Zur Psychopathologie des Alltagslebens

Sigmund Freud · Kapitel 8 von 13

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Zur Psychopathologie des Alltagslebens

A. Vergessen von Eindrücken und Kenntnissen.

Unterlassungen. Das einförmige Ergebnis der ganzen Reihe von Beobachtungen

kann ich voranstellen: I n a l l e n F ä l l e n e r w i e s s i c h d a s

Ve r g e s s e n a l s b e g r ü n d e t d u r c h e i n U n l u s t m o t i v.

 

A. Vergessen von Eindrücken und Kenntnissen.

 

a. Im Sommer gab mir meine Frau einen an sich harmlosen Anlass zu heftigem

Ärger. Wir sassen an der Table d'hôte einem Herrn aus Wien gegenüber, den ich

kannte, und der sich wohl auch an mich zu erinnern wusste. Ich hatte aber meine

Gründe, die Bekanntschaft nicht zu erneuern. Meine Frau, die nur den

ansehnlichen Namen ihres Gegenüber gehört hatte, verriet zu sehr, dass sie

seinem Gespräch mit den Nachbarn zuhörte, denn sie wandte sich von Zeit zu

Zeit an mich mit Fragen, die den dort gesponnenen Faden aufnahmen. Ich wurde

ungeduldig und endlich gereizt. Wenige Wochen später führte ich bei einer

Verwandten Klage über dieses Verhalten meiner Frau. Ich war aber nicht

imstande, auch nur ein Wort der Unterhaltung jenes Herrn zu erinnern. Da ich

sonst eher nachtragend bin und keine Einzelheit eines Vorfalls, der mich geärgert

hat, vergessen kann, ist meine Amnesie in diesem Falle wohl durch Rücksichten

auf die Person der Ehefrau motiviert. Ähnlich erging es mir erst vor kurzem

wieder. Ich wollte mich gegen einen intim Bekannten über eine Äusserung

meiner Frau lustig machen, die erst vor wenigen Stunden gefallen war, fand

mich aber in diesem Vorsatz durch den bemerkenswerten Umstand gehindert,

dass ich die betreffende Äusserung spurlos vergessen hatte. Ich musste erst

meine Frau bitten, mich an dieselbe zu erinnern. Es ist leicht zu verstehen, dass

dies mein Vergessen analog zu fassen ist der typischen Urteilsstörung, welcher

wir unterliegen, wenn es sich um unsere nächsten Angehörigen handelt.

 

b. Ich hatte es übernommen, einer fremd in Wien angekommenen Dame eine

kleine eiserne Handkassette zur Aufbewahrung ihrer Dokumente und Gelder zu

besorgen. Als ich mich dazu erbot, schwebte mir mit ungewöhnlicher visueller

Lebhaftigkeit das Bild einer Auslage in der Inneren Stadt vor, in welcher ich

solche Kassen gesehen haben musste. Ich konnte mich zwar an den Namen der

Strasse nicht erinnern, fühlte mich aber sicher, dass ich den Laden auf einem

Spaziergang durch die Stadt auffinden werde, denn meine Erinnerung sagte mir,

dass ich unzählige Male an ihm vorübergegangen sei. Zu meinem Ärger gelang

es mir aber nicht, diese Auslage mit den Kassetten aufzufinden, obwohl ich die

Innere Stadt nach allen Richtungen durchstreifte. Es blieb mir nichts anderes

übrig, meinte ich, als mir aus einem Adressenkalender die Kassenfabrikanten herauszusuchen, um dann auf einem zweiten Rundgang die gesuchte Auslage zu

