
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß erschien 1906 im Wiener Verlag und beginnt an einer kleinen Bahnstation im Osten des Reiches, wo Frau Hofrat Törleß unter Tränen von ihrem Sohn Abschied nimmt, den sie erneut einem berühmten Konvikt fern der Residenz überlässt, das die Söhne der besten Familien des Landes ausbildet. In diesem strengen Internat schließt der junge Törleß neue Freundschaften mit Beineberg und Reiting, den Übelsten seines Jahrgangs, deren Gesellschaft ihn trotz ihrer Rohheit fesselt. Als die beiden einen jüngeren Mitschüler beim Diebstahl ertappen und ihn systematisch zu erniedrigen beginnen, beobachtet Törleß die Vorgänge fasziniert und zugleich abgestoßen, unfähig, sein eigenes Schweigen und seine aufkeimende Grausamkeit rational zu fassen. Musils Debütroman, geboren aus eigenen Erfahrungen an einer Militär-Unterrealschule, seziert mit kühler psychologischer Präzision, wie Gewalt und Machtrausch unter dem Deckmantel bürgerlicher Erziehung gedeihen.

