Zur Psychopathologie des Alltagslebens

Sigmund Freud · Kapitel 11 von 13

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Zur Psychopathologie des Alltagslebens

VIII. Symptom- und Zufallshandlungen.

VIII.

 

Symptom- und Zufallshandlungen.

 

Die bisher beschriebenen Handlungen, in denen wir die Ausführung einer

unbewussten Absicht erkannten, traten als Störungen anderer beabsichtigter

Handlungen auf und deckten sich mit dem Vorwand der Ungeschicklichkeit. Die

Zufallshandlungen, von denen jetzt die Rede sein soll, unterscheiden sich von

denen des Vergreifens nur dadurch, dass sie die Anlehnung an eine bewusste

Intention verschmähen und also des Vorwandes nicht bedürfen. Sie treten für

sich auf und werden zugelassen, weil man Zweck und Absicht bei ihnen nicht

vermutet. Man führt sie aus, „ohne sich etwas bei ihnen zu denken“, nur „rein

zufällig“, „wie um die Hände zu beschäftigen“, und man rechnet darauf, dass

solche Auskunft der Nachforschung nach der Bedeutung der Handlung ein Ende

bereiten wird. Um sich dieser Ausnahmsstellung erfreuen zu können, müssen

diese Handlungen, die nicht mehr die Entschuldigung der Ungeschicklichkeit in

Anspruch nehmen, bestimmte Bedingungen erfüllen; sie müssen

u n a u f f ä l l i g und ihre Effekte müssen geringfügig sein.

 

Ich habe eine grosse Anzahl solcher Zufallshandlungen bei mir und anderen

gesammelt, und meine nach gründlicher Untersuchung der einzelnen Beispiele,

dass sie eher den Namen von S y m p t o m h a n d l u n g e n verdienen. Sie

bringen etwas zum Ausdruck, was der Täter selbst nicht in ihnen vermutet, und

was er in der Regel nicht mitzuteilen, sondern für sich zu behalten beabsichtigt.

Sie spielen also ganz so wie alle anderen bisher betrachteten Phänomene die

Rolle von Symptomen.

 

Die reichste Ausbeute an solchen Zufalls- oder Symptomhandlungen erhält man

allerdings bei der psychoanalytischen Behandlung der Neurotiker. Ich kann es

mir nicht versagen, an zwei Beispielen dieser Herkunft zu zeigen, wie weit und

wie fein die Determinierung dieser unscheinbaren Vorkommnisse durch

unbewusste Gedanken getrieben ist. Die Grenze der Symptomhandlungen gegen

das Vergreifen ist so wenig scharf, dass ich diese Beispiele auch im vorigen

Abschnitt hätte unterbringen können.

a. Eine junge Frau erzählte als Einfall während der Sitzung, dass sie sich gestern

beim Nägelschneiden „ins Fleisch geschnitten, während sie das feine Häutchen

im Nagelbett abzutragen bemüht war“. Das ist so wenig interessant, dass man

sich verwundert fragt, wozu es überhaupt erinnert und erwähnt wird, und auf die

Vermutung gerät, man habe es mit einer Symptomhandlung zu tun. Es war auch

wirklich der Ringfinger, an dem das kleine Ungeschick vorfiel, der Finger, an

dem man den Ehering trägt. Es war überdies ihr Hochzeitstag, was der

Verletzung des feinen Häutchens einen ganz bestimmten, leicht zu erratenden

Sinn verleiht. Sie erzählt auch gleichzeitig einen Traum, der auf die

Ungeschicklichkeit ihres Mannes und auf ihre Anästhesie als Frau anspielt.

Warum war es aber der Ringfinger der linken Hand, an dem sie sich verletzte, da

man doch den Ehering an der rechten Hand trägt? Ihr Mann ist Jurist, »Doktor

der Rechte«, und ihre geheime Neigung hatte als Mädchen einem Arzt

(scherzhaft: »Doktor der Linke«) gehört. Eine Ehe zur linken Hand hat auch ihre

bestimmte Bedeutung.

