Zalakaros, Urlaub in Ungarn
Abendbuffet
Zuerst mal musste ich an der Rezeption vorbei. Ich schaute nach, wo denn das Restaurant, in dem es das Abendbrot geben sollte, sich befand. Dann sah ich die Treppenstufen, die in den Keller zu führen schienen. Ich stieg hinunter und kam mir wie ein Filmstar vor. Als ich jedoch die schnicken Kellner sah, verflog dieses Gefühl. Nun war ich nur noch ein lumpiger Gast, der Halbpension genießen und dem Ziel seiner Wünsche zustreben wollte. Ich durchschritt einen Vorraum, in dem an den Wänden gedeckte Vierertische standen, die aber garantiert anderen Gästen vorbehalten waren. Dann kam ich an einem hölzernen Ständchen vorbei, an dem normalerweise der Einweiser stand und die Zimmernummer wissen wollte. Das erfuhr ich aber erst, nachdem ich Platz genommen hatte. Überhaupt – wusste ich nicht, wohin ich mich setzen sollte, denn es gab keine Zimmernummern an den Tischplätzen. Also setzte ich mich dahin, wo Platz war. Als ich merkte, dass sich jeder Gast ziemlich zielstrebig selbst bediente, stand ich wieder auf und bediente mich selbst, indem ich das im rechten Winkel an zwei Wänden des Raumes angelegte Buffet abschritt und mir das nahm, wonach mir gelüstete, bzw. was lecker aussah. Denn manches kannte ich nicht. Bei vielen Speisen stand darüber ein Kärtchen, auf dem in der Landessprache und in Deutsch geschrieben war, um welche Speise es sich handelte. Oder auch nicht. Also eine Art Puzzle im Zufallssystem. Entweder es schmeckte, oder nicht. Nun, den ersten Abend holte ich mir zwei Teller warme Speisen und dann noch Kompott. Ich war schließlich ausgehungert wie ein Werwolf und könnte ja etwas verpassen. Dann kam ein Kellner und fragte nach meinen Wünschen. Nun, Wünsche hatte ich einige, aber er meinte wahrscheinlich, wonach mir in Punkto Durst der Sinn stand. Ich wünschte also einen Cappuccino – man muss seine Ess- und Trinkgewohnheiten ja nicht gleich abrupt umstellen. Der Kellner dankte artig und flitzte davon, das Gewünschte zu holen. Als er wiederkam, wollte er nicht etwa Geld, nein – er wollte meine Zimmernummer wissen. Zum Glück wusste ich sie noch und sagte sie ihm. Dann schrieb er sie auf einen Zettel und verschwand wieder. Etwas später kam er mit dem Kassenaufdruck mit meiner Zimmernummer drauf und ich sollte unterschreiben. Aha – dachte ich, so wird also abgerechnet. Die Abrechnung geschieht wohl dann am letzten Tag, bevor man abreist. Danach hätte auch keinen Sinn, weil man dann ja nicht mehr da ist.
Inzwischen merkte ich, dass ich irgendwie falsch saß. Nicht körperlicherseits, sondern weil auf der rechten Seite, wo ich saß, die saßen, die Appartements hatten und meistens ungarisch sprachen. Linker Hand entdeckte ich beim Hinausgehen meine Busgruppe, die sich langsam auflöste. Na, dachte ich, morgen früh weißt du gleich, wo du dich hinsetzen musst. Schließlich will Kontakt gepflegt werden und überhaupt in der eigenen Landessprache sowieso. Als ich dann später einen Platz in der Nähe der Leute gefunden hatte, saß ich meistens alleine, weil alle Plätze der großen Tische schon belegt waren. Bis ich später Anschluss an einen anderen Tisch fand. Allerdings fehlten nun dauernd die Bestecke, die ich mir von anderen Tischen wegholte, obwohl die Kellner inzwischen wissen müssten, wo ich jeden Tag zu sitzen pflegte.