Feenblut

Aileana Blair · Kapitel 6 von 16

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Feenblut

Sechs

 

 

Am nächsten Morgen schreckte Ennis hoch. Er hatte einen seltsamen Traum von seinem Vater gehabt, der, ohne dass er dessen Gesicht klar erkennen konnte, immer wieder unverständliches Zeug auf ihn eingeredet hatte.

David Hughes dachte er, fuhr sich mit den Händen durch die Haare und stieß hörbar die Luft aus. Prompt fiel ihm auch alles wieder ein, was Mark gestern erzählt hatte.

»Una?«, rief er, während er sich aufsetzte. Sie lag nicht mehr neben ihm, stattdessen war er jetzt in eine kuschelige Decke gehüllt. Keine Antwort. Er legte sich die Decke um die Schultern, denn das Kaminfeuer war erloschen und er fröstelte. Vor sich auf dem Couchtisch fand er eine Nachricht von ihr.

Ich hole uns Frühstück und Kaffee.

Du musst endlich einkaufen gehen,

sonst verhungerst du.

U.

Er lächelte, stand auf, ging erst ins Bad und danach in die Küche. Unschlüssig stand er dann da und hoffte, dass Una bald zurückkam. Einen Kaffee konnte er wirklich gut gebrauchen.

Auf dem Küchentisch lag immer noch die Chronik. Ennis musste wieder an seine Mutter denken und sein Herz wurde schwer. Aus welchem Grund nur, hatte sie ihm nie etwas gesagt? Alles, was er eigentlich hätte wissen müssen, hatte sie ihm verschwiegen. Sie hatte bestimmt gewusst, dass er von zwei ursprünglichen Jägern abstammte und sich sicherlich auch zu einem entwickeln würde. Vielleicht hatte sie Angst gehabt, dass das Venatorium von ihm erfuhr, und wollte niemandem etwas sagen, nicht einmal Fiona. Da fiel ihm siedend heiß ein, das er mit seiner Tante auch noch ein Wörtchen zu reden hatte. Er seufzte laut und im gleichen Moment kam Una zur Haustür herein.

»Hey, ausgeschlafen?«, fragte sie lächelnd und stellte zwei große Kaffeebecher und eine Packung Donuts auf den Tisch. Sie legte noch die aktuelle Ausgabe der Tageszeitung dazu, und während sie ihre Jacke auszog und an der Garderobe aufhängte, zog Ennis die Zeitung zu sich und las die Schlagzeile:

Brutaler Vierfach-Mord gibt Garda Rätsel auf.

Darunter, gleich zu Anfang des Artikels, war das Bild einer Frau zu sehen. Sie trug eine Brille und ihre dunklen Haare waren im Nacken zu einem Knoten gebunden. Ihr Pony war akkurat geschnitten und endete direkt am oberen Brillenrand. Die Bildunterschrift lautete: Dr. Silvie Andersson, schwedische

Forensikerin, hilft bei den Ermittlungen.

»Mist«, entfuhr es ihm leise.

»Wir hätten die Überreste der Blutsauger verbrennen sollen«, sagte Una, als sie sich an den Tisch setzte und sich einen der Kaffeebecher nahm. »Die arbeitet bestimmt fürs Venatorium, wenn mein Vater das erfährt ...« Besorgt zeigte sie auf den Artikel.

Ennis ärgerte sich über seinen groben Fehler, das hätte nicht passieren dürfen. Jetzt hatten sie die Bescherung und mussten sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Er trank von seinem Kaffee, biss herzhaft in einen Donut und warf die Zeitung dann einfach quer über den Tisch. »Vergiss es, jetzt ist es zu spät, um das zu ändern.« Während er noch genüsslich kaute, sah er Una an. »Ich muss erst einmal mit Fiona reden und herausfinden, was sie weiß.«

»Eigentlich haben wir nachher Vorlesungen.«

»Ich habe im Moment überhaupt keinen Kopf zum Lernen, Una«, entgegnete er seufzend.

