Feenblut

Aileana Blair · Kapitel 11 von 16

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Feenblut

Elf

 

 

Shane, Ira und Deacon betraten das forensische Institut, nachdem sie die verriegelte Eingangstür eingetreten hatten. Glas splitterte und sie überwältigten den Security-Mitarbeiter, der dort Nachtdienst hatte. Shane packte ihn am Kragen, während Deacon ihm von hinten die Arme mit seinen eigenen Handschellen fesselte, ihm seine Waffe, das Handy und das Funkgerät abnahm.

»Wo finden wir denn Frau Dr. Andersson?« Shanes Stimme klang übertrieben freundlich, aber der gefährliche Unterton darin war nicht zu überhören.

»Sie ist nicht hier«, gab der Wachmann knapp zur Antwort und Angstschweiß stand ihm auf der Stirn.

»Wo ist sie dann? Oder muss ich die Antwort aus dir heraus prügeln?«

»Ein Block von hier, die große Villa ...«, presste der Mann hervor, da Shane ihm langsam die Luft abschnürte.

»Dann machst du jetzt mit uns einen kleinen Ausflug«, meinte Shane und zog ihn am Arm mit sich.

Deacon schubste den Mann von hinten und trat ihm in die Hacken. »Beweg dich Freundchen!«

Ira ging vor. Sie hielt mit einer Hand ihr Schwert, das in der Scheide an ihrem Gürtel hing. Sie liefen circa fünfzehn Minuten, dann standen sie vor einem videoüberwachten, eisernen Tor, das zu der zweistöckigen Villa führte, die in der Dunkelheit nur an den erleuchteten Fenstern zu erkennen war.

Deacon zog sein Messer und hielt es von hinten an die Kehle des Wachmannes. Shane drückte den Klingelknopf. Es knisterte kurz und dann ertönte eine männliche Stimme.

»Was soll das?«, blaffte es aus der Gegensprechanlage. Anscheinend hatte man sie durch die Videokamera gesehen.

»Wir möchten Dr. Andersson einen Besuch abstatten«, meinte Shane im Plauderton.

»Dr. Andersson hat sich schon zurückgezogen. Kommen Sie Morgen wieder, und zwar ohne Geisel.«

»Wie fänden Dr. Andersson es wohl, wenn vor ihrer Villa eine Leiche gefunden würde? Wenn die Garda und jede Menge Presse hier herumlungert und sie in den 'Breaking News' Rede und Antwort stehen muss? Ich glaube, die liebe Dr. Andersson fände das gar nicht lustig. Und jetzt öffnen Sie gefälligst das Tor und teilen ihr mit, dass sie Besuch hat.«

»Verdammt – «, fluchte die Stimme leise in der Gegensprechanlage. »Einen Moment.«

Ira streckte die Nase in die Luft und schnüffelte. »Riecht ihr das auch?«

Shane und Deacon nickten. »Eine von den Feen befindet sich garantiert hier«, meinte Deacon, der immer noch den Wachmann mit dem Messer bedrohte.

Es summte und das Tor wurde geöffnet. Sie hörten, wie jemand die Wachhunde zurückpfiff und machten sich auf den Weg über die Kieselsteinauffahrt.

Am Eingang angekommen, wurden sie von zwei Wachmännern erwartet. »Lassen Sie die Geisel gehen!«, verlangte einer von ihnen.

»Wo ist Dr. Andersson?«, fragte Shane und stellte sich direkt vor die Wachmänner. Dass einer ein geladenes Gewehr im Anschlag hatte, interessierte ihn herzlich wenig.

Ira blieb einen Schritt hinter Deacon und der Geisel.

»Sie wird nur mit Ihnen reden, wenn Sie den Mann gehen lassen«, gab der Wachmann mit dem Gewehr zur Antwort.

»Tja«, entgegnete Shane und blickte kurz hinter sich zu Deacon und Ira, dann wieder zu dem Wachmann. »Was machen wir denn da bloß?«

»Hey!«, rief die andere Wache plötzlich. Ira war blitzschnell bei ihm und hatte ihn an der Kehle gepackt. Ihr Schwert piekste sie ihm in den Bauch, nicht tief, aber so, dass er es spürte.

Der Wachmann mit dem Gewehr im Anschlag drehte den Kopf, um zu sehen, was da vor sich ging. In dem Moment schoss Shane nach vorne, ergriff das Gewehr, zog es mit einem kräftigen Ruck nach hinten und entwaffnete so den Mann. Das Gewehr warf er von sich, packte dessen Arm und verdrehte ihn schmerzhaft auf seinem Rücken. Der Wachmann schrie auf.

»Und jetzt gehen wir alle zu Dr. Andersson«, raunte Shane dem Wachmann ins Ohr.

