
Eine Kindheitserinnerung aus »Dichtung und Wahrheit«
Eine Kindheitserinnerung aus »Dichtung und Wahrheit« erschien 1917 in der Zeitschrift Imago und nimmt eine einzige Stelle aus Goethes im Alter von sechzig Jahren begonnener Autobiografie zum Ausgangspunkt: Goethes eigene Bemerkung, dass man sich in der frühesten Kindheit oft nicht sicher erinnere, was man selbst erlebt oder nur von anderen gehört habe. Freud untersucht die einzige Begebenheit, die Goethe aus seiner frühesten Kindheit berichtet, wie der kleine Johann Wolfgang, der für tot geboren worden war und nur durch vielfache Bemühungen das Licht der Welt erblickte, eines Tages spielend sein Kindergeschirr auf die Straße warf, angefeuert vom Beifall johlender Nachbarn, und deutet die scheinbar belanglose Anekdote als verdeckten Ausdruck kindlicher Geschwistereifersucht. Der kurze Essay zeigt Freuds Methode der Traum- und Erinnerungsdeutung an einem der bekanntesten Texte der deutschen Literatur angewandt.






