechnen läßt.

Gewiß ist es, daß die Toleranzedikte und kirchlichen Verordnungen unseres

weisen Monarchen, die erweiterte Zensursfreyheit, und selbst die dadurch veranlaßte Menge von kleineren Gelegenheitsschriften vieles zur allgemeinen