identifizieren. Es bedurfte aber nicht soviel; unter den im Kalender angezeigten

Adressen befand sich eine, die sich mir sofort als die vergessene enthüllte. Es

war richtig, dass ich ungezählte Male an dem Auslagefenster vorübergegangen

war; jedesmal nämlich, wenn ich die Familie M. besucht hatte, die seit langen

Jahren in dem nämlichen Hause wohnt. Seitdem dieser intime Verkehr einer

völligen Entfremdung gewichen war, pflegte ich, ohne mir von den Gründen

Rechenschaft zu geben, auch die Gegend und das Haus zu meiden. Auf jenem

Spaziergang durch die Stadt hatte ich, als ich die Kassetten in der Auslage

suchte, jede Strasse in der Umgebung begangen, dieser einen aber war ich, als ob

ein Verbot darauf läge, ausgewichen. Das Unlustmotiv, welches in diesem Fall

meine Unorientiertheit verschuldete, ist greifbar. Der Mechanismus des

Vergessens ist aber nicht mehr so einfach wie im vorigen Beispiel. Meine

Abneigung gilt natürlich nicht dem Kassenfabrikanten, sondern einem anderen,

von dem ich nichts wissen will, und überträgt sich von diesem anderen auf die

Gelegenheit, wo sie das Vergessen zustande bringt. Ganz ähnlich hatte im Falle

B u r c k h a r d der Groll gegen den einen den Schreibfehler im Namen

hervorgebracht, wo es sich um den anderen handelte. Was hier die

Namensgleichheit leistete, die Verknüpfung zwischen zwei im Wesen

verschiedenen Gedankenkreisen herzustellen, das konnte im Beispiel von dem

Auslagefenster die Kontiguität im Raum, die untrennbare Nachbarschaft

ersetzen. Übrigens war dieser letzte Fall fester gefügt; es fand sich noch eine

zweite inhaltliche Verknüpfung vor, denn unter den Gründen der Entfremdung

mit der im Hause wohnenden Familie hatte das Geld eine grosse Rolle gespielt.

 

c. Ich werde von dem Bureau B. & R. bestellt, einen ihrer Beamten ärztlich zu

besuchen. Auf dem Wege zu dessen Wohnung beschäftigt mich die Idee, ich

müsste schon wiederholt in dem Hause gewesen sein, in welchem sich die Firma

befindet. Es ist mir, als ob mir die Tafel derselben in einem niedrigen Stockwerk

aufgefallen wäre, während ich in einem höheren einen ärztlichen Besuch zu

machen hatte. Ich kann mich aber weder daran erinnern, welches dieses Haus ist,

noch wen ich dort besucht habe. Obwohl die ganze Angelegenheit gleichgiltig

und bedeutungslos ist, beschäftige ich mich doch mit ihr und erfahre endlich auf

dem gewöhnlichen Umwege, indem ich meine Einfälle dazu sammle, dass sich

einen Stock über den Lokalitäten der Firma B. & R. die Pension F i s c h e r

befindet, in welcher ich häufig Patienten besucht habe. Ich kenne jetzt auch das

Haus, welches die Bureaux und die Pension beherbergt. Rätselhaft ist mir noch,

welches Motiv bei diesem Vergessen im Spiele war. Ich finde nichts für die

Erinnerung Anstössiges an der Firma selbst oder an Pension Fischer oder an den Patienten, die dort wohnten. Ich vermute auch, dass es sich um nicht sehr

Peinliches handeln kann; sonst wäre es mir kaum gelungen, mich des

Vergessenen auf einem Umwege wieder zu bemächtigen, ohne äussere

Hilfsmittel wie im vorigen Beispiel heranzuziehen. Es fällt mir endlich ein, dass

mich eben vorhin, als ich den Weg zu dem neuen Patienten antrat, ein Herr auf

der Strasse gegrüsst hat, den ich Mühe hatte zu erkennen. Ich hatte diesen Mann

vor Monaten in einem anscheinend schweren Zustand gesehen und die Diagnose

der progressiven Paralyse über ihn verhängt, dann aber gehört, dass er hergestellt

sei, so dass mein Urteil unrichtig gewesen wäre. Wenn nicht etwa hier eine der

Remissionen vorliegt, die sich auch bei Dementia paralytica finden, so dass

meine Diagnose doch noch gerechtfertigt wäre! Von dieser Begegnung ging der

Einfluss aus, der mich an die Nachbarschaft der Bureaux von B. & R. vergessen

liess, und mein Interesse, die Lösung des Vergessenen zu finden, war von diesem

Fall strittiger Diagnostik her übertragen. Die assoziative Verknüpfung aber

wurde bei geringem inneren Zusammenhang – der wider Erwarten Genesene war

auch Beamter eines grossen Bureaus, welches mir Kranke zuzuweisen pflegte –

durch eine Namensgleichheit besorgt. Der Arzt, mit welchem gemeinsam ich

den fraglichen Paralytiker gesehen hatte, hiess auch F i s c h e r , wie die in dem

Haus befindliche, vom Vergessen betroffene Pension.