»Das kann ich verstehen.« Una nickte. »Ich werde mitkommen zu deiner Tante.«

Nun grinste er sie an. »Mark hat ganz schön Schiss vor dir.«

»Den sollte er auch haben«, meinte sie trocken und nahm sich ebenfalls einen Donut.

Ennis grinste in sich hinein, doch dann wurde er nachdenklich. »Vielleicht sollte ich doch zu David Hughes gehen und hören, was er zu sagen hat.« Er brachte es nicht über sich, von ihm als seinen Vater zu sprechen. Zweiundzwanzig Jahre lang war der Mann nur ein Schatten in seinem Leben gewesen, jetzt plötzlich hatte er einen Namen bekommen und war präsent geworden. Ennis graute vor einem Treffen, aber er kam nicht darum herum, wenn er wissen wollte, wie er die Blutfee loswerden konnte. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass er ihr bald wieder begegnen würde.

Una seufzte auf und nahm seine Hand. »Ich lasse dich nicht allein, Ennis. Egal was kommt, ich bin an deiner Seite.«

Dankbar schaute er sie an und wieder machte sich dieses warme, wohlige Gefühl in seiner Brust breit, welches er in der letzten Zeit ständig empfand, wenn Una ihn auf diese Weise ansah. Ennis drückte sanft ihre Hand. Sie war die Einzige, der er voll und ganz vertrauen konnte, das wusste er einfach. Er liebte sie und würde nie zulassen, dass ihr etwas zustieß.

»Bevor wir zu deiner Tante gehen, werden wir einkaufen. Das ist ja kein Zustand hier«, meinte sie ironisch, sah kurz zum Kühlschrank, dann wieder zu Ennis. »Im Kühlschrank herrscht gähnende Leere und im Vorratsschrank steht eine Dose Ravioli, die schon lange abgelaufen ist.« Amüsiert schüttelte sie den Kopf.

Ennis nickte, während er nach einem zweiten Donut griff, und zwinkerte ihr fröhlich zu.

Nachdem sie einkaufen waren und die Lebensmittel bei Ennis verstaut hatten, wollten sie sich gerade auf den Weg zu Fiona machen, als Unas Handy klingelte.

Sie schaute aufs Display. »Oje, mein Vater«, sagte sie seufzend und nahm das Gespräch an. »Hi, Dad«, begrüßte sie ihn mit fröhlicher Stimme, hörte ihm zu und nickte anschließend. »Ja, ich bin bei ihm.« Sie blickte zu Ennis hinüber, der die Stimme ihres Vaters als leises Gemurmel aus dem Telefon vernehmen konnte.

»Ich weiß, Dad, das war ein Fehler von uns. Wir hätten sie verbrennen sollen, aber wir mussten schnell von dort weg. Irgendwie ging alles drunter und drüber.«

Ihr Vater redete weiter eindringlich auf sie ein und auf einmal bekam Unas Gesicht einen erschrockenen Ausdruck. Mit großen Augen und hochgezogenen Brauen sah sie Ennis an.

»Was denn?«, flüsterte er und machte mit seinen Händen eine fragende Geste.

»Wie?«, fragte sie ihren Vater und ihre Stimme wurde auf einmal ganz laut. »Wir sollen zu einer Befragung ins Institut für Forensik kommen?«

Als Ennis das hörte, sah er mindestens genauso geschockt aus wie Una.

»Ach, diese Silvie Andersson will also mit jedem Jäger in der Stadt sprechen? Tut mir leid, aber auf uns wird sie leider verzichten müssen«, meinte sie kühl. »Es wäre auch besser, wenn du nicht hingehst, Dad, glaube mir.«

Im gleichen Moment klopfte es an Ennis Haustür. Wer konnte das denn jetzt sein, fragte er sich ein wenig ungehalten und ging, um zu öffnen. Draußen stand seine Tante. Sie hatte eine gerötete Nase und war gegen die Kälte dick angezogen. Der Winter wollte sich anscheinend immer noch nicht aus der Stadt verabschieden, was für Dubliner Verhältnisse ungewöhnlich war, denn schließlich war es schon März.

