Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band
Kapitel II
Ich eile Ihnen, zu melden mein edler Freund, daß ich im Auftrag des Königs, (ich muß hinzusezen der Königinn, die vor Ihrer Abreise am 15. Juli noch gern Sich Ihrer Nähe zu erfreuen wünscht), 2 Conferenzen mit dem Schloßbaumeister H. gehabt, auch vor wenigen Stunden alle Zimmer Ihrer Wohnung unter Leitung der weinerlichen, allen Maurern und Staubmenschen feindlichen Hausfrau inspicirt habe. Es ist schlechterdings nichts im Inneren berührt worden, bloß in ihrem Schlafgemach ist die Wand übermalt: ich rathe daher vielleicht: in der ähnlichen Kammer rechts wo Schränke standen zu schlafen. Der Schloßbaumeister H. wünscht, daß Sie in 10, die Frau Kastellanin (item Hausfrau), daß Sie in 14 Tagen von heute an kommen. Die Meubles werden alle bis dahin hereingebracht, Graf Keller, der einen herzlichen Antheil an Ihrer Rückkehr nimmt, hat in meiner Gegenwart die nöthigen Befehle an den Hofstaatssecretär wegen der Meubles gegeben. Die Gerüste werden Sie abgerissen finden. Die Communication mit dem heidnischen Tempelsitze wird erst im Spätherbst hergestellt. Das Parquettiren der scheußlichen Fußböden scheint mir nothwendiger als die Dorischen canellirten Säulen, die man dem Hause gegeben. Povera e nuda va la Filosofia sagen wir beide, aber auch
Mit alter Verehrung
Ihr
A. v. Humboldt.
Die Königin von Sachsen kommt mit Carus in den lezten Tagen des Monats. Der Gemal holt sie ab, die Baiern werden auch wohl sich entfernen, nicht so die holländischen Medusenhäupter.
II.
Potsdam, den 25. Juni 1846.
Der König und besonders auch die Königin sehen nach Ihren Fenstern und betrüben sich. Beide möchten dem Sächsischen Hofe (Könige reisen vermummt, fast eisig verpuppt..) zeigen, daß wir stolz sind, Sie zu besizen. Geben Sie, theurer Freund, der Bitte aber nur nach, wenn Sie gewiß sind, daß die Reise Ihnen nicht schade.
Mit alter Verehrung
Ihr