Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Joseph Victor von Scheffel · Kapitel 27 von 29

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Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Kapitel II

Der perlenreiche Orvietowein

mag auch dem Traurigen munden.

 

O Ponte molle, du treffliche Bruck,

ich glaube, du lohnest mit bösem Spuk,

daß ich mich in Träume verloren!

Es wirbelt ein Staub an der Heerstraß' auf;

jetzt sperrt mir ein Ochsen- und Büffelhauf'

den Heimweg zu Romas Toren!

 

II.

 

Ich weiß nicht, was da noch werden soll?

Schon dämmert's im feuchten Grunde,

die Fledermaus macht ahnungsvoll

um den alten Stadtwall die Runde,

am Scherbenberg wird's öd und still,

ich glaub', die alte Wirtin will

bereits die Schenke verschließen.

 

Ein Käuzlein hör' ich drüben schrei'n,

wo die Grabzypressen trauern,

Campagnanebel ziehen herein,

verhüllt stehn Tor und Mauern;

es wogt und wallt wie ein Geisterheer

um Cestius' Pyramide her,

was mögen die Toten wollen?

 

Jetzt zuckt und flammt um den Berg ein Licht,

die grauen Wolken verfliegen;

es kommt mit neidisch gelbem Gesicht

der Vollmond aufgestiegen,

er scheint so grell, er scheint so fahl,

er scheint mir mitten in Weinpokal,

das kann nichts Gutes bedeuten.

 

Und wer von der Liebsten scheiden gemüßt,

dem wird sie nur um so lieber,

und wer zu lang in der Nachtluft sitzt, bekommt in Rom das Fieber.

Schon löscht die Wirtin die Lampe aus –

Felice notte! ich geh' nach Haus,

die Zeche bezahl' ich morgen.