 

b. Eine unverheiratete junge Dame erzählt: „Ich habe gestern ganz unabsichtlich

eine 100 Guldennote in zwei Stücke gerissen und die Hälfte davon einer mich

besuchenden Dame gegeben. Soll das auch eine Symptomhandlung sein?“ Die

genauere Erforschung deckt folgende Einzelheiten auf: Die Hundertguldennote:

Sie widmet einen Teil ihrer Zeit und ihres Vermögens wohltätigen Werken.

Gemeinsam mit einer anderen Dame sorgt sie für die Erziehung eines verwaisten

Kindes. Die 100 Gulden sind der ihr zugeschickte Beitrag jener Dame, den sie in

ein Couvert einschloss und vorläufig auf ihren Schreibtisch niederlegte.

 

Die Besucherin war eine angesehene Dame, der sie bei einer anderen

Wohltätigkeitsaktion beisteht. Diese Dame wollte eine Reihe von Namen von

Personen notieren, an die man sich um Unterstützung wenden könnte. Es fehlte

an Papier, da griff meine Patientin nach dem Couvert auf ihrem Schreibtisch und

riss es, ohne sich an seinen Inhalt zu besinnen, in zwei Stücke, von denen sie

eines selbst behielt, um ein Duplikat der Namensliste zu haben, das andere ihrer

Besucherin übergab. Man bemerke die Harmlosigkeit dieses unzweckmässigen

Vorgehens. Eine Hundertguldennote erleidet bekanntlich keine Einbusse an

ihrem Werte, wenn sie zerrissen wird, falls sie sich aus den Rissstücken

vollständig zusammensetzen lässt. Dass die Dame das Stück Papier nicht

wegwerfen würde, war durch die Wichtigkeit der darauf stehenden Namen

verbürgt, und ebensowenig litt es einen Zweifel, dass sie den wertvollen Inhalt

zurückstellen würde, sobald sie ihn bemerkt.

 

Welchem unbewussten Gedanken sollte aber diese Zufallshandlung, die sich durch ein Vergessen ermöglichte, Ausdruck geben? Die besuchende Dame hatte

eine ganz bestimmte Beziehung zu unserer Kur. Es war dieselbe, die mich

seinerzeit dem leidenden Mädchen als Arzt empfohlen, und wenn ich nicht irre,

hält sich meine Patientin zum Dank für diesen Rat verpflichtet. Soll die halbierte

Hundertguldennote etwa ein Honorar für diese Vermittlung darstellen? Das

bliebe noch recht befremdlich.

 

Es kommt aber anderes Material hinzu. Einige Tage vorher hatte eine

Vermittlerin ganz anderer Art bei einer Verwandten angefragt, ob das gnädige

Fräulein wohl die Bekanntschaft eines gewissen Herrn machen wolle, und am

Morgen, einige Stunden vor dem Besuche der Dame, war der Werbebrief des

Freiers eingetroffen, der viel Anlass zur Heiterkeit gegeben hatte. Als nun die

Dame das Gespräch mit einer Erkundigung nach dem Befinden meiner Patientin

eröffnete, konnte sie wohl gedacht haben: „Den richtigen Arzt hast Du mir zwar

empfohlen, wenn Du mir aber zum richtigen Mann (und dahinter: zu einem

Kind) verhelfen könntest, wäre ich Dir doch dankbarer.“ Von diesem verdrängt

gehaltenen Gedanken aus flossen ihr die beiden Vermittlerinnen in eins

zusammen, und sie überreichte der Besucherin das Honorar, das ihre Phantasie

der anderen zu geben bereit war. Völlig verbindlich wird diese Lösung, wenn ich

hinzufüge, dass ich ihr erst am Abend vorher von solchen Zufalls- oder

Symptomhandlungen erzählt hatte. Sie bediente sich dann der nächsten

Gelegenheit, um etwas Analoges zu produzieren.

