Ein Buch, das gern ein Volksbuch werden möchte
Fussnoten:
„Der vorige Gutsherr hat es mit ins Grab genommen. Für seinen Nachfolger
bin ich ein Bauer wie ein andrer.“
– „Ein Bauer! Ein Bauer!... Und so wollen Sie es forttreiben bis an Ihr
Ende?“
– „Bis an mein Ende, und ich glaube nicht, damit etwas Großes zu tun und
ihnen mehr zu geben, als ich von ihnen empfange. Ich bin keineswegs immer ihr
Lehrer, sie sind auch die meinen. Ihre Freuden zu teilen, vermag ich nicht, aber
in Leid und Schmerz haben wir uns oft gefunden. Ich habe Bauern vor ihrem
verhagelten Feld, ich habe Mütter an der Leiche ihrer Kinder stehen gesehen und
Ehrfurcht gefühlt. Selten ist mir einer von ihnen verachtungswürdig erschienen,
aber hundert unzählige Male beklagenswert.“
In seinem Auge leuchtete die alte schwärmerische Glut, seine gebräunten
Wangen erbleichten vor innerer Bewegung:
„Es ist ein Schatz an Geduld, Ausdauer, heldenmütiger Ergebung in einen
höheren Willen in diesem Volke, den alle Mißhandlung, die es erfahren hat, nicht
zu erschöpfen vermochte. Aber seines Reichtums unbewußt, streut es ihn aus
und erwirbt nichts dazu. Die Einsicht fehlt und mit ihr das Wirken der tätigen,
sittlichen Kräfte. Genug! Genug! das alles wissen Sie so gut wie ich, und somit
auch, daß es vieles nicht geringe zu tun gibt auf meinem geringen Posten. Ihn
auszufüllen, reicht mein Können gerade hin. Hawryl Koska wird nicht umsonst
gelebt haben. – Der Sendbote ist gestorben, ohne einen Jünger zu hinterlassen.“
„Einen doch!“ rief Nathanael. „Einen, den Sie aus den Reihen Ihrer
eifrigsten Gegner geholt haben. Einen Mann, dessen Zwecke irdischer Natur
gewesen sind, dessen Herz an verlierbaren Gütern gehangen hat und den Sie den
Wert der unverlierbaren kennen gelehrt haben. Sendbote! da steht er vor Ihnen,
Ihr Jünger in weißen Haaren.“
Beide waren zugleich aufgesprungen, stürzten einander an die Brust und
hielten sich fest umschlungen.
FUSSNOTEN:
[1]Großmütterchen.
[2]Andersgläubiger.
[3]Esel.
[4]Lieber Herr!
[5]Mein Seelchen.
[6]Ein Riese.