Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Karl von Holtei · Kapitel 128 von 142

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Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Mendelssohn-Bartholdy, Felix.

 

Geb. am 3. Februar 1809 zu Hamburg, gestorben zu Leipzig am 4. November 1847. Von einem Manne, der sich mit unvergänglichen Ton-Dichtungen die Seelen der

Weisesten, Edelsten und Besten seiner Zeitgenossen zu eigen gemacht; der jetzt im brieflichen Nachlaß auch durch inhaltschweres Wort Geister und Herzen neu für sich erweckte; von einem solchen Manne ist jedes Zettelchen, worauf seine Handschrift ruht, ein glücklicher Fund. Die nachstehenden drei Zuschriften scheinen auf den ersten Anblick nur geschäftliche zu sein. Für seine treuen Anhänger möchten sie mehr bedeuten, und namentlich die erste derselben kann als schöner Belag gelten, wie ernst und tief er seine Kunst betrachtete; wie heilig ihm gewesen, was vielen anderen Komponisten nur Mittel zu Nebenzwecken ist.

 

I.

 

Berlin, 15. October 1842.

Euer Hochwohlgeboren

 

übersende hierbei mit bestem Danke die Übersetzung der Medea des Euripides, welche ich, Ihrem Wunsche gemäß, in der Idee einer künftigen Aufführung und namentlich einer musikalischen Behandlung der Chöre durchgelesen und wohl bedacht habe. Zu meinem Bedauern bin ich aber von Neuem zu dem Resultat gekommen, welches ich Ihnen schon mündlich anzudeuten die Ehre hatte; die Schwierigkeiten einer Darstellung dieses Stückes scheinen mir so groß, namentlich in Hinsicht der Chöre, daß ich mir die genügende Lösung dieser Aufgabe nicht zutraue, und die Composition daher nicht übernehmen kann.

Erlauben Sie mir zugleich die Versicherung, daß es mir hier wie überall die größte Freude machen würde, wenn ich mit meiner Musik zur Ausführung Ihrer Pläne nach Kräften mit beitragen könnte, und daß ich mir herzlich eine Gelegenheit wünsche, Ihnen dies durch die That, nicht blos durch Worte darzuthun.

Mit vollkommner Hochachtung