 

Eine Gruppierung der so überaus häufigen Zufalls- und Symptomhandlungen

könnte man vornehmen, je nachdem sie gewohnheitsmässig, regelmässig unter

gewissen Umständen, oder vereinzelt erfolgen. Die ersteren (wie das Spielen mit

der Uhrkette, das Zwirbeln am Bart etc.), die fast zur Charakteristik der

betreffenden Personen dienen können, streifen an die mannigfaltigen

Tikbewegungen und verdienen wohl im Zusammenhange mit letzteren behandelt

zu werden. Zur zweiten Gruppe rechne ich das Spielen, wenn man einen Stock,

das Kritzeln, wenn man einen Bleistift in der Hand hält, das Klimpern mit

Münzen in der Tasche, das Kneten von Teig und anderen plastischen Stoffen,

allerlei Hantierungen an seiner Gewandung u. dgl. mehr. Unter diesen

spielenden Beschäftigungen verbergen sich während der psychischen

Behandlung regelmässig Sinn und Bedeutung, denen ein anderer Ausdruck

versagt ist. Gewöhnlich weiss die betreffende Person nichts davon, dass sie

dergleichen tut, oder dass sie gewisse Modifikationen an ihrem gewöhnlichen

Tändeln vorgenommen hat, und sie übersieht und überhört auch die Effekte

dieser Handlungen. Sie hört z. B. das Geräusch nicht, das sie beim Klimpern mit Geldstücken hervorbringt, und benimmt sich wie erstaunt und ungläubig, wenn

man sie darauf aufmerksam macht. Ebenso ist alles, was man, oft ohne es zu

merken, mit seinen Kleidern vornimmt, bedeutungsvoll und der Beachtung des

Arztes wert. Jede Veränderung des gewohnten Aufzuges, jede kleine

Nachlässigkeit, wie etwa ein nicht schliessender Knopf, jede Spur von

Entblössung will etwas besagen, was der Eigentümer der Kleidung nicht direkt

sagen will, meist gar nicht zu sagen weiss. Die Deutungen dieser kleinen

Zufallshandlungen, sowie die Beweise für diese Deutungen ergeben sich

jedesmal mit zureichender Sicherheit aus den Begleitumständen während der

Sitzung, aus dem eben behandelten Thema und aus den Einfällen, die sich

einstellen, wenn man die Aufmerksamkeit auf die anscheinende Zufälligkeit

lenkt. Wegen dieses Zusammenhanges unterlasse ich es, meine Behauptungen

durch Mitteilung von Beispielen mit Analyse zu unterstützen; ich erwähne diese

Dinge aber, weil ich glaube, dass sie bei normalen Menschen dieselbe

Bedeutung haben wie bei meinen Patienten.

 

Ich kann etwa aus meiner psychotherapeutischen Erfahrung einen Fall erzählen,

in dem die mit einem Klumpen Brotkrume spielende Hand eine beredte Aussage

ablegte. Mein Patient war ein noch nicht 13j., seit fast zwei Jahren schwer

hysterischer Knabe, den ich endlich in psychoanalytische Behandlung nahm,

nachdem ein längerer Aufenthalt in einer Wasserheilanstalt sich erfolglos

erwiesen hatte. Er musste nach meiner Voraussetzung sexuelle Erfahrungen

gemacht haben und seiner Altersstufe entsprechend von sexuellen Fragen

gequält sein; ich hütete mich aber, ihm mit Aufklärungen zur Hilfe zu kommen,

weil ich wieder einmal eine Probe auf meine Voraussetzungen anstellen wollte.