»Fiona«, rief Ennis überrascht und bat sie hinein. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen und einen Moment später stand sie im Wohnzimmer vor dem Kamin, in dem mittlerweile wieder ein wärmendes Feuer prasselte.

Una stritt in der Küche noch mit ihrem Vater am Telefon und so ging Ennis zu seiner Tante, die gerade herzhaft nieste.

»Gesundheit«, wünschte er ihr und holte aus einer Kommode eine Packung Taschentücher, die er ihr dann reichte.

»Danke, Ennis«, sagte sie, schnäuzte sich geräuschvoll und setzte sich auf die Couch. Ihr Neffe musste bei ihrem Anblick innerlich grinsen, denn mit ihrer weißen Kunstfelljacke und der ebenfalls weißen Pelzmütze sah sie aus, wie ein Eisbär. »Entschuldige, aber mich hat es erwischt«, meinte sie verschnupft.

»Das sehe ich«, erwiderte er und musste schmunzeln, während er sich neben sie setzte.

»Das ist nicht lustig, ich fühle mich miserabel.« Fiona sah Ennis missmutig an und tupfte sich die Nase ab.

»Was führt dich hierher, und das auch noch in diesem Zustand? Das war ja wie Gedankenübertragung, denn eigentlich wollten Una und ich gleich zu dir kommen. Wir waren quasi schon auf dem Sprung.«

Ohne Umschweife kam Fiona gleich zum Punkt: »Ich habe die Zeitung heute Morgen gelesen, Ennis. Die Frau, diese Dr. Andersson, sie ist vom Venatorium. Wenn sie von dir erfährt, nicht auszudenken, was dann passieren könnte!«

»Dieses verdammte Venatorium«, rief Ennis aufgebracht. »Das kann mir mal den Buckel runterrutschen!«

»Das sagst du so einfach, aber das ist es nicht.« Fiona sah Ennis eindringlich an. »Deswegen bin ich hier. Deine Mutter sowie dein Vater sind Ursprüngliche und das Venatorium weiß nichts von ihnen. Sobald ein Jäger ein Kind bekommt, muss das normalerweise dem Venatorium mitgeteilt werden, und das haben deine Eltern mit Sicherheit nicht getan. Also wissen sie dort auch nichts von dir, und sie dürfen es auch niemals erfahren. Deswegen musst du zu deinem Vater, Ennis. Nur dort bist du sicher.«

Jetzt war er auf hundertachtzig. Jeder wusste über alles Bescheid, nur er nicht. Er konnte nicht fassen, dass sogar seine Tante ihm alles verheimlicht und über all die Jahre die Unwissende gespielt hatte. »Du weißt also auch Bescheid«, entgegnete er mit mühsam erhaltener Selbstbeherrschung. Am liebsten wäre er aufgestanden und hätte seine Tante geschüttelt.

Fiona stutzte und sah ihn überrascht an. »Du weißt es also schon? Woher …?«

»Ja, ich weiß es schon, woher ist jetzt unwichtig«, antwortete Ennis unwirsch. »Aber dass du es all die Jahre wusstest und mir nichts gesagt hast, darüber bin ich ganz schön enttäuscht. Es tut weh, weil ich dir bedingungslos vertraue, Fiona.«

Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter und meinte: »Es tut mir so leid, mein Junge. Ich durfte dir nichts sagen. Deine Mutter und David haben mich darum gebeten.«

»Warum wollte mein Vater die ganze Zeit nichts von mir wissen, kannst du mir das wenigstens sagen?« Mit unterdrückten Tränen in den Augen sah er Fiona an. Seine Gefühle brodelten wie wild in ihm empor und er wusste überhaupt nicht mehr, wie er noch reagieren sollte. Die letzten drei Tage hatten sein Leben komplett auf den Kopf gestellt und damit musste er erst einmal fertig werden. Doch so schnell ging das leider nicht.

