Feenblut
Neun
Shane bremste und der Wagen hielt vor einem grauen Gebäude. Fiona stand am Eingang und wartete schon auf sie.
Ennis atmete tief durch und versuchte, sein pochendes Herz zu beruhigen. »Du hast einen rasanten Fahrstil drauf«, meinte er mit zitternden Knien zu Shane.
»Jahrelanges Training«, entgegnete der trocken und sah Ennis grinsend an. »Ich wollte mal Stuntman werden.«
»Aha!« Mehr brachte Ennis nicht hervor, er war froh, lebend am Institut angekommen zu sein.
Die hintere Autotür öffnete sich und Fiona kroch auf den Rücksitz. »Brrrr! Endlich im Warmen«, sagte sie und schlug die Tür lautstark zu.
Shane drehte sich zu ihr um. »Hi, ich bin Shane Callaghan«, stellte er sich vor.
»Fiona MacKenna«, erwiderte sie und lächelte ihn freundlich an.
Ohne seine Tante zu begrüßen, platzte Ennis gleich los: »Was ist da drinnen passiert Fiona?«
»Nachdem Una und ich hier ankamen, wurden wir gleich in getrennte Räume gebracht«, fing seine Tante an zu erzählen. »Dann kam diese Schwedin, Dr. Andersson, und hat mich befragt. Sie wollte wissen, ob ich etwas mit den toten Nachtwandlern zu tun hätte, oder ob ich wüsste, wer dafür verantwortlich ist. Selbstverständlich habe ich alles verneint.«
»Ja und dann?«, fragte Ennis ungeduldig.
»Dann hat sie nach meinem Familiennamen gefragt, wollte wissen, wer meine Eltern sind und ob ich noch Geschwister oder Kinder hätte.«
Shane und Ennis tauschten einen Blick. »Die wissen irgendetwas«, meinte Shane.
»Natürlich wissen die etwas«, erwiderte Fiona leicht ungehalten. »Dr. Andersson hat mich eine geschlagene Stunde warten lassen. Als sie endlich wieder auftauchte, war eine Frau bei ihr, die sah richtig unheimlich aus. Sie war groß, hatte ganz lange, schwarze Haare und ihre Augen … die waren hellgrau, fast schon weiß. So eine Augenfarbe habe ich noch nie gesehen, aber sie roch ziemlich gut. Irgendwie nach Honig ...« Fionas Augen bekamen auf einmal einen verträumten Ausdruck. »... und Butter.«
Shanes Hand krallte sich in Ennisʼ Arm und er flüsterte: »Aileána«
Ennis runzelte die Stirn. »Du meinst, die aus der Legende?« Er schnaubte verächtlich und wandte sich wieder an Fiona. »Was wollte sie von dir?«
»Sie wollte, dass du herkommst«, meinte Fiona. Ihr Blick war immer noch leicht verklärt.
Ennis sah wieder zu Shane. »Mist! Die beiden wurden als Köder benutzt.«
Shane nickte. »Verdammt«, stieß er hervor.
»Ich soll ein Köder sein?« Fiona sah Ennis ärgerlich an. »Ich bin doch kein Köder«, murmelte sie und schnäuzte sich lautstark in ein Taschentuch.
Shane rief Deacon über sein Handy an und erklärte ihm die Lage. »Ich glaube, wir brauchen unbedingt Verstärkung«, sagte er noch, bevor er das Gespräch beendete.
Ennis schaute aus dem Fenster, genau auf das Gebäude, das grau in den wolkenverhangenen Himmel ragte. Irgendwo da drinnen befand sich Una, zusammen mit Aileána, Aidans Zwillingsschwester. Die älteste Blutfee, die existierte, und mit der war definitiv nicht gut Kirschen essen.
Unas blaue Augen tauchten vor seinem inneren Auge auf, ihr hübsches Gesicht und ihr Lächeln, das er so liebte. Die Angst um sie schnürte ihm die Kehle zu, legte sich wie eine eiserne Faust um seinen Brustkorb, sodass er kaum Luft bekam. Entschlossen öffnete er die Wagentür. »Ich gehe da jetzt rein.«
Shane hielt ihn am Arm zurück und schüttelte den Kopf. »Warte bis die anderen hier sind, oder willst du auf der Schlachtbank enden?«
»Ich muss Una finden!«
»Vielleicht ist sie gar nicht mehr da drin? Womöglich wurde sie weggebracht. Sei doch vernünftig, Ennis«, appellierte Shane an ihn.
