
Der Condor
Um zwei Uhr einer schönen Junimondnacht ging ein Kater längs des Dachfirstes und schaute in den Mond, beginnt Stifters Erzählung: Das eine seiner Augen, von dem Strahle des Nachtgestirnes schräg getroffen, erglänzte wie ein grüner Irrwisch, das andere war schwarz wie Küchenpech, und so glotzte er zuletzt bei einem Fenster hinein, und der Erzähler heraus. Die großen freundlichen Räder seiner Augen auf ihn heftend, schien der Kater befremdlich fragen zu wollen, was ihn denn heute so spät noch ans Fenster treibe, worauf der Erzähler ihm erwidert, die Zeiten haben sich nun einmal sehr geändert, denn heute werde am Himmel das seltenste und tollste Gestirn emporsteigen, das er je gesehen habe. So beginnt, mit einem nächtlichen Zwiegespräch zwischen einem Mann und seinem Kater, jene Erzählung, die ihren Namen von dem Ballon Condor hat, mit dem eine junge Frau in die Lüfte aufsteigen wird.