Fiona schüttelte langsam den Kopf und sah ihn mitfühlend an. »Das muss er dir selbst erklären.« Sie kramte einen Zettel aus ihrer Handtasche und reichte ihn ihrem Neffen. »Hier ist die Adresse, unter der du ihn finden kannst, und seine Telefonnummer.«

Ennis zögerte, bis Fiona schließlich seine Hand ergriff und ihm den Zettel hinein drückte.

»Geh zu ihm. Er hat dich ebenfalls zweiundzwanzig Jahre lang vermisst und will dir nur helfen«, appellierte sie leise und nickte Ennis aufmunternd zu.

Verzweifelt sah er Fiona in die Augen, die ihn daraufhin fest umarmte. Da bemerkte sie Una, die in der Tür stand und die beiden seufzend beobachtete. Fiona ließ Ennis wieder los und begrüßte sie lächelnd.

»Mein Vater besteht darauf, dass ich zu dieser Befragung gehe«, meinte Una niedergeschlagen.

Fiona stand auf und sagte entschlossen: »Wir gehen zusammen. Ich werde deinen Vater sowieso überzeugen müssen, dass er Ennis mit keinem Wort erwähnt.« Sie wandte sich wieder an ihren Neffen. »Geh zu David. Hab keine Angst, mein Junge.«

»Ich will aber bei Ennis bleiben«, rief Una ungehalten. »Schau ihn dir doch an, er ist vollkommen durch den Wind. Was er in den letzten Tagen alles erfahren hat, haut doch den stärksten Bullen um!« Sie schüttelte vehement den Kopf. »Ich lasse ihn nicht allein, ich habe es ihm versprochen«, meinte sie bestimmt und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ennis stand auf, ging schnell zu ihr hinüber und nahm sie in seine Arme. »Ist schon in Ordnung«, flüsterte er beschwichtigend und strich ihr sanft übers Haar. »Du musst gehen, sonst würde es umso mehr auffallen. Wir wollen doch nicht, dass diese Schwedin Verdacht schöpft. Du und Fiona müsst nur deinen Vater dazu bringen, kein Wort über mich zu verlieren.« Beim letzten Satz schaute er bittend zu Fiona und nickte ihr auffordernd zu.

Una klammerte sich an ihn und sah besorgt zu ihm auf. In ihren großen, blauen Augen konnte Ennis genau lesen, wie sehr sie ihn liebte. Er küsste seine Freundin, und es kümmerte ihn nicht im Mindesten, dass Fiona direkt danebenstand.

»Wusste ich es doch«, grinste seine Tante erfreut, bis ihr Körper von einem lautstarken Niesen erschüttert wurde.

Ennis und Una fuhren auseinander, denn dieses Geräusch raubte der Situation jede Romantik. Nur widerwillig löste sich Una schließlich ganz von ihm. Ennis küsste sie noch auf die Nasenspitze und für einen Moment verschwand der besorgte Ausdruck aus ihrem Gesicht.

»Los, zieh deinen Mantel an und dann verschwindet alle beide. Ich komme schon zurecht«, sagte er leise.

Fiona stand abwartend in der Tür während Una ein Ich liebe dich mit ihren Lippen formte und Ennis zärtlich ansah, der ihre Worte mit der gleichen Geste erwiderte. Dann zog Una endlich ihren Mantel an und schon waren sie und Fiona verschwunden.

* * *

Ennis atmete tief ein. Mutlos holte er den Zettel aus seiner Hosentasche und las die Adresse. Er kannte sie. Es war ein kleines Theater, welches in einem abgelegenen Teil der Stadt lag und seine Blütezeit schon lange hinter sich hatte. Soweit Ennis wusste, gab es dort auch keine Aufführungen mehr. Anzurufen traute er sich nicht, das fand er zu unpersönlich, so legte er seinen Waffengürtel um und zog eine Daunenjacke über.