 

d. Ein Ding v e r l e g e n heisst ja nichts anderes als vergessen, wohin man es

gelegt hat, und wie die meisten mit Schriften und Büchern hantierenden

Personen bin ich auf meinem Schreibtisch wohl orientiert und weiss das

Gesuchte mit einem Griff hervorzuholen. Was anderen als Unordnung erscheint,

ist für mich historisch gewordene Ordnung. Warum habe ich aber unlängst einen

Bücherkatalog, der mir zugeschickt wurde, so verlegt, dass er unauffindbar

geblieben ist? Ich hatte doch die Absicht, ein Buch, das ich darin angezeigt fand,

»Über die Sprache«, zu bestellen, weil es von einem Autor herrührt, dessen

geistreich belebten Stil ich liebe, dessen Einsicht in der Psychologie und dessen

Kenntnisse in der Kulturhistorie ich zu schätzen weiss. Ich meine, gerade darum

habe ich den Katalog verlegt. Ich pflege nämlich Bücher dieses Autors zur

Aufklärung unter meinen Bekannten zu verleihen, und vor wenigen Tagen hat

mir jemand bei der Rückstellung gesagt: „Der Stil erinnert mich ganz an den

Ihrigen, und auch die Art zu denken ist dieselbe.“ Der Redner wusste nicht, an

was er mit dieser Bemerkung rührte. Vor Jahren, als ich noch jünger und

anschlussbedürftiger war, hat mir ungefähr das Nämliche ein älterer Kollege

gesagt, dem ich die Schriften eines bekannten medizinischen Autors angepriesen

hatte. „Ganz Ihr Stil und Ihre Art.“ So beeinflusst hatte ich diesem Autor einen

um näheren Verkehr werbenden Brief geschrieben, wurde aber durch eine kühle Antwort in meine Schranken zurückgewiesen. Vielleicht verbergen sich

ausserdem noch frühere abschreckende Erfahrungen hinter dieser letzten, denn

ich habe den verlegten Katalog nicht wiedergefunden und bin durch dieses

Vorzeichen wirklich abgehalten worden, das angezeigte Buch zu bestellen,

obwohl ein wirkliches Hindernis durch das Verschwinden des Kataloges nicht

geschaffen worden ist. Ich habe ja die Namen des Buches und des Autors im

Gedächtnis behalten.[14]

 

e. Im Sommer dieses Jahres erklärte ich einmal meinem Freunde Fl., mit dem ich

in regem Gedankenaustausch über wissenschaftliche Fragen stehe: Diese

neurotischen Probleme sind nur dann zu lösen, wenn wir uns ganz und voll auf

den Boden der Annahme einer ursprünglichen Bisexualität des Individuums

stellen. Ich erhielt zur Antwort: „Das habe ich Dir schon vor 2½ Jahren in Br.

gesagt, als wir jenen Abendspaziergang machten. Du wolltest damals nichts

davon hören.“ Es ist nun schmerzlich, so zum Aufgeben seiner Originalität

aufgefordert zu werden. Ich konnte mich an ein solches Gespräch und an diese

Eröffnung meines Freundes nicht erinnern. Einer von uns beiden musste sich da

täuschen; nach dem Prinzip der Frage c u i prodest? musste ich das sein. Ich

habe im Laufe der nächsten Wochen in der Tat alles so erinnert, wie mein Freund

es in mir erwecken wollte; ich weiss selbst, was ich damals zur Antwort gab:

Dabei halte ich noch nicht, ich will mich darauf nicht einlassen. Aber ich bin

seither um ein Stück toleranter geworden, wenn ich irgendwo in der

medizinischen Literatur auf eine der wenigen Ideen stosse, mit denen man

meinen Namen verknüpfen kann, und wenn ich dabei die Erwähnung meines

Namens vermisse.