»Das werde ich ja gleich herausfinden.« Ennis stieg aus und holte seinen Dolch hervor, dann schlug er die Tür zu und lief in das Gebäude.
»Scheiße!«, fluchte Shane und stieg aus. Er rief Fiona noch zu, dass sie den anderen sagen sollte, was los war, und eilig lief er ebenfalls in das Institut.
Ennis stand in der Eingangshalle, den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Er aktivierte seine Kräfte und konzentrierte sich darauf, Una zu finden.
Die Empfangsdame hinter dem Tresen hob sofort das Telefon ab und tippte hektisch auf die Tasten ein. »Ich rufe den Sicherheitsdienst, Sie dürfen hier nicht einfach so rein!«, rief sie den beiden zu.
Mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht ging Shane zu ihr und sagte: »An Ihrer Stelle würde ich jetzt Feierabend machen.« Er griff nach dem Telefon, riss es mit einem Ruck aus dem Anschluss und schleuderte es gegen die Wand. Zu Tode erschrocken schrie die Frau auf, duckte sich und hielt schützend die Hände über ihren Kopf.
Nun trat Shane zu Ennis und legte seine Hand auf dessen Schulter. Für eine Weile standen die beiden ganz ruhig und mit geschlossenen Augen da und vereinten ihre Kräfte.
Als Ennis seine Augen wieder aufschlug waren sie verklärt und hatten einen silbrigen Glanz. Mit heiserer Stimme sagte er: »Ich habe sie gefunden.«
Ohne zu zögern lief er auf das Treppenhaus zu. Shane konnte nichts anderes tun, als ihm zu folgen. Ennis bestand nur noch aus Instinkt und Kraft. Der Jäger in ihm hatte vollends von ihm Besitz ergriffen und dirigierte ihn zu seinem Ziel.
Die beiden rannten die Stufen hoch. Keiner von ihnen sprach ein Wort, nur ihre schweren Schritte und ihr keuchender Atem waren zu hören. Ohne anzuhalten, lief Ennis von einer Etage in die nächste. Endlich blieb er stehen, zögerte einen kurzen Moment und ging dann durch die Tür in einen langen Flur hinein.
»Ist sie hier irgendwo?«, fragte Shane, der ganz außer Atem war.
Ennis antwortete nicht. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf seine innere Kraft, die ihm genau verriet, wo Una sich befand. Sie war ganz in der Nähe, er konnte sie genau spüren. Zielbewusst lief er nach links weiter.
Shane jedoch beschlich auf einmal ein komisches Gefühl. Irgendetwas stimmte hier nicht. Inständig hoffte er, dass Deacon und die anderen bald eintreffen würden.
Ennis lief unbeirrt weiter. Vor einer Tür am Ende des Ganges machte er halt und verstärkte den Griff um seinen Dolch. Eisern hielt er ihn umklammert und mit entschlossenem Blick atmete er einmal tief durch.
»Ist sie da drin?«, flüsterte Shane.
»Hättest du mal besser draußen gewartet. Dich jetzt auch noch in solche Gefahr zu begeben ...«
Shane schüttelte ungläubig den Kopf und schnaubte: »Das kann doch nicht dein Ernst sein, oder? Ich lasse dich auf keinen Fall allein gegen diese Fee kämpfen!«
Ennis gab keine Antwort, öffnete die Tür, trat ein und sah sich um. Er befand sich nun in einem großen Konferenzraum mit holzvertäfelten Wänden, dessen Fensterfront den Blick auf die kahlen Bäume des schneebedeckten Phoenix-Parks freigab.
In der Mitte des Raumes befand sich ein großer ovaler Tisch aus dunklem Holz, an dessen oberem Ende Aileána saß. Lächelnd und keineswegs überrascht sah sie ihn an, denn sie hatte ihn schon erwartet. Neben ihr saß Una und blickte Ennis mit glasigen Augen an. Sie stand unter dem Bann der Fee und schien ihn nicht zu erkennen.
Ihr Anblick versetzte ihm einen Stich ins Herz und am liebsten wäre Ennis sofort zu ihr gelaufen, hätte sie geschnappt und wäre zusammen mit ihr von hier verschwunden. Doch mit einer solch unbedachten Kurzschlusshandlung würde er Una und Shane nur in Gefahr bringen. Wut breitete sich wie ein heißes Feuer in ihm aus. Er hatte die Nase gestrichen voll von diesen Feen. Ennis blitzte Aileána an, deren Kraft und Macht er in seinen Eingeweiden spüren konnte. Verschlagen und böse sah sie ihn an.
