Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Karl von Holtei · Kapitel 118 von 142

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Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Kapitel VI

Jean Paul schlug das Diner wegen Müllner aus; der Pudel war mit im Spiel, denn J. P. sagte: er fürchte, Mllnr möge ihm Terpentin ins Ohr gießen.

Heut oder morgen wird meine Recension von Bärmanns casa con dos puertas fertig. Ich möchte Sie gern wegen mancher Stellen zu Rathe ziehen, könnten Sie mir einmal ein halb Stündchen dazu bestimmen? Diesen Abend sehe ich Sie vielleicht ein Augenblickchen, da bereden wir das.

Sind Ihre Reisenden fertig? soll ich denn darauf warten, bis sie gedruckt sind? Lesen Sie sie nicht vorher einmal? — Ich bin ja selbst Reisender.

Den Cain und den spanischen Ortiz geben Sie wohl dem Pagen mit; Jener ist mir abverlangt worden. Allerschönsten guten Morgen.

Ihr

treuer

E. Malsburg.

Zum Lohn, daß mich die Damen nicht überrascht haben, schicke ich ihnen hierbey etwas Zuckerwerk.

 

VI.

 

3ten Pfingstfesttag 1822.

Mein lieber herrlicher Freund.

Ihre ausserordentlich prächtige und einzige Geschichte hatte mich so munter gemacht, daß ich noch bis 2 Uhr gearbeitet habe und doch schon nach 6 aufgestanden bin. Ich habe Ihnen auch noch einen Dank zu sagen; vor nichts habe ich mich sonst mehr gefürchtet als davor, toll zu werden, nun Sie mich aber gelehrt haben, wie weise die Narrheit ist und welch ein Glück darin liegt, bin ich ganz darüber getröstet, weil ich eben nicht groß sehe, was ich verliehren würde. Sie schließen da eine neue Welt auf, und bringen Sie bey Allen, Narren und Klugen, eine gleiche Wirkung hervor, so werden Sie ein Wohlthäter des Menschengeschlechts. Schreiben Sie, schreiben Sie, daß es fertig wird.