Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Karl von Holtei · Kapitel 79 von 142

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Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Krickeberg, Friederike, geb. Koch.

 

Tochter des Schauspieldirektor Koch, unter dessen Leitung sie bei einer reisenden

Truppe vergangener Zeiten, im guten Sinne geführt, zur beliebten Schauspielerin emporwuchs, und sich auch in Berlin Geltung erwarb. Eine Zeitlang hatte sie dann, mit ihrem Gatten, Hrn. Krickeberg, im Verein, die Direktion des Schweriner Theaters. Während Graf Brühl’s Intendanz ward sie Mitglied der Königl. Schauspiele, und behauptete, obgleich im Ganzen wenig beschäftigt, bis zum Tode den Rang einer durch Geist und sanfte Sitten bevorzugten und im geselligen Umgange hochgeschätzten Schauspielerin. Sie hat sich auch mit Erfolg in verschiedenen Umarbeitungen (nicht Übersetzungen) französischer Stücke versucht. Aber von Allem was sie geschrieben möchte wohl nichts zu vergleichen seyn, mit dem zweiten dieser Briefe; und keine Rolle, in welcher sie auf mehr denn sechszigjähriger Theaterlaufbahn Beifall erworben, kann der Rolle gleich kommen, die sie hier bekleidet. Wir haben sehr beklagt, daß alle ihren andern Zuschriften an T. abhanden gekommen sind, und schieben, als Ersatz für das Verlorengegangene einen Tieck’schen Brief dazwischen; einen der wenigen, die sich für solchen Zweck ins Reine geschrieben, und von seiner Hand korrigirt, vorfinden.

 

I.

 

Berlin, d. 6ten August 1823.

Es würde eitler seyn, als erlaubt ist, wenn ich mir schmeicheln wollte, der Name am Ende des Blattes hätte jemals so viel Interreße für Sie gehabt, um Ihrer Erinnerung einmal wieder vorzuschweben, und Vermeßenheit darauf einen Empfehlungsbrief zu bauen. Mein Name indeß gehört zu Ihrer Jugend und wer möchte sich deßen erinnern wollen, wenn Sie der Morgenröthe nicht gern gedächten, die solch einem Tage voranging? Die Liebe einer Mutter zu dem Sohne ließ mich die Furcht überwinden, daß Sie Blatt und Überbringer unwillig bey Seite werfen möchten, und so steht denn, wenn Sie diese Zeilen lesen, ein junger Mensch vor Ihnen, dem das Glück Sie von Angesicht zu sehen, wie der Stern geleuchtet hat, der einst die Hirten führte.

Er hatte sich zum Juristen bestimmt und zwey Jahre studirt; aber der poetische Anklang in seiner Seele, ließ dem Kopfe keinen Raum für die trockene Wißenschaft, und er hat eine Künstlerlaufbahn eingeschlagen, auf der ich ihn nicht ganz ohne Sorgen wandeln sehe.

Er kömmt nach Dresden, um sich von den Italienern ein Urtheil über seine Stimme zu holen, so will es seine Lehrerin, Mad. Fischer. Mit Freuden habe ich diese Reise veranstaltet, sie wird ihm in jedem Falle von großem Nutzen seyn. Erlauben Sie ihm, Sie zuweilen zu sehen; schicken Sie ihn fort, wenn er Sie stört, aber vergönnen Sie ihm das Glück, wornach er strebt. Er wird Ihnen sagen, mit welcher Freude wir Ihre belehrenden Kritiken studirt haben; wie uns die Kunst neu belebt erscheint, wenn solche Männer uns mit ihrem Urtheil zur Wahrheit führen. Mein Wirkungskreis ist beschränkt, nicht dankbar, aber ich wollte ums Brod stricken, wenn der warme Eifer für die gute Sache in mir erkalten könnte. Ich höre auf, um Sie nicht zu ermüden. Grüße von unserm Freunde L. Robert bringt Ihnen Karl, und ich lasse mir es nicht nehmen, die freundlichsten von seiner schönen Frau zu schreiben.