Verstand schafft Leiden, Schauspiel in vier Akten
Fünfzehnte Scene.
Jetzt thäte es mir wohl, zu gießen meine Galle
Und meinen Hohn
Auf Vater, Tochter, Schwiegersohn,
Mit einem Wort — auf Alle!
Zu welchen Menschen führte mich
Das Schicksal doch so wunderlich!
Verfolgung, Spott, des Hohnes Klänge
Erfuhr ich nur von dieser blinden Menge;
Verräther an der Treu und Liebe,
Und unersättlich in des Hasses Triebe.
Unbänd’ge Schwätzer, boshaft alte Weiber,
Dummkluge Weise,
Verschmitzte tück’sche Pinsel, matte Greise,
Die zum Kind
Herabgesunken unter Possen sind! —
Ihr habt posaunt in vollem Chor,
Daß ich Verstand und Sinn verlor!
Und Ihr habt Recht! — Wenn ein verständ’ger Mann Nur einen Tag mit Euch durchleben kann
Und es gelingt Euch nicht den Kopf ihm zu verdreh’n So kann er dreist durch’s Feuer gehn.
Aus Moskau fort!
Nein, Moskau ist nicht mehr das Ziel von meinen Reisen. Ich suche nichts als einen stillen Ort
Um hin mein wundes Herz zu tragen.
Mein Wagen, schnell, wo ist mein Wagen!
(Schnell ab.)
Fünfzehnte Scene.
Die Vorigen (ohne Tschatzki).
Famussoff.
Nun siehst Du! Ist’s nicht sonnenklar,
Daß niemand je verrückter war?
Sag’ selbst, im Ernst, — was sprach er gleich
Für tolles abgeschmacktes Zeug!
Von Speichelleckern fing er an
Von einem Schwiegervater dann;
Und das war sonderbar,
Was er auf Moskau böse war.
Doch Du — Du bringst mich um — ja Du!
Bin ich nicht so schon zu beklagen? Ach großer Gott, was wird dazu
Nun unsre alte Fürstin sagen!!
(Gruppe. Der Vorhang fällt.)
Ende des vierten und letzten Akts.