Zalakaros, Urlaub in Ungarn

Andyhank · Kapitel 8 von 29

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Zalakaros, Urlaub in Ungarn

Brücke

 

Diese Szene sollte man sich wie eine Situationskomik, einen Slapstick aus der Schwarz-Weiss-Ära der Stummfilmzeit vorstellen: Jeder von uns bekam seine Zimmernummer zugewiesen. Ich bekam die 237. Der Mann hinter der Theke sagte, ich solle mit dem Fahrstuhl eine Etage hoch, dann über die Brücke und noch eine Etage mit dem Fahrstuhl hoch. Dann sei ich auf dem Flur, wo meine Zimmernummer auffindbar wäre. Während die anderen meiner Busgruppe ihr Gepäck von einem Boy auf ihre Zimmer bringen ließen, erschien mir mein Gepäck nicht allzu schwer zu sein, da ich es vor meiner Abreise auf der Personenwaage gewogen hatte, denn ich wollte unter dem 20kg-Limit bleiben. Mein Gepäck wog insgesamt 11kg. Also keine schwere Sache, so dachte ich. Ich nahm also meinen Koffer auf, schwang mir den Rucksack auf die rechte Schulter und ging einfach die Treppe hinauf. Andere Hotelgäste folgten meinem Beispiel, nur eben ohne Gepäck, oder nur mit ihrem Handgepäck bewaffnet. Oben angekommen, suchten wir die Brücke. So liefen wir um die Rezeption herum, da ja die Hotelzimmer im Kreis angeordnet waren. Vom Geländer aus konnte man nach unten schauen und die Rezeption sehen. Nur fanden wir keine Brücke. Vielleicht im nächsten Stockwerk? Ein paar Leute gingen hinauf. Ich folgte ihnen. Andere dagegen stiegen die Treppe wieder hinab, um nochmal an der Rezeption nachzufragen. Als ich nun auf der zweiten Etage stand, stellte ich fest, dass die Türnummern hier mit 3 anfingen. Aha, resümierte ich, das ist eine Etage zuviel, ich muss eine wieder runter, denn bekanntlich fängt die 237 mit der 2 an. Ganz selten mit 3. Und das auch nur in Ausnahmefällen. So ging ich also wieder eine Treppe hinunter, natürlich noch immer mein Gepäck im Schlepptau. Mein Rucksack war mir inzwischen von der Schulter gerutscht, sodass ich nun zwei Gepäckstücke in der einen Hand trug. Vielleicht sollte ich mal die Tragehand wechseln? Aber ich bin ja gleich da! Auf der zweiten Etage suchte ich meine Zimmernummer. Natürlich fingen hier alle Zimmer mit 2 an, nur war meine nicht dabei. Einer aus meiner Busgruppe wies auf ein Hinweisschild, auf dem „von - bis“ stand, also von z.B. 205 – 225. Aha, warum hatte ich dieses Schild nicht schon vorher gesehen? Wohl weil es farblich nicht so von der Wandfarbe abstach. Also hielt ich Ausschau nach dem richtigen Schild. Meine Nummer war aber nicht dabei, auch nicht, als ich den Rundgang dreimal gegangen war, zweimal so herum und einmal andersrum. Ratlos schleppte ich mich samt meinem Gepäck wieder zur Rezeption. Dort wurde mir gesagt, dass es ganz einfach sei: mit dem Fahrstuhl eine Etage hoch, dann über die Brücke und noch eine Etage mit dem Fahrstuhl hoch. Dann sei ich auf dem Flur, wo meine Zimmernummer auffindbar wäre. Ich nickte genervt und schleppte mich wieder die Treppe hinauf. Den Fahrstuhl zu nutzen untersagte meine Würde, die sich langsam aber sicher in Bürde verwandelte, denn irgendwie hatte sich mein Gepäck verdoppelt. Nicht an Umfang, sondern eher an Gewicht. Auch war mir so richtig warm. Das lag nicht nur an der sowieso schon warmen Umgebungstemperatur, weil die Therme auch gleichzeitig das Klima des Hauses