Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Joseph Victor von Scheffel · Kapitel 25 von 29

PDF-Seiten

Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Die Fahndung

»Herr Pfarr, Herr Pfarr, jetzt ha'n wir gnug,

Herr Pfarr, jetzt lebet wohl!

'Raus jetzt! 'Raus aus dem Haus jetzt!

Herr Pfarr, und bleibt gesund!

's fließt nirgends mehr ein Tropfen Wein

aus Krug und Hahn und Spund.«

 

Da flucht der Pfarr: »Ich dank recht sehr,

Schwernot! Ist alles hin,

so will ich selbst im wilden Heer

als Feldkaplan mitzieh'n!

'Naus jetzt! 'Naus aus dem Haus jetzt!

Herr Ritter, ich schlag' ein:

Ist all mein Wein zum Teufel, soll

ein and'rer Pfarrherr sein!

Hussa, hallo!

Jo, hihaho!

Rumdiridi, langt's nit,

Hoidirido, selbst mit!

Höllischer Chor,

heut reit' ich vor:

'Naus! 'naus! 'naus!!«

 

Die Fahndung

 

Und wieder sprach der Rodenstein:

»Pelzkappenschwerenot!

Hans Breuning, Stabstrompeter mein,

bist untreu oder tot?

Lebst noch? … Lebst noch und hebst noch?

Man g'spürt dich nirgend mehr …

Schon naht die durstige Maiweinzeit,

du mußt mir wieder her!«

 

Er ritt, bis er gen Darmstadt kam, kein Fahnden war geglückt;

da lacht' er, als am schwarzen Lamm

durchs Fenster er geblickt:

»Er lebt noch! … Lebt noch und hebt noch!

Doch frag' mich keiner: wie?

Wie kommt mein alter Flügelmann

in solche Kompagnie?«

 

In Züchten saß die Stammgastschar

nach Rang und Würden dort,

Dünnbier ihr Vespertrünklein war,

es klang kein lautes Wort.

»Sacht stets! … Sacht und bedacht stets

ist Lebens Hochgenuß,«

so flüstert ein Kanzleimann just

zum Kreisamtssyndikus.

 

In dieser Schöppleinschlürfer Reih'

saß auch ein stilles Gast,

und als es acht Uhr war vorbei,

nahm's Stock und Hut mit Hast.

»Acht jetzt! … acht jetzt … gut Nacht jetzt!

Einst war ich nicht so brav,

doch ehrbar wandeln ist das Best'!

Ich geh ins Bett und schlaf'.«

 

Der Rodenstein in grimmem Zorn

hub grau'nhaft sich empor;

dreimal stieß er ins Jägerhorn

und blies mit Macht den Chor:

»'Raus da! 'Raus aus dem Haus da!

'Raus mit dem Deserteur!

Das lahme, zahme Gast da drin

gehört zum wilden Heer!«

 

Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,

erst sank es tief ins Knie,

dann stürzt es einen Maßkrug aus,

schlug's Fenster ein und schrie:

»'Naus da! 'Naus aus dem Haus da!

O Horn und Sporn und Zorn!

O Rodenstein! O Maienwein!

Noch bin ich nicht verlor'n.

Rumdiridi, Freijagd!

Hoidirido, Freinacht!

Alter Patron,

empfah' deinen Sohn!

Hussa, Hallo!

Jo, hihaho!

'Naus, 'naus, 'naus!«