Zalakaros, Urlaub in Ungarn

Andyhank · Kapitel 2 von 29

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Zalakaros, Urlaub in Ungarn

Der Letzte macht das Licht aus

 

Ich hatte alles gepackt und die Koffer nebenan hingestellt. Nur noch ein paar Kleinigkeiten sollten hinein, solche, die ich nach dem Aufstehen noch benötigen würde. Ich ging also ganz normal am Vorabend schlafen. Doch irgendwie war mal wieder mein Hals dermaßen trocken, dass ich halb 12 aufwachte und erstmal etwas trinken musste. Dann stellte ich den Wecker auf 01.30 Uhr. Irgendwann wachte ich auf und wollte aufstehen. Doch da es um diese Uhrzeit erfahrungsgemäß dunkel ist (was erwiesenermaßen meistens bei Nacht sein soll), wollte ich das Licht anstellen. Nun ist es ja so, dass ich mein Licht vom Bett aus mit der Fernbedienung anstelle, sodass ich, wenn ich schlafen gehe, mir nicht den Weg zum Bett ertappen muss, um dorthin zu finden, da ich momentan im Wohnzimmer am Ofen nächtige, weil es dort so schön warm ist. Natürlich steht am richtigen Bett eine Nachttischlampe, doch da ich ja im Wohnzimmer am Ofen schlafe, nützt mir die Nachttischlampe ja nichts, weil sie in einem anderen Zimmer steht. Und würde ich sie ausmachen wollen, müsste ich ja erst wieder im Wohnzimmer aufstehen, hingehen, sie ausmachen und mir dann den Weg zu meinem eigentlichen Wohnzimmerbett ertasten, wobei ich schon weiß, bzw. ahne, wo was steht, nur ist es ja so, dass Wissen und Sehen zweierlei Dinge sind, sodass schon mal etwas in die Quere kommen kann, wo man denkt – nanu, wie kommt das Teil dorthin – das stand doch gestern noch ganz woanders. Von den Dingen, die am Boden liegen (und dort nicht liegen sollten), mal ganz zu schweigen.

Also wollte ich das Licht mit der Fernbedienung anknipsen. Ich tastete nach der Fernbedienung, die immer griffbereit auf dem Tisch liegt, die ich auch finde, wenn es nicht hell ist. Ich drückte den entsprechenden Knopf und es passierte etwas. Nur nicht das, was ich erwartet hatte! Es erklang ein leises „Peng“ und es blieb weiterhin dunkel. Mist! Glühbirne kaputt! War ja mal wieder klar. Wenn's drauf ankommt, hab ich kein Licht. Nun hängt der Schieberegler meiner Standleuchte direkt in der Ecke vom Bett im Wohnzimmer, sodass ich ihn bei Bedarf dort nur hoch- oder runterschieben muss, um zu dem Lichtergebnis zu kommen, wie ich es haben möchte. Da der Stecker aber am Tage zuvor aus der Steckdose weichen musste, weil ich die Dose für den Stecker des Staubsaugers benötigte, und ich ihn danach nicht wieder einsteckte, kann man sich denken, was als Nächstes passierte. Nämlich nichts! Denn ich schob nach dem „Peng“ den Schieberegler nach oben, in der Hoffnung, dass es Licht werden möge. Nun kann man sich auch erklären, dass da nichts kam! Außer ein Laut, der eher wie „Mist“ klang, aber mehr von mir herrührte, als von der Lampe. Na, wäre ja noch schöner, wenn Lampen sprechen könnten…

Also stand ich auf und tappte durchs Zimmer um das Bett, das in Wirklichkeit eine Schlafcouch ist, herum und ging in den Flur, um dort das Licht anzumachen. Kürzester Weg gleich erfolgreichster, unfallärmster Weg. Auch nach dem Aufstehen muss man manchmal logisch denken. Dann ging ich auf die Suche nach einer Glühbirne. Ich hätte die Dinge auch so lassen können, aber ich dachte schon weiter und außerdem ist man ja ein Gewohnheitsmensch. Manche Dinge müssen halt so sein wie sie sind und wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, soll es ja auch so sein wie man es gewohnt war. Dann wechselte ich die Birne und es wurde Licht. Gut! Ich schaute auf den Wecker…und hüpfte ins Bett zurück. Konnte aber nicht mehr einschlafen. Also stand ich auf, erledigte meine frühmorgendlichen Dinge, packte den Rest ein und die Koffer in den Flur (ohne drüberfallen zu müssen – man muss ja vorausschauend sein und an die eigene Ungeschicklichkeit denken) und machte mir Frühstück für den Augenblick und ein paar belegte Brote für unterwegs. Ich packte noch zwei Äpfel mit ein und eine Flasche Apfel-Schorle. Und eine angefangene Flasche Soda-Club-Sirup mit Apfelgeschmack, damit ich im Hotel nicht auf die meist überteuerte Minibar zugreifen müsste. Einfach Wasser in die Flasche, etwas Sirup drauf (natürlich in der umgekehrten Reihenfolge – ich hatte mich schon informiert, das Wasser im Hotel sollte trinkbar sein) und fertig ist das Getränk. Ich hatte ja noch Zeit und so konnte ich alles in Ruhe anpacken und nochmal überdenken, ob ich denn nichts vergessen habe. Nein, ich hatte alles. Bald war es auch halb Vier und ich begann, mir Gedanken zu machen.

Plus Minus 10 Minuten, so hieß es im Informationsschreiben, kommt der Bus. Was aber, wenn er meinen Hauseingang nicht findet, weil die Hausnummer nur unzureichend beleuchtet war und die eigentliche beleuchtete nicht beziffert, weil die Zahl nach der Installation von der eigentlichen Lampenabdeckung abfiel und die Lampe nun als simple Lampe dient? Ich beschloss, die Initiative selbst in die Hand zu nehmen und rief die Fahrernummer an. Ich bekam auch sofort Kontakt und beschrieb dem Fahrer den Weg zu meinem Hauseingang. Dann legte ich erleichtert auf und wartete. Vorher hatte ich noch meine Lichterschlange an meiner Haustürüberdachung angeschaltet, die ich dem Fahrer auch als Zeichen angab, damit er das Ziel noch besser finden könne. Dann wartete ich weiter. Irgend so ein untrügliches Gefühl ließ mich vor die Haustür gehen. Na – da stand der Fahrer neben dem Bus und war wohl unschlüssig, was er tun sollte. Schließlich konnte er nicht wie angekündigt klingeln, weil ja keine Klingel vorhanden war. Auf die Idee, dass er klopfen könne, kam er wohl nicht. Außerdem stand das ja auch nicht im Schreiben. Da stand was von Klingeln und nicht von Klopfen. Nun – egal, er war ja nun da und ich konnte los. Kurz nachgedacht – nein, ich hab alles – und dann los. Der letzte macht das Licht aus. Zufällig war ich auch der letzte, natürlich auch, weil ich der einzigste war, der hier wohnte. Da musste ich ja der letzte sein…