Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Litteratur
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fuhr der Prediger ohne zu lachen fort, »also auch ihr, meine Zuhörer, fürchtet
euch nicht vor dem Fisch, ergreifet ihn herzhaft, er wird euch nicht beissen,
u. s. w.«. Jede Textverdrehung ist kraftlos für den Verstand, und leitet zu
Trugschlüssen, die den Mann, der sie einsieht, empören, statt ihn zu überzeugen,
jedes Legendenmärchen macht den Prediger in den Augen des vernünftigen
Zuhörers entweder zum Heuchler, den er verachten, oder zum leichtgläubigen
Kinde, das er bemitleiden muß. Und dieß ist, womit Prediger selbst ihr Wort
entkräften: die Kritik thut das Gegentheil, sie will, daß Gottes Wort in dem
Munde der Prediger nicht kraftlos werden soll. Und wie kann endlich eine
öffentliche Rüge der Kanzelgebrechen der Ehrerbietung zuwider seyn, die man
den Predigern schuldig ist? Jede Ehrerbietung, die nicht persönliches Verdienst
zum Grunde hat, wird Satyre für den, dem sie erwiesen wird; man ehret den
Mann des Kleides wegen. Die Kritik will den Predigern nicht ihre Ehre nehmen,
sie will ihnen Ehre geben: und giebt sie nicht dem Ehre, dem Ehre gebührt? – –
Genug zur Apologie eines Institutes, dessen bescheidener Tadel nur dann
aufhören kann, wenn die Prediger aufhören werden, ihm Stoff zum Tadel zu
geben. – Das Institut selbst war eigentlich eine bessere Nachahmung eines
ähnlichen Institutes in Prag, die Geisel der Prediger genannt, das aber, weil es
seinem Endzwecke in der Ausführung minder entsprach, aufhörte. Die blosse
Ankündigung dieses Instituts in Wien erregte schon Aufstand. Der verjährte
Besitz einer bisherigen gänzlichen Unfehlbarkeit auf der Kanzel sollte nun dem
Urtheile weltlicher Richter ausgesetzt seyn? P. Pochlin, Lehrer der
Beredsamkeit in dem erzbischöflichen Alumnate war der erste, der die blosse
Ankündigung als eine Herausforderung ansah, und dem Feind, den er noch nicht
kannte, beherzt vor die Stirne trat. Mit einem Feind anbinden wollen, den man
noch nicht kennt, heißt nach der Regel der Kriegskunst – Tollkühnheit, bey P.
Pochlin war es, wie man aus seinem Fehdebrief, den er im Wienerdiarium
seinen Gegnern zusandte, schliessen konnte, Selbstgefühl seiner Stärke, und
Bewußtseyn seiner Unfehlbarkeit. Er lud seine sämmtlichen Gegner nach
Vösendorf ein, um sich da mit ihnen auf der Kanzel zu messen, und das
ungefähr in den Ausdrücken, deren sich einst der grosse Goliath gegen den
kleinen David bediente. Die Gegner erschienen, die Predigt begann, und der
Riese fiel noch vor dem ersten Stein aus der Schleuder seiner Kritiker. Er raffte
sich auf, und zog nun als Schriftsteller aus, und fiel wieder, schwerer als zuvor.
Er kam nun in Person eines Fleischhackers, und that zum drittenmal einen Fall,
der nun deutlich bewies, daß es den Kritikern weit weniger Ehre gemacht habe,
über so einen Gegner zu siegen, als es ihnen gemacht haben würde, wenn sie
nach dem Fehdehandschuh eines Mannes, der so wenig Ritter war, gar nie gegriffen hätten.