 

Ausstellungen an seiner Ehefrau – Freundschaft, die ins Gegenteil umgeschlagen

hat – Irrtum in ärztlicher Diagnostik – Zurückweisung durch Gleichstrebende –

Entlehnung von Ideen; es ist wohl kaum zufällig, dass eine Anzahl von

Beispielen des Vergessens, die ohne Absicht gesammelt worden sind, zu ihrer

Auflösung des Eingehens auf so peinliche Themata bedürfen. Ich vermute

vielmehr, dass jeder Andere, der sein eigenes Vergessen einer Prüfung nach den

Motiven unterziehen will, eine ähnliche Musterkarte von Widerwärtigkeiten

aufzeichnen können wird. Die Neigung zum Vergessen des Unangenehmen

scheint mir ganz allgemein zu sein; die Fähigkeit dazu ist wohl bei

verschiedenen Personen verschieden gut ausgebildet. Manches A b l e u g n e n ,

das uns in der ärztlichen Tätigkeit begegnet, ist wahrscheinlich auf

Ve r g e s s e n zurückzuführen. Unsere Auffassung eines solchen Vergessens

beschränkt den Unterschied zwischen dem und jenem Benehmen allerdings auf rein psychologische Verhältnisse und gestattet uns, in beiden Reaktionsweisen

den Ausdruck desselben Motivs zu sehen. Von all den zahlreichen Beispielen der

Verleugnung unangenehmer Erinnerungen, die ich bei Angehörigen von

Kranken gesehen habe, ist mir eines als besonders seltsam im Gedächtnis

geblieben. Eine Mutter informierte mich über die Kinderjahre ihres

nervenkranken, in der Pubertät befindlichen Sohnes und erzählte dabei, dass er

wie seine Geschwister bis in späte Jahre an Bettnässen gelitten habe, was ja für

eine neurotische Krankengeschichte nicht bedeutungslos ist. Einige Wochen

später, als sie sich Auskunft über den Stand der Behandlung holen wollte, hatte

ich Anlass, sie auf die Zeichen konstitutioneller Krankheitsveranlagung bei dem

jungen Mann aufmerksam zu machen, und berief mich hierbei auf das

anamnestisch erhobene Bettnässen. Zu meinem Erstaunen bestritt sie die

Tatsache sowohl für dies als auch für die anderen Kinder, fragte mich, woher ich

das wissen könne, und hörte endlich von mir, dass sie selbst es mir vor kurzer

Zeit erzählt habe, was also von ihr vergessen worden war.[15]

 

Man findet also auch bei gesunden, nicht neurotischen Menschen reichlich

Anzeichen dafür, dass sich der Erinnerung an peinliche Eindrücke, der

Vorstellung peinlicher Gedanken, ein Widerstand entgegensetzt. Die volle

Bedeutung dieser Tatsache lässt sich aber erst ermessen, wenn man in die

Psychologie neurotischer Personen eingeht. Man ist genötigt, ein solches

e l e m e n t a r e s A b w e h r b e s t r e b e n gegen Vorstellungen, welche

Unlustempfindungen erwecken können, ein Bestreben, das sich nur dem

Fluchtreflex bei Schmerzreizen an die Seite stellen lässt, zu einem der

Hauptpfeiler des Mechanismus zu machen, welcher die hysterischen Symptome

trägt. Man möge gegen die Annahme einer solchen Abwehrtendenz nicht

einwenden, dass wir es im Gegenteil häufig genug unmöglich finden, peinliche

Erinnerungen, die uns verfolgen, los zu werden und peinliche Affektregungen

wie Reue, Gewissensvorwürfe zu verscheuchen. Es wird ja nicht behauptet, dass

diese Abwehrtendenz sich überall durchzusetzen vermag, dass sie nicht im Spiel

der psychischen Kräfte auf Faktoren stossen kann, welche zu anderen Zwecken

das Entgegengesetzte anstreben und ihr zum Trotz zustande bringen. A l s d a s

a r c h i t e k t o n i s c h e P r i n z i p d e s s e e l i s c h e n A p p a r a t e s

l ä s s t s i c h d i e S c h i c h t u n g , d e r A u f b a u a u s e i n a n d e r

