Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Litteratur

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würde ein Gemälde von der possierlichsten Komposition geben. Ich will zur

Probe nur einige dieser Broschüren hersetzen:

Ueber die Stubenmädchen in Wien.

Ueber die Kammerjungfern.

Ueber die Bürgermädchen.

Ueber die Halbfräulein.

Ueber die Fräulein in Wien.

Das Lamentabel der gnädigen Frauen.

Ueber die Schwachheiten der gnädigen Frauen des leonischen Adels.

Ueber den hohen Adel in Wien.

Ueber Doktoren, Chirurgen und Apotheker.

Den Hausherren im Vertrauen etwas ins Ohr.

Ueber die Kaufleute in Wien.

Ueber die Dikasterianten.

Ueber die Stutzer in Wien.

Ueber die Kaufmannsdiener.

Ueber die Schneider.

Ueber die Bäcker.

Ueber die Peruckenmacher.

Ueber die Friseurs.

Der ehrliche Wastel mit dem Klingelbeutel.

An H. S*. Chef der Maulaffenloge auf dem Graben.

Ueber den Kleiderpracht im Prater.

Ueber die Unterhaltung bey der Tafel zu Schönbrunn.

Ueber den Schwimmer aus Tyrol beym Tabor.

Beurtheilung der Feuerwerke des Stuwer und Mellina.

Ueber die Hetze.

Kasperl, das Insekt unsers Zeitalters.

Ueber das Nationaltheater.

Ueber den Mißbrauch des Wörtchen Von und Euer Gnaden.

Ueber das Gratuliren.

Ueber die Kleidertracht.

Etwas für die schopfichten Wienerinnen.

Philosophie der Modeschnallen.

Ueber die Hochzeiten in Wien.

Das Gespenst auf dem Hofe.

Ueber den grossen Brand der Magdalenakirche.

Ueber den Selbstmord bey Gelegenheit des Friseurs, der sich erschoß.

Ist der Antichrist blau, oder grün?

Ueber die Bruderschaften.

Ueber die Kirchenmusik.

Ueber die Nonnen.

Ueber die Tracht der Ordensgeistlichen.

Ueber die Reliquien, Opfer und Mirakelbilder.

Von Abschaffung der Weihnachtsmetten.

Ueber die Universität in Wien.

Die Gelehrten im Nasenlande.

Der Glückshafen für gelehrte Maulaffen.

Ueber die zehn Kreuzer Autoren.

Kaufts allerhand! Kaufts allerhand! Kaufts lang und kurze Waar!

Alle diese Broschüren, davon die meisten in die Rubrik Makulatur gehören,

und noch beyläufig dreymal so viel, erschienen voriges Jahr in einer Zeit von

wenigen Monaten, wurden gekauft und gelesen. – Sie sind den Titeln nach ein

ziemlich vollständiges Repertorium über Wien; aber wehe dem, der daraus Wien

beurtheilen wollte. Die meisten erschienen blos des Geldes wegen, waren in

einem Tage fertig, am zweyten gelesen, und am dritten vergessen. Man glaube

indessen ja nicht, daß man es bey einer Broschüre über einen Gegenstand

bewenden ließ. Es war beynahe keiner, über den man nicht wortwechselte. Die

Schrift: Ueber die Begräbnisse, die allerdings viel bessere Nachfolger verdient

hätte, zog 21 Streitschriften nach sich, bey welcher Gelegenheit der Ehrw. P. P.

Fast, Curatus zu St. Stephan mit zweyen von Amtswegen verfaßten

Gegenschriften seine rühmliche Schriftstellerlaufbahn eröffnete. Die Beyträge

zur Schilderung Wiens, eine in vielem Betracht merkwürdige Schrift, der zur

Empfehlung nichts, als ein den Gegenständen mehr angemessener Ton fehlte,

veranlaßte über 10. Streitschriften, und ihr haben wir den katholischen

Unterricht des oberwähnten P. P. Fast in 10. Theilen, das Stück zu 7 Kreuzer zu

danken, durch welchen der eifrige Herr Verfasser dem christlichen

Fragbüchelunterricht des 16ten Jahrhunderts, der durch die neuen Normalbücher

schon beynahe in Vergessenheit gesunken war, wieder auf die Beine geholfen

hat.(1) Die Schrift: über die Stubenmädchen in Wien, von Herrn

Rautenstrauch war eine der glücklichsten Autorspekulationen für ihn, und die

Herren, welche sich an ihn anhiengen. 25 Broschüren schlugen sich für und

wider diesen Gegenstand, und bewiesen deutlich, was für einen wichtigen Theil

des Publikums die Stubenmädchen ausmachen müssen. Von dieser Zeit an

giengen die Manufakturen der Tagesprodukte unermüdet fort, und in jedem

Monate durfte man auf 50 bis 60 Broschüren sicher Rechnung machen. Jeder

Vorfall, jede Tagesneuigkeit ward zur Broschüre, und die alles regierende Göttin Gelegenheit, die sonst Juvenale und Buttlers zu unsterblichen Werken des