Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Joseph Victor von Scheffel · Kapitel 5 von 29

PDF-Seiten

Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Die Herberge am See

 

Dich feiern die freudigsten Lieder,

Taberne zum lachenden Hecht,

sind auch deine Hallen nur nieder,

uns Fahrenden sind sie gerecht.

 

Hier trink' ich bekümmersnisledig

Lenzlüfte und sonnigen Schein,

und wär' ich der Fürst von Venedig,

mir könnt' nicht wohliger sein.

 

Eine enge Dachkemenate

herbergt mich als Dogenpalast,

und eine bretterne Lade

mein Hab' und Besitztum umfaßt.

 

Ein Bänklein im Schatten der Linde

ist mein heiliger Markusplatz,

dort spielen die Fischerkinde

mit der scheckigen Klosterkatz'.

 

Mir lagert als Kreuzzugsgaleere

ein Einbaum im Arsenal,

den steur' ich in friedliche Meere

als mein eigner Admiral.

 

Ein Schaumtrunk braunrötlichen Bieres

erquickt mich statt kyprischem Wein …

Wen lustet des Malvasieres,

wo Malz und Hopfen noch rein?

 

So horst' ich, von Frühlingsgnaden

ein glücklicher Meermann, allhier;

hoch weht ob den weißen Gestaden

der fahrenden Schüler Panier.

Nicht neid' ich der Welt ihre Wonnen,

noch allen neunfarbigen Dunst:

Still liegen und einsam sich sonnen,

ist auch eine tapfere Kunst.