Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Joseph Victor von Scheffel · Kapitel 4 von 29

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Im schwarzen Walfisch zu Askalon

Perkêo

 

Das war der Zwerg Perkêo

im Heidelberger Schloß,

an Wuchse klein und winzig,

an Durste riesengroß.

 

Man schalt ihn einen Narren,

er dachte: »Liebe Leut',

wärt' Ihr wie ich doch alle

feuchtfröhlich und gescheut!«

 

Und als das Faß, das große,

mit Wein bestellet war,

da ward sein künftiger Standpunkt

dem Zwergen völlig klar.

 

»Fahr wohl,« sprach er, »o Welt,

du Katzenjammertal,

was sie auf dir hantieren

ist wurst mir und egal!

 

Um lederne Ideen

rauft man manch heißen Kampf,

es ist im Grund doch alles

nur Nebel, Rauch und Dampf.

 

Die Wahrheit liegt im Weine.

Beim Weinschlurf sonder End

erklär' ich alter Narre

fortan mich permanent.«

 

Perkêo stieg zum Keller;

er kam nicht mehr herfür

und sog bei fünfzehn Jahre

am rheinischen Malvasier.

War's drunten auch stichdunkel,

ihm strahlte inneres Licht,

und wankten auch die Beine,

er trank und murrte nicht.

 

Als er zum Faß gestiegen,

stand's wohlgefüllt und schwer,

doch als er kam zu sterben,

klang's ausgesaugt und leer.

 

Da sprach er fromm: »Nun preiset,

ihr Leute, des Herren Macht,

die in mir schwachem Knirpse

so Starkes hat vollbracht:

 

Wie es dem kleinen David

gen Goliath einst gelang,

also ich arm' Gezwerge

den Riesen Durst bezwang.

 

Nun singt ein De Profundis,

daß das Gewölb' erdröhnt,

das Faß steht auf der Neige,

ich falle sieggekrönt.«

 

… Perkêo ward begraben. –

Um seine Kellergruft

beim leeren Riesenfasse

weht heut noch feuchte Luft.

 

Und wer als frommer Pilger

frühmorgens ihr genaht:

Weh' ihm! Als Weinvertilger

durchtobt er Nachts die Stadt.