
Die Liebe der Erika Ewald
Erika Ewald trat langsam ein, mit dem vorsichtig-leisen Gang einer Zuspätkommenden, beginnt Zweigs 1904 erschienene Novelle: Der Vater und die Schwester saßen schon beim Abendessen, beim Geräusch der Türe blickten sie auf, um der Eintretenden flüchtig zuzunicken, dann klang nur wieder das Klingen der Teller und das Klappern der Messer durch den matterhellten Raum. Gesprochen wurde selten, nur hie und da fiel ein Wort, und das flatterte wie ein aufgeworfenes Blatt haltlos in der Luft, um dann ermattet zu Boden zu sinken, schreibt Zweig, sie hatten sich alle wenig zu sagen. Die Schwester war unscheinbar und hässlich, eine jahrelange Erfahrung, stets überhört oder bespöttelt zu werden, hatte ihr jene altjüngferliche stumpfe Resignation gegeben. Der Novelle vorangestellt ist ein Motto von Barbey d’Aurevilly über das stille Dulden junger Mädchen, die nie sagen, dass sie leiden, denn die Frauen seien zum Dulden geschaffen. Die Sammlung enthält daneben die Erzählungen Der Stern über dem Walde, Die Wanderung und Die Wunder des Lebens.