Der Raum war erfüllt von ihrem betörenden Duft, der Ennis in seinen Bann zu ziehen drohte. Auch Shane hatte Mühe, seine Sinne bei sich zu behalten. Beiden fiel es plötzlich schwer, sich zu konzentrieren, doch Ennis bot all seine inneren Kräfte auf, um zu widerstehen. Shane tat dasselbe, holte noch sein Messer hervor und hielt es sicher in der Hand, nur für alle Fälle.
Ennis ging langsam am Tisch entlang und ließ Aileána keinen Moment aus den Augen. »Lass Una gehen«, befahl er ihr. Seine Stimme war kalt und hatte einen gefährlichen Unterton.
Die Fee stand auf, das Lächeln verschwand von ihrem Gesicht. Auf einmal wurde ihre Haltung angespannt und ihr Duft noch intensiver, doch gleichzeitig mischte sich Angst dazu. Dieser Slayer konnte auch ihr gefährlich werden, das wusste sie mit Gewissheit.
»Slayer«, Aileánas Stimme hatte einen tiefen, melodischen Klang. »Deiner Freundin steht es frei zu gehen. Ich habe, was ich will.«
Ennis ging noch einen Schritt auf sie zu, Shane dagegen blieb, wo er war und beobachtete die beiden genau. Jedoch hob er die Hand mit dem Messer, bereit Ennis sofort zu helfen, wenn es nötig war. Verzweifelt wünschte er, die anderen wären endlich hier. Gemeinsam hätten sie eine größere Chance gegen diese Fee.
»Was willst du von uns … von mir? Warum können du und Deinesgleichen die Slayer nicht einfach in Ruhe lassen?«, fragte Ennis mit fester Stimme und hoffte, sie so von Una und Shane abzulenken.
»Weil wir euch brauchen. Euer Blut ist unserem sehr ähnlich, und du bist einer der stärksten Slayer, die es gibt. Nur ein anderer war genauso stark wie du, doch er ist jetzt nur noch ein Schatten. Eine unbrauchbare, tote Hülle und für uns nicht mehr relevant. Aber du ...«
Ennis wusste sofort, dass sie von Mark sprach und seine Wut wuchs ins unermessliche. Er ließ seine Kraft mit aller Macht auf Aileána los und versuchte, sie zu schwächen. Doch sie wehrte und widersetzte sich ihm mit aller Kraft. Ennis standen vor lauter Anstrengung Schweißperlen auf der Stirn. Stillschweigend fochten die beiden einen Zweikampf aus.
Ennisʼ Atem kam keuchend, während ihr Duft ihn immer mehr umhüllte, wie eine unsichtbare Wolke. Er stemmte sich mit all seiner Macht dagegen, um nur ja nicht in Aileánas Bann zu geraten.
Da spürte er auf einmal Shanes Hand auf seiner Schulter, merkte, wie sich ihre Kräfte miteinander vereinten. Mit einem Mal fiel es Ennis leichter, gegen Aileána anzukämpfen, denn er trug jetzt die Kraft von zwei Jägern in sich.
»Una, bitte komm zu uns.« Eindringlich sah Ennis sie an und streckte seine Hand nach ihr aus. Wenigstens sie wollte er in Sicherheit wissen. Ihr teilnahmsloser Blick versetzte ihm einen weiteren Stich ins Herz. Schlagartig wurde ihm bewusst, dass sie nicht gehen würde, solange sie im Bann dieses Wesens war.
Auf einmal erklangen hastige Schritte. Ennis hörte Deacon leise fluchen und Kayla rief erschrocken: »Meine Güte!«
Verstärkung war endlich eingetroffen und Ennis schöpfte neue Hoffnung. Vier Jäger mussten doch in der Lage sein, etwas gegen dieses schreckliche Wesen ausrichten zu können. Ennis hatte schon einen guten Teil von Aileánas Kraft in sich aufgenommen und sie war viel schwächer, als bei seinem Eintreffen. Trotzdem fiel es ihm immer noch schwer, diesem Duft zu widerstehen. Ennis konzentrierte sich weiter, gab einen Teil seiner Kraft an die anderen ab und nahm noch mehr Kraft von der Fee in sich auf.
Langsam näherte er sich Aileána, Schritt für Schritt. Er konnte die Furcht in ihren Augen aufblitzen sehen, aber auch ihren eisernen Willen, ihm nicht nachzugeben. Der Duft wurde noch intensiver und Ennis schüttelte energisch seinen Kopf, um nicht vollkommen eingelullt zu werden.
