Verstand schafft Leiden, Schauspiel in vier Akten
Zweiter Akt.
Ein Empfangzimmer mit mehreren Thüren, links ein Fenster.
Erste Scene.
Famussoff. Ein Diener.
(Die Mittelthür wird von einem vorangehenden Diener rasch geöffnet und Famussoff tritt, elegant gekleidet,
herein; an der Thür bleibt er etwas stehen, um den Diener zu mustern.)
Famussoff.
Hör’! Peter, hör’! An Dir ist stets was neu!
Nun ist am Ellenbogen wieder was entzwei! (Setzt sich) Nimm den Kalender. — Doch den liest er Gerade wie ein alter Küster!
Lies mit Gefühl, Verstand, und dann und wann
Bei Punct und Komma halte an. —
Doch schreib erst lieber
Auf jenem leeren Blatte da,
Der nächsten Woche gegenüber:
„Am Dienstag zur Baronin Fladen
„Bin auf Forellen ich geladen!“ —
Wie ist die Welt doch wunderbar creirt!
Wenn man darüber erst philosophirt,
So schwindelt der Verstand. — O je, o je!
Da nimmt man sich in Acht, und dann kommt ein Dinér! Drei volle Stunden muß man kauen,
Und in drei Tagen kann man’s kaum verdauen!
Bemerk’ am selben Tag — ach nein,
Am Donnerstag wird das Begräbniß sein!
O Menschenvolk — mit deinem leichten Sinn! — Wir müssen Alle doch dahin! — — —
In jenen Kasten kommt doch jedermann,
In dem man weder stehn noch sitzen kann.