Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Karl von Holtei · Kapitel 72 von 142

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Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band

Körner, Christ. Gottfr.

 

Geb. zu Leipzig 1756, gest. zu Berlin am 13ten Mai 1831. — Der würdige Mann steht

uns nahe; denn seine hohen Eigenschaften sind uns vollkommen bekannt worden durch den „Briefwechsel mit Schiller,“ 4 Bde. (1847).

Mögen diese drei Blätter, an Tieck gerichtet, sich auch in den Kranz verschlingen, der

ein Haupt ziert, welches uns an und für sich schon theuer seyn müßte, wäre der von der größten deutschen Dichter inniger Freundschaft und Achtung Ausgezeichnete nicht zugleich Theodor Körners Vater.

Befremdend scheint es, daß in dem zweiten Schreiben (von 1814) Theodor’s mit

keiner Sylbe gedacht ist.

 

I.

 

Dresden, am 9. Oct. 1807.

Über das Aussenbleiben des Manuscripts habe ich von Zeit zu Zeit den Bibliothekar Daßdorf beruhigt, weil ich die Ursache vermuthen konnte, warum Sie es nicht abschickten. Ihr Herr Schwager kam erst vor Kurzem und Daßdorf hat keinen Groll auf Sie. Die Abschrift des Rosengartens hat er aber entweder vergessen, oder er hat hier niemand, den er zum Abschreiben eines solchen Manuscripts gebrauchen könnte. Aber er bot sich an, Ihnen das Original zu schicken, wenn Sie in einer Zeit von etwa Vier Wochen es zurückschicken könnten. Sie möchten ihn daher nur wissen lassen, wenn Sie gerade sich mit diesem Werke beschäftigen wollten. Ich erwarte hierüber Ihre Erklärung.

Das Manuscript wollte ich gern bald an die Behörde abliefern und hatte nur Zeit, die Bilder anzusehn. Als eine piquante Situation gefiel mir besonders, wie ein Riese den Kopf eines Mädchens im Rachen hat, während er mit einem Ritter — vermuthlich ihrem Liebhaber ficht. Wird er besiegt, so braucht er nur zuzubeißen.

Ihr Herr Schwager sagte mir, daß er nicht über Ziebingen zurückgehen würde; ich konnte ihm also das verlangte Buch nicht mitgeben. Es fragt sich, ob ich es Ihnen auf der Post zuschicken soll. Eigentlich hätte ich keine Lust dazu, damit Sie einen Antrieb mehr hätten, bald hieher zu kommen, wozu Sie uns Hoffnung machten.