
Brigitta
Es gibt oft Dinge und Beziehungen in dem menschlichen Leben, die uns nicht sogleich klar sind, und deren Grund wir nicht in Schnelligkeit hervorzuziehen vermögen, beginnt Stifters 1843 erschienene Novelle Brigitta: Sie wirken dann meistens mit einem gewissen schönen und sanften Reize des Geheimnisvollen auf unsere Seele. In dem Angesichte eines Hässlichen ist für uns oft eine innere Schönheit, schreibt der Erzähler, während uns oft die Züge eines andern kalt und leer sind, von denen alle sagen, dass sie die größte Schönheit besitzen. Ebenso fühlen wir uns manchmal zu einem hingezogen, den wir eigentlich gar nicht kennen, es gefallen uns seine Bewegungen, es gefällt uns seine Art, und wir trauern, wenn er uns verlassen hat, während wir mit einem andern, dessen Wert in vielen Taten vor uns liegt, nicht ins Reine kommen können. Zu diesen Bemerkungen sei er durch eine Begebenheit veranlasst worden, die er einmal in sehr jungen Jahren auf dem Gute eines alten Majors erlebt habe.






