Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band
Kapitel IV
In der That, wenn Sie auch dem Gelübde nicht abtrünnig werden können noch wollen, Niemandem eine Zeile zu antworten, so könnten Sie mich doch durch dritte Hand wissen laßen, bis wann Hoffnung ist, daß der zweite Theil erscheinen werde? — In den Almanachen, die mir bisher unter die Hände kamen, suchte ich vergebens nach einer Novelle von Ihnen, weiß auch kein Wort, was wir sonst hoffen dürfen? und wie es mit der Herausgabe Ihrer sämmtlichen Werke stehe?
Das Theater macht Ihnen wohl noch hübsch viel Galle? — Das ist nun einmal nicht anders. — Die Wiener und Berliner Direktionen wetteifern darin mit einander, das Problem zu lösen, wie man mit einem Verein der ausgezeichnetsten Kräfte so wenig als möglich leisten könne? — Die Censur gibt den Herren freilich leider manche Entschuldigung an die Hand, allein nichts destoweniger könnten sie weit mehr thun, als sie wirklich leisten. — Anschütz bezeigte Ihnen seine tiefe Verehrung. Das ist doch noch ein Mensch, mit dem es eine Freude ist, von Ihnen und von Ihren Werken zu sprechen und der eben so die Alten, wie den Shakespeare in der Ursprache zu lesen vermag. —
Genehmigen Sie mit gewohnter Güte den erneuerten Ausdruck der wärmsten Theilnahme des Salmischen Hauses und meiner unwandelbaren Bewunderung und Anhänglichkeit.
Ganz der Ihrige
Hormayr .
Meine Addresse ist: Nr. 707 am alten Fleischmarkt, dieselbe Wohnung, wo wir so glücklich waren, Sie zu sehen.
IV.