ü b e r l a g e r n d e n I n s t a n z e n e r r a t e n, und es ist sehr wohl möglich,

dass dies Abwehrbestreben einer niedrigeren psychischen Instanz angehört, von

höheren Instanzen aber gehemmt wird. Es spricht jedenfalls für die Existenz und

Mächtigkeit dieser Tendenz zur Abwehr, wenn wir Vorgänge wie die in unseren

Beispielen von Vergessen auf sie zurückführen können. Wir sehen, dass manches um seiner selbst willen vergessen wird; wo dies nicht möglich ist, verschiebt die

Abwehrtendenz ihr Ziel und bringt wenigstens etwas anderes, minder

Bedeutsames, zum Vergessen, welches in assoziative Verknüpfung mit dem

eigentlich Anstössigen geraten ist.

 

Der hier entwickelte Gesichtspunkt, dass peinliche Erinnerungen mit besonderer

Leichtigkeit dem motivierten Vergessen verfallen, verdiente auf mehrere Gebiete

bezogen zu werden, in denen er heute noch keine oder eine zu geringe

Beachtung gefunden hat. So erscheint er mir noch immer nicht genügend scharf

betont bei der Würdigung von Zeugenaussagen vor Gericht,[16] wobei man

offenbar der unter Eidstellung des Zeugen einen allzu grossen purifizierenden

Einfluss auf dessen psychisches Kräftespiel zutraut. Dass man bei der

Entstehung der Traditionen und der Sagengeschichte eines Volkes einem solchen

Motiv, das dem Nationalgefühl Peinliche aus der Erinnerung auszumerzen,

Rechnung tragen muss, wird allgemein zugestanden. Vielleicht würde sich bei

genauerer Verfolgung eine vollständige Analogie herausstellen zwischen der Art,

wie Völkertraditionen und wie die Kindheitserinnerungen des einzelnen

Individuums gebildet werden.

 

Ganz ähnlich wie beim Namenvergessen kann auch beim Vergessen von

Eindrücken Fehlerinnern eintreten, das dort, wo es Glauben findet, als

Erinnerungstäuschung bezeichnet wird. Die Erinnerungstäuschung in

pathologischen Fällen – in der Paranoia spielt sie geradezu die Rolle eines

konstituierenden Momentes bei der Wahnbildung – hat eine ausgedehnte

Literatur wachgerufen, in welcher ich durchgängig den Hinweis auf eine

Motivierung derselben vermisse. Da auch dieses Thema der

Neurosenpsychologie angehört, entzieht es sich in unserm Zusammenhange der

Behandlung. Ich werde dafür ein sonderbares Beispiel einer eigenen

Erinnerungstäuschung mitteilen, bei dem die Motivierung durch unbewusstes

verdrängtes Material und die Art und Weise der Verknüpfung mit demselben

deutlich genug kenntlich werden.

 

Als ich die späteren Abschnitte meines Buches über Traumdeutung schrieb,

befand ich mich in einer Sommerfrische ohne Zugang zu Bibliotheken und

Nachschlagebüchern und war genötigt, mit Vorbehalt späterer Korrektur, allerlei

Beziehungen und Zitate aus dem Gedächtnis in das Manuskript einzutragen.

Beim Abschnitt über das Tagträumen fiel mir die ausgezeichnete Figur des

armen Buchhalters im » N a b a b « von A l p h . D a u d e t ein, mit welcher der

Dichter wahrscheinlich seine eigene Träumerei geschildert. Ich glaubte mich an

eine der Phantasien, die dieser Mann – Mr. Jocelyn nannte ich ihn – auf seinen Spaziergängen durch die Strassen von Paris ausbrütet, deutlich zu erinnern und