»Du kannst nicht gewinnen, Ennis MacKenna«, presste Aileána gefährlich leise hervor. »Wir wollen dich, und wir kriegen dich.«
Ennis beachtete ihre Worte nicht und schaute kurz hinüber zu Una, die jedoch kaum wahrnahm, was sich hier abspielte. Dann schaute er wieder zu Aileána. Hinter sich spürte er die Gegenwart der anderen. Keiner sagte einen Ton, sie konzentrierten sich nur darauf, ihm zu helfen.
Plötzlich und unvermittelt sprang Ennis nach vorne und stürzte sich auf die Blutfee, packte sie und rammte ihr den Dolch in die Seite.
Völlig überrumpelt ächzte sie vor Schmerz auf und sah Ennis überrascht an. Der drängte sie mit seinem Körper gegen die Wand, drückte seinen Arm gegen ihre Kehle und trieb den Dolch tiefer in sie hinein. Kaltes, schwarzes Blut quoll aus der Wunde hervor und rann über seine Finger.
Una sprang aus ihrem Sitz, als Ennis mit Aileána kämpfte. Kayla ergriff die Chance, lief schnell zu ihr und zog sie mit sich. Rasch verließen die beiden den Raum.
»Was willst du von mir?«, zischte Ennis der Fee ins Ohr. Ihm wurde leicht schwindelig, weil er ihr so nahe war und ihr Duft sich um ihn schlängelte, wie eine Python, die ihre Beute ersticken wollte.
»Du bist der Einzige, der stark genug ist«, presste sie hervor und schnappte keuchend nach Luft.
»Stark genug für was?«, zischte er und presste sein ganzes Gewicht gegen sie, drehte den Dolch in der Wunde, damit der Schmerz sie zum Reden zwang.
Auf einmal hörte er hinter sich einen Aufschrei und hektische Schritte.
Deacon rief: »Verdammter Mist!«
Shane fluchte ebenfalls lautstark. Es hörte sich ganz nach einem Kampf an, doch Ennis hatte keine Zeit, sich umzudrehen und nach ihnen zu sehen. Er musste sich weiter auf Aileána konzentrieren.
Die konnte jedoch genau sehen, was sich hinter seinem Rücken abspielte und ein Hoffnungsschimmer blitzte in ihren unheimlichen Augen auf. Als eine Glasscheibe mit lautem Krach zersplitterte, drehte Ennis reflexartig den Kopf herum und sah Deacon, der sich gerade noch so am Fensterrahmen festhalten konnte. Wer hatte ihn bloß so weit geschleudert, fragte er sich. Da riss ihn auch schon jemand von Aileána weg. Ennis ließ jedoch den Dolch nicht los und schlitzte ihr, während er fortgerissen wurde, den Bauch mit der scharfen Klinge auf. Ein markerschütternder Schrei drang dabei aus ihrer Kehle.
Ennis wusste erst nicht, wer ihn gepackt hatte. Dann sah er nur hellblondes langes Haar, welches ihn umwehte, und wieder war da dieser unwiderstehliche Duft nach Butter und Honig, der ihm unerbittlich in die Nase stieg. Es war Naoise, die ihn eisern in ihrem Griff hielt und mit ihm aus dem Fenster sprang.
Deacon, der zwischenzeitlich wieder durch das Fenster hineingeklettert war, streckte noch verzweifelt den Arm nach ihnen aus und versuchte, Naoise aufzuhalten, doch es gelang ihm nicht. Sein Griff ging ins Leere.
Ennis wurde einfach fortgerissen, sah nichts mehr und dachte nichts mehr. Selbst Una war vergessen und existierte in diesem Moment nicht mehr. Ennis fühlte nur Naoises Körper und hörte den Wind in seinen Ohren rauschen, oder war es der Klang seines eigenen Blutes? Sie trug ihn mühelos mit sich und ihr Duft hüllte ihn ein, wie eine Wolke des Vergessens.
Wer war er und wo wurde er hingebracht? Es war ihm egal, es zählte nicht mehr, und er ließ sich einfach in diesen unwiderstehlichen Duft fallen.
Auf einmal sah er vor sich ein Mädchen. Ihr herzförmiges Gesicht kam ihm seltsam vertraut vor. Ihre schwarzen Locken schimmerten und bewegten sich leicht, als sie lächelnd einen Namen rief.
Er kannte diese Stimme, auch dieses Lächeln löste etwas in ihm aus, einen tiefen Schmerz – die Sehnsucht nach etwas Wunderschönem, das verloren gegangen war.
»Ennis«, rief sie wieder und streckte die Hand nach ihm aus.
Ennis. War das sein Name?
