Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Karl von Holtei · Kapitel 18 von 142

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Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Kapitel XII

Mit alter Verehrung und Anhänglichkeit

Ihr

A. v. Humboldt.

 

XII.

 

Potsdam, Donnerstag 9ten.

Da ich von Paretz nach Berlin muß zu einer Hochzeit bei dem Geh. Leg. R. Borck, so benuze ich die wenigen Augenblicke der Durchreise, um Ihnen zu sagen, theurer Freund, wie dankbar der König für „Ihren schönen herzlichen Brief“ ist. Er trägt mir auf, es Ihnen zu sagen, auch hat er mir gedankt, daß ich Sie abgehalten zu erscheinen da „Ihre Gesundheit ihm und der Königin über alles theuer sei.“ Wir waren im langweiligen Paretz 130 Personen zu Mittag, mit den Leuten an 300 Personen!

Ihr

A. H.

Der König kommt heute Morgen und geht Sonnabend auf 1 Tag nach Berlin.

 

XIII.

 

Sonnabend.

Ob Sie mich werden lesen können?

Ich will Ihnen Reue einflößen, mein theurer, edler Freund: ich will die geistreiche Gräfin zu Hülfe rufen, damit Sie mich beschüze. Während Dr. Ruthenberg, den die Polizei verfolgt, in der polytechnischen Gesellschaft meinen Kosmos, als eine „Naturbibel und als ein inspirirtes Erbauungsbuch“ vorliest, versagen Sie mir die Hülfe, um die ich flehe. Ich flehte um Bezeichnung durch einen symbolischen Seidenfaden, ohne allen schriftlichen Commentar (Schriftsteller schreiben bekanntlich ungern) von zwei Stellen des Calderon und eines gewissen Shakespeare, den Sie vielleicht auf dem Tische haben, in denen sich Naturgefühl und ein Hang zu Naturbeschreibung finden. Im Calderon soll dergleichen wunderschön, en boca de Segismundo, en la Vida es sueño stehen: „Los peces y las aves que gozan de la libertad son come rayos de un astro oscurecido etc.“ Das alles weiß man in der Oranienburger Straße, aber mein Flehen wiederholend, will ich kommen, Ihnen dehmütigst zu danken, wenn