bestimmte, das ganz oben von einem Kuppeldach gekrönt war und die Kälte von außen außen vor ließ, sondern weil ich ja die ganze Zeit meine beiden Gepäckstücke mitschleppte. Ich schaute neidisch zum Hotelboy, der auf einem Wagen sämtliche Gepäckstücke mit sich zog und auf dem Weg zum Lift war. Natürlich hätte ich ihn nutzen können, aber nun ging es ja nicht, weil der Gepäckboy mit seinem Wagen den Weg zum Lift blockierte. Also ging ich wieder die Treppe hinauf und den Rundgang entlang. Natürlich hatte sich nichts geändert, meine Zimmernummer war noch immer nicht dabei. Als ich wieder am Treppenanfang ankam, stellte ich kurzerhand das Gepäck ab und rannte schnaufend noch eine Etage hoch, nur um zu schauen, ob auf dem Wandschild nicht doch zufällig meine Zimmernummer draufstehen würde. Natürlich stand sie nicht darauf. Ich hetzte also wieder runter, schnappte mir kurzatmig und schwitzend meine beiden Gepäckstücke und tappte die Treppe hinunter, direkt zur Rezeption, um mich zu beschweren, dass man hier seine eigene Zimmernummer nicht finden könne und nirgendwo ein Plan hing, wo man nachschauen könne, wo man sich gerade befand. Unten angekommen fehlte mir aber erstmal die Luft zum Reden, also gab ich meinem Unmut nur in kurzen Worten Ausdruck. Mein Deutsch wird wohl nicht so ganz verständlich gewesen sein, aber am Tonfall mussten die Leute hinter der Theke gemerkt haben, worauf ich abzielte. Da fasste sich ein netter Mensch dahinter ein Herz und ging voraus, damit ich endlich mein Zimmer aufsuchen könne. Auch weil er mitbekam, dass ich noch immer nicht die Brücke fand. Er ging also die Treppe hinauf, ich folgte ihm, wobei meine Arme immer länger wurden. Oben angekommen nahm er aber einen ganz anderen Weg. Er ging nicht die Rundung entlang, wo von oben die Rezeption zu sehen war, sondern die Rundung, wo von oben der Springbrunnen zu sehen war. Da war ich zwar auch schon entlanggegangen, aber nie bis zum Ende, weil meine Zimmernummer ja nie dabei war. Da die Treppe jeweils am Knotenpunkt zu finden war, brauchte ich das ja auch nicht zu tun. Dachte ich bis dahin. Denn nun ging der Rezeptionsmann weiter und ich hinterher. Und plötzlich weitete sich der Rundgang und ich sah eine tatsächliche, überdachte Brücke, die in ein anderes Gebäude führte. Am anderen Ende erhaschte ich, über die Balustrade blickend, einen kurzen Blick auf das Thermalbad, bzw. das Kuppeldach desselben, das sich zwischen meinem Blickfeld und dem Bad als Kuppel unter mir erstreckte. Nun müsse ich nur noch eine Etage hinauf und würde dort mein Zimmer finden. Ich bedankte mich artig und schalt mich gedanklich, wie man nur so blödsinnig anderen nachrennen kann, wo man doch selber denken könne. Dass ich aber selbst blödsinnig umhergelaufen war und mir andere hinterhergelaufen sind, verschwieg ich wohlweislich. Ich dachte, diese eine Etage schaffst du auch noch, ohne den Lift zu benutzen. Schließlich gilt es Ehre zu bewahren, auch wenn niemand zugegen war, dem ich sie zeigen könnte. Ich ging also noch eine Etage auf der anschließenden Treppenflucht hoch und stand in der Rundung, wo alle Zimmer ebenfalls mit 2 anfingen. Also lief ich die Nummern ab, in der Hoffnung, nicht verarscht worden zu sein. Dann…ganz hinten, in der hintersten Ecke des Rundganges, fand ich meine Zimmernummer.