Während er noch seine Lederhandschuhe überstreifte und versuchte, sein klopfendes Herz zu beruhigen, blickte er in den Garderobenspiegel. Seufzend betrachtete er sein blasses Gesicht, das ihm fast schon gelassen entgegensah. Erleichtert stellte er fest, dass er seinen inneren Aufruhr äußerlich gut verbergen konnte, obwohl er in wenigen Minuten wahrscheinlich dem Mann gegenüber stehen würde, der sein Vater war. Nach zweiundzwanzig Jahren hatte er schon nicht mehr an die Möglichkeit geglaubt, ihn je kennenzulernen und jetzt war es wohl so weit.

Und da gab es noch eine Blutfee, die hinter ihm her war und das Venatorium durfte nichts von ihm erfahren. Angesichts dieser Gefahren schien der einzig sichere Platz bei David Hughes zu sein, also musste er zu ihm, ob er wollte oder nicht. Vor zehn Jahren hatte er seine Mutter verloren, aber jetzt hatte er endlich den Mann gefunden, nach dem er sich sein Leben lang gesehnt hatte: seinen Vater.

Er drehte dem Spiegel den Rücken zu und verließ sein Haus.

Ennis stellte seinen Wagen auf einem Parkplatz gegenüber des Theaters ab und lief dann über die Straße zum Haupteingang. Er rüttelte an den Türen, doch sie waren verschlossen. Anscheinend war niemand da. Das Gebäude hätte dringend einen neuen Anstrich gebraucht, das bemerkte er gleich, als er sich genauer umsah. Die großen Schaufenster und Türen waren jedoch blitzblank. Er wusste nicht, wie er jetzt vorgehen sollte, vielleicht musste er doch die Nummer auf dem Zettel anrufen.

Auf einmal hörte er jemanden rufen. »Hey, Sie!«

Ein hagerer Mann kam aus einer Seitengasse neben dem Theater heraus. »Sind Sie Ennis MacKenna?«, fragte er mit starkem Akzent, den Ennis nicht zuordnen konnte.

Zur Antwort nickte Ennis nur.

»Rutov ist mein Name, ich bin hier so etwas wie der Hausmeister. Kommen Sie mit. Sie werden schon erwartet.«

Ennis folgte dem Mann in die Seitengasse und dann betraten sie durch einen Nebeneingang das Theater. Rutov schloss wieder sorgsam hinter ihnen zu und stampfte mit den Füßen auf den Boden, um den Schnee von den Schuhen zu klopfen. Ennis tat es ihm nach.

»Ziemlich viel Schnee für irische Verhältnisse«, meinte Rutov lächelnd und entblößte eine Reihe gelber Zähne.

»Ja, das ist wirklich sehr ungewöhnlich«, erwiderte Ennis steif. Irgendwie fühlte er sich in der Gegenwart dieses Mannes unwohl.

»Bitte hier entlang.« Der Mann machte eine Geste mit der Hand, um Ennis den Weg zu zeigen. »Ich bringe Sie zur Privatwohnung des Chefs.«

Die beiden gingen durch das Foyer, an der Kasse vorbei und dann durch die Garderobe.Am hinteren Ende befand sich eine Tür, die in ein Treppenhaus führte.

Das Innere des Theaters sah gar nicht so verwahrlost aus, wie es von außen schien. Alles wirkte hell und frisch renoviert. Der Hausmeister hielt Ennis die Tür auf. »Gehen Sie nur nach oben und klingeln Sie dann.« Er drehte sich auf dem Absatz um und ließ ihn einfach dort stehen.

Leicht verwundert sah Ennis ihm noch einen Moment nach und stieg dann die Treppe hinauf. Der Geruch von altem Gemäuer hing in der Luft und die Treppenstufen knarrten unter seinem Gewicht.

Dann war er oben angekommen und stand in einem kleinen Flur. Mit zwei Schritten war er bei der Tür. Er fand eine Klingel, sah aber kein Namensschild. Sein Herz klopfte wie wild in seiner Brust. In den nächsten Sekunden würde er endlich seinen Vater kennenlernen.

Ennis streckte den Finger aus, zögerte einen Moment, holte dann tief Luft und drückte den Klingelknopf.