Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band
Kapitel IV
Die Rückkehr meiner Frau von Wien ist noch nicht bestimmt, sie hat eben jetzt die Fahrt nach Ungarn zu ihrem Bruder gethan, und scheint sich, wie es ja nicht anders seyn kann, wenn man ein Gast des wirthlichen Praters und der Donaunixe ist, sehr wohl zu gefallen. Mit mir geht es Gott Lob! recht erwünscht und gut, und ich hoffe sonach diesen Herbst und Winter als rüstiger Ritter zu bestehn und damit meines gütigen antheilsvollen Freundes Beifall zu erwerben. Unser lieber Malsburg wird, denke ich, in diesen Tagen bei Ihnen seyn; ich habe ihm einen Gruß nach Eisenach entgegengesandt; fragen Sie ihn doch, ob er denselben bei unserer gemeinschaftlichen Freundin, Julie von Bechtolsheim, erhalten? Graf Kalkreuth wird wohl längst seine Reise nach Wien angetreten haben; möge auch er uns recht wohl heimkehren! Wilh. Müller (i. e. der Dessauer Elb-Müller) schreibt mir im lezten Briefe: „Wie sehr mich diesmal Dresden gefeßelt hat, werden Sie Sich leicht einbilden können, wenn Sie wißen, daß ich Tieck fast täglich gesehen und genoßen habe, da er überaus mittheilend und theilnehmend sich gegen mich erwies“ —! und dies freut mich! Wird uns wohl auch Schütz gewiß zum Winter wiederkehren? ich freue mich darauf, so wie, seine Evadne und Guiscardo und Gismunda gedruckt zu sehn. Gedruckt angesehn — in der Ascania — scheint mir sein Karl der Kühne noch ungenießbarer, als an jenem Abende bei Ihnen. Gern, wie gern möchte ich mich recht bald in dem mir so lieben, geistesheimathlichen Kreise befinden! Mehrere Umstände vereinen sich aber, mir vermuthlich eine etwas längere Dauer meines hiesigen Aufenthalts aufzulegen, und da er mit der Nähe einer innig geliebten und verehrungswerthen Mutter verknüpft ist, so ist des Herzens Meinen und Verlangen getheilt. Die Liebe ist von oben, denn sie möchte zugleich umfaßen, — darum ist die selige Schmerzlichkeit ihr Kind. Der theuern Gräfin, allen den lieben Ihrigen meine besten, meine herzlichsten Grüße. Ihnen die treusten Wünsche für Ihre Gesundheit! Behalten Sie lieb
Ihren O. H. G. Loeben.
Von Helmina habe ich kürzlich recht liebe und werthe Gedichte erhalten.
IV.