Ich durfte also neugierig sein, auf welchem Wege sich das Gesuchte bei ihm

andeuten würde. Da fiel es mir auf, dass er eines Tages irgend etwas zwischen

den Fingern der rechten Hand rollte, damit in die Tasche fuhr, dort weiter spielte,

es wieder hervorzog etc. Ich fragte nicht, was er in der Hand habe; er zeigte es

mir aber, indem er plötzlich die Hand öffnete. Es war Brotkrume, die zu einem

Klumpen zusammengeknetet war. In der nächsten Sitzung brachte er wieder

einen solchen Klumpen mit, formte aber aus ihm, während wir das Gespräch

führten, mit unglaublicher Raschheit und bei geschlossenen Augen Figuren, die

mein Interesse erregten. Es waren unzweifelhaft Männchen mit Kopf, zwei

Armen, zwei Beinen, wie die rohesten prähistorischen Idole, und einem Fortsatz

zwischen beiden Beinen, den er in eine lange Spitze auszog. Kaum dass dieser

gefertigt war, knetete er das Männchen wieder zusammen; später liess er es

bestehen, zog aber einen ebensolchen Fortsatz an der Rückenfläche und an

anderen Stellen aus, um die Bedeutung des ersten zu verhüllen. Ich wollte ihm zeigen, dass ich ihn verstanden habe, ihm aber dabei die Ausflucht benehmen,

dass er sich bei dieser Menschen formenden Tätigkeit nichts gedacht habe. In

dieser Absicht fragte ich ihn plötzlich, ob er sich an die Geschichte jenes

römischen Königs erinnere, der dem Abgesandten seines Sohnes eine

pantomimische Antwort im Garten gegeben. Der Knabe wollte sich nicht an das

erinnern, was er doch vor so viel kürzerer Zeit als ich gelernt haben musste. Er

fragte, ob das die Geschichte von dem Sklaven sei, auf dessen glattrasierten

Schädel man die Antwort geschrieben habe. Nein, das gehört in die griechische

Geschichte, sagte ich und erzählte: Der König Tarquinius Priscus hatte seinen

Sohn Sextus veranlasst, sich in eine feindliche latinische Stadt einzuschleichen.

Der Sohn, der sich unterdes Anhang in dieser Stadt verschafft hatte, schickte

einen Boten an den König mit der Frage, was nun weiter geschehen solle. Der

König gab keine Antwort, sondern ging in seinen Garten, liess sich dort die

Frage wiederholen und schlug schweigend die grössten und schönsten

Mohnköpfe ab. Dem Boten blieb nichts übrig als dieses dem Sextus zu

berichten, der den Vater verstand und es sich angelegen sein liess, die

angesehensten Bürger der Stadt durch Mord zu beseitigen.

 

Während ich redete, hielt der Knabe in seinem Kneten inne, und als ich mich

anschickte zu erzählen, was der König in seinem Garten tat, schon bei den

Worten »schlug schweigend«, hatte er mit einer blitzschnellen Bewegung seinem

Männchen den Kopf abgerissen. Er hatte mich also verstanden und gemerkt,

dass er von mir verstanden worden war. Ich konnte ihn nun direkt befragen, gab

ihm die Auskünfte, um die es ihm zu tun war, und wir hatten binnen kurzem der

Neurose ein Ende gemacht.

 

Von den vereinzelten Zufallshandlungen will ich ein Beispiel mitteilen, welches

auch ohne Analyse eine tiefere Deutung zuliess, das die Bedingungen trefflich

erläutert, unter denen solche Symptome vollkommen unauffällig produziert

werden können, und an das sich eine praktisch bedeutsame Bemerkung

anknüpfen lässt. Auf einer Sommerreise traf es sich, dass ich einige Tage an

einem gewissen Orte auf die Ankunft meines Reisegefährten zu warten hatte. Ich

machte unterdes die Bekanntschaft eines jungen Mannes, der sich gleichfalls

einsam zu fühlen schien und sich bereitwillig mir anschloss. Da wir in

demselben Hôtel wohnten, fügte es sich leicht, dass wir alle Mahlzeiten

gemeinsam einnahmen und Spaziergänge miteinander machten. Am Nachmittag

des dritten Tages teilte er mir plötzlich mit, dass er heute abends seine mit dem