Das Rauschen in seinen Ohren wurde stärker und der Duft intensivierte sich. Ennis fiel, und dann gab es nur noch wohlige Dunkelheit.
* * *
Blaue Augen, die bis in die Tiefen seiner Seele drangen, zarte Berührungen, von denen er nicht genug bekommen konnte. Es fühlte sich vertraut an und doch wieder nicht. Ennis kannte ihren Namen, aber er fiel ihm nicht ein. Zärtlich nahm er ihr hübsches Gesicht zwischen seine Hände und schaute sie genau an, um sich zu erinnern.
Sie kam näher und ihre Lippen berührten seine, und es fühlte sich richtig an. Ennis schloss die Augen und dachte nicht weiter darüber nach – er wollte nur diese samtenen, weichen Lippen spüren.
Lustvoll stöhnte er, als zarte Hände seine nackte Haut berührten. Lippen, die seinen Nacken entlangfuhren und ihm wohlige Schauer bereiteten. Sie glitten sanft weiter, über seinen Hals bis hinunter, zu der kleinen Kuhle zwischen seinen Schlüsselbeinen.
Zärtliche Finger liebkosten seine Brust, strichen an seinen Seiten entlang bis zu seinen Lenden. Er keuchte verlangend auf, als ihre Hand sein Glied umschloss – heiß, kalt, fordernd.
Ihr unwiderstehlicher Duft umgab ihn, und als er seine Augen öffnete, sah er Naoise vor sich. Ihr langes, helles Haar hing wie ein goldener Schleier um ihren Kopf. Seine Augen glänzten vor Begierde, als er in sie eindrang.
Sie schob ihm ihr Becken entgegen, um ihn ganz ins sich aufzunehmen, und auch sie stöhnte vor Erregung. Seine Empfindungen flossen in sie und überwältigten sie – jede einzelne davon wollte sie auskosten. Das war es, was sie brauchte, was ihrer Existenz fehlte. Dieser kraftvolle, mächtige Slayer war in der Lage, ihr Gefühle zu geben, die sie nicht kannte.
Sie bestand nur aus Instinkt, aus nur einem Antrieb: Leben nehmen und Leben erschaffen. Sie verstand nichts von Liebe, Freude, Wut oder Hass. Sie spürte diese Empfindungen nur durch die Menschen, denen sie das Blut und die Seele aus dem Leib saugte, und sie war fasziniert davon. Wollte mehr, wollte ebenfalls fühlen, doch sie konnte es nicht. Ihre Empfindungen waren nur ein Echo der Umwelt.
Das erste Mal, wo sie tatsächlich etwas gefühlt hatte, war damals gewesen, als sie diese wunderschöne Musik in der Bar gehört hatte. Kurz bevor der Slayer zu ihr gekommen war; Mark O´Brian. Als sie erkannte, dass er für sie verloren gegangen war, da überkam sie Traurigkeit und Zorn. Gefühle, die unwillkürlich in ihr aufgewallt waren. Erst da hatte sie es gewusst, hatte sie verstanden, was ihre Mutter immer gemeint hatte, wenn sie zu ihr sagte: Meine Tochter, nur ein wahrer Slayer kann uns geben, wonach wir uns sehnen.
Naoises seltsame Augen schillerten verlockend im Halbdunkel des Kerzenscheins und Tränen formten sich darin. Sie wurden zu winzigen Kristallen, die über ihre Wangen liefen und auf die Laken fielen.
Ennis sah sie entrückt an, während er sich langsam in ihr bewegte. Ihre schimmernde Haut, die festen Brüste, die sich ihm entgegen reckten … Naoise erregte ihn so sehr. Dann kam er zum Höhepunkt und hilflos ergoss er sich in ihr.
Naoise erbebte und empfing seinen Samen, versenkte ihn in ihrem Schoß, während sie dieses unvergleichliche Gefühl auskostete, welches sie dabei durchströmte. Ennis lag erschöpft auf ihr und ihre schlanken Finger fuhren durch sein Haar. Sie spürte seine Hitze, sein Atem ging immer noch schnell und strich wie ein sanfter Wind über ihre Haut. Sie lächelte und nahm seine Hand, führte sie zum Mund und fuhr langsam mit ihrer Zungenspitze an der Innenfläche entlang, bis zu seinem Handgelenk, in dem es verführerisch pulsierte. Vorsichtig biss sie zu und nahm sein Blut in sich auf.
Da konnte sie es schmecken, den Teil Feenblut, der in ihm floss. Ja, er war genau richtig.
Und Ennis versank erneut in Dunkelheit.