
Das Tabu und die Ambivalenz der Gefühlsregungen
Tabu ist ein polynesisches Wort, dessen Übersetzung uns Schwierigkeiten bereitet, weil wir den damit bezeichneten Begriff nicht mehr besitzen, beginnt Freud, und stellt fest, dass den alten Römern ihr sacer dasselbe war wie das Tabu der Polynesier, ebenso wie das ágos der Griechen oder das Kadausch der Hebräer Ähnliches bedeutet haben müsse. Die Bedeutung des Tabu gehe uns nach zwei entgegengesetzten Richtungen auseinander: einerseits heilig, geweiht, andererseits unheimlich, gefährlich, verboten, unrein, wobei der Gegensatz im Polynesischen noa heiße, gewöhnlich, allgemein zugänglich. Die Tabubeschränkungen seien etwas anderes als religiöse oder moralische Verbote, würden nicht auf das Gebot eines Gottes zurückgeführt, sondern verböten sich gewissermaßen von selbst, ohne jede Begründung und unbekannter Herkunft, weshalb Wundt das Tabu den ältesten ungeschriebenen Gesetzeskodex der Menschheit nenne, älter als die Götter und bis in die Zeit vor jeder Religion zurückreichend.