Eilzuge anlangende Frau erwarte. Mein psychologisches Interesse wurde nun

rege, denn es war mir an meinem Gesellschafter bereits am Vormittag aufgefallen, dass er meinen Vorschlag zu einer grösseren Partie zurückgewiesen

und auf unserem kleinen Spaziergang einen gewissen Weg als zu steil und

gefährlich nicht hatte begehen wollen. Auf dem Nachmittagsspaziergang

behauptete er plötzlich, ich müsste doch hungrig sein, ich sollte doch ja nicht

seinetwegen die Abendmahlzeit aufschieben, er werde erst nach der Ankunft

seiner Frau mit ihr zu Abend essen. Ich verstand den Wink und setzte mich an

den Tisch, während er auf den Bahnhof ging. Am nächsten Morgen trafen wir

uns in der Vorhalle des Hôtels. Er stellte mir seine Frau vor und fügte hinzu: Sie

werden doch mit uns das Frühstück nehmen? Ich hatte noch eine kleine

Besorgung in der nächsten Strasse vor und versicherte, ich würde bald

nachkommen. Als ich dann in den Frühstückssaal trat, sah ich, dass das Paar an

einem kleinen Fenstertisch Platz genommen hatte, auf dessen einer Seite sie

beide sassen. Auf der Gegenseite befand sich nur ein Sessel, aber über dessen

Lehne hing der grosse und schwere Lodenmantel des Mannes herab, den Platz

verdeckend. Ich verstand sehr wohl den Sinn dieser gewiss nicht absichtlichen,

aber darum um so ausdrucksvolleren Lagerung. Es hiess: für Dich ist hier kein

Platz, Du bist jetzt überflüssig. Der Mann bemerkte es nicht, dass ich vor dem

Tische stehen blieb, ohne mich zu setzen, wohl aber die Dame, die ihren Mann

sofort anstiess und ihm zuflüsterte: Du hast ja dem Herrn den Platz verlegt.

 

Bei diesem wie bei anderen ähnlichen Erlebnissen habe ich mir gesagt, dass die

unabsichtlich ausgeführten Handlungen unvermeidlich zur Quelle von

Missverständnissen im menschlichen Verkehr werden müssen. Der Täter, der

von einer mit ihnen verknüpften Absicht nichts weiss, rechnet sich dieselben

nicht an und hält sich nicht verantwortlich für sie. Der andere hingegen erkennt,

indem er regelmässig auch solche Handlungen seines Partners zu Schlüssen über

dessen Absichten und Gesinnungen verwertet, mehr von den psychischen

Vorgängen des Fremden, als dieser selbst zuzugeben bereit ist und mitgeteilt zu

haben glaubt. Letzterer aber entrüstet sich, wenn ihm diese aus seinen

Symptomhandlungen gezogenen Schlüsse vorgehalten werden, erklärt sie für

grundlos, da ihm das Bewusstsein für die Absicht bei der Ausführung fehlt, und

klagt über Missverständnis von Seiten des anderen. Genau besehen beruht ein

solches Missverständnis auf einem Zufein- und Zuvielverstehen. Je »nervöser«

zwei Menschen sind, desto eher werden sie einander Anlass zu Entzweiungen

bieten, deren Begründung jeder für seine eigene Person ebenso bestimmt

leugnet, wie er sie für die Person des anderen als gesichert annimmt. Und dies ist

wohl die Strafe für die innere Unaufrichtigkeit, dass die Menschen unter den

Vorwänden des Vergessens, Vergreifens und der Unabsichtlichkeit Regungen den

Ausdruck gestatten, die sie besser sich und anderen eingestehen würden, wenn sie sie schon nicht beherrschen können. Man kann in der Tat ganz allgemein

behaupten, dass jedermann fortwährend psychische Analyse an seinen

Nebenmenschen betreibt und diese infolgedessen besser kennen lernt als jeder

einzelne sich selbst. Der Weg zur Befolgung der Mahnung γνῶθι σεαυτὸν führt

durch das Studium seiner eigenen scheinbar zufälligen Handlungen und

Unterlassungen.