Briefe an Ludwig Tieck, Zweiter Band
Kapitel VI
Wenn Ihnen der Himmel nicht vergönnen sollte, die ganze und völlige Gesundheit wiederzuerlangen, so wollen wir ihn wenigstens bitten, Sie bey der bisherigen Dauerbarkeit, Fülle des Organs und herrlichen Jugend und Klarheit des Geistes zu erhalten, die Ihren Krankheitszustand fast beneidenswürdig macht. Ich wünsche sehr, einmal wieder in Ihr helles und tiefes Auge blicken zu können. Hoffentlich sehn wir Sie einmal wieder in Baden. Vielleicht unternehme ich endlich nach zwanzig Jahren wieder einmal eine Reise nach Norddeutschland und besuche Sie.
Uhland, Reinbeck, Hartmann, Schott, meine Frau, alle Ihre hiesigen Freunde empfehlen sich Ihnen aufs angelegentlichste. Uhland ist eben hier beym Landtag. Schwab aber ist schon seit einem Jahre aufs Land gezogen und lebt als Pfarrer gar idyllisch. Mit den herzlichsten Wünschen für Ihr Wohl und mit der Bitte, mich den Ihrigen ehrerbietigst empfehlen zu wollen
Ihr
treu ergebner
Menzel .
VI.
Stuttg., 27. Dez. 1839.
Verehrtester Herr und Freund!
Wir hoffen auf die in der Anlage bezeichnete Art und Weise seltene Sachen zum Druck zu befördern, für welche sich schwerlich ein Verleger finden würde. Wir wünschen besonders die höhere Aristokratie dafür zu interessiren. An Sie, als den Freund und tiefen Kenner altdeutscher und altromanischer Poesie geht nun die Bitte, uns mit Rath und That zu unterstützen und uns auf Manches aufmerksam zu machen, was des Abdrucks würdig wäre. Auch schmeicheln wir uns, Sie werden, wenn Ihnen unser Unternehmen gefällt, die höhern Kreise, in denen Sie walten, dafür interessiren.
Wir haben unter Anderm im Sinn, einige altspanische Romane abdrucken zu lassen. Was halten Sie davon?
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit und den herzlichsten Empfehlungen an die Theuern, die Ihnen angehören
Ihr
ergebenster
Menzel.