Sie gingen ins Haus. Ein weiterer Wachmann schaute sie verstört und perplex an, ließ sie aber passieren, ohne etwas zu unternehmen. Sie gingen durch die große Eingangshalle auf eine Treppe zu und liefen hinauf. Dann bogen sie nach rechts in einen Flur.

»Uuuh ...«, stöhnte Ira und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. »Hier stinkt´s aber gewaltig nach Fee.«

Deacon und Shane rümpften ebenfalls ihre Nasen. Der Wachmann, den Shane im Schwitzkasten hatte, hielt vor einer Tür an. »Dort drin«, presste er hervor.

»Gut. Vielen Dank für Ihre Kooperation«, erwiderte Shane und schlug ihn mit einem Schlag K.O. Deacon tat das selbe mit seiner Geisel.

Shane sah zu der Wache, die noch von Ira festgehalten wurde.

»Bitte nicht ...«, bettelte er und in seinen Augen stand Angst.

Shane schnappte sich den Mann und zog ihn grob bis vor die Tür. »Öffnen«, befahl er ihm.

Der Mann drückte die Klinke und die Tür schwang auf. Shane schob ihn unsanft hindurch und betrat dann selbst das Zimmer. Deacon und Ira folgten ihm.

Das Zimmer war groß und in hellen Tönen eingerichtet. Am hinteren Ende, direkt vor dem Fenster, stand ein Bett. Aileána lag darin mit geschlossenen Augen. Daneben saß Dr. Andersson in einem bequemen Stuhl. Im ganzen Zimmer brannten nur einige Kerzen, deren flackernder Schein alles in ein diffuses Licht tauchte. Dr. Andersson erschrak, als sie eintraten, stand auf und eilte auf die vier zu.

»Was wollen Sie hier?«, zischte sie. Dann blaffte sie den Wachmann noch an. »Mayhan, hatte ich Ihnen nicht gesagt, dass ich keine Störung wünsche?«

Der Wachmann antwortete nicht, das übernahm Shane. Er packte Dr. Andersson am Arm. »Was wird hier eigentlich gespielt?«, knurrte er. »Sie werden jetzt auspacken. Wo ist Ennis MacKenna?«

Silvie Andersson blickte in Shanes Gesicht und presste die Lippen fest aufeinander.

»Wird´s bald!«, forderte er laut.

»Bitte«, flehte Dr. Andersson, ihre Augen blickten kurz in Richtung Aileána. »Sie ist verletzt. Ich weiß nicht, wie ich ihr helfen kann.«

»Um so besser«, meinte Shane. »Dann sind diese Biester also doch nicht so unsterblich.«

Ira lief vorsichtig zum Bett und betrachtete die Blutfee neugierig. Aileána hatte mittlerweile die Augen aufgeschlagen und sah sie an. Ira holte erschrocken Luft und machte einen Schritt zurück.

Die Fee hielt die Hände über ihren Bauch, direkt auf der Wunde, welche mit einem Verband versorgt worden war. Doch es half nicht viel, schwarzes Blut war überall zu sehen und es rann durch Aileánas Finger.

Ira trat schnell vom Bett weg, dieses Wesen flößte ihr eine unbestimmte Angst ein.

»Slayer ...« Flüsternd drang Aileánas Stimme an ihr Ohr. Der Feengeruch verstärkte sich auf einmal und erfüllte den ganzen Raum.

Ira sah wie gebannt auf die Fee, die eine Hand nach ihr ausstreckte. Sie trat noch weiter zurück, Deacon ging zu ihr und stellte sich schützend vor sie. Seine Augen blitzten Aileána gefährlich an und seine Kräfte waren voll aktiviert.

Ängstlich sah Dr. Andersson von Shane zu Ira und wieder zu Shane. »Ihr solltet nicht hier sein, ihr seid Ursprüngliche. Sie …«, doch weiter kam sie nicht.

Blitzschnell war Aileána auf den Beinen und hatte Deacon gepackt. Er konnte Ira gerade noch von sich schubsen, die sich stolpernd hinter Shane und Silvie Andersson in Sicherheit brachte.

Mit einem zufriedenen Stöhnen riss Aileána den Mund auf und biss zu. Deacon wehrte sich, wollte sie von sich stoßen, doch die Fee hatte ihn fest im Griff.

Shane ließ Dr. Andersson los und wollte Deacon helfen. Er rannte zu ihm, zog währenddessen sein Messer und stach damit auf Aileána ein.

Die hob den Kopf, Deacons Blut tropfte von ihrem Kinn und sie stieß Shane mit einer Hand von sich. Er prallte gegen die Wand, verlor dabei sein Messer und fiel zu Boden.

Silvie Andersson schlug entsetzt eine Hand über den Mund und ging rückwärts auf die Tür zu.

»Ah... Slayerblut!«, rief Aileána wie in Ekstase und schlug wieder die Zähne in Deacons Hals. Sie riss seinen Kopf brutal nach hinten und biss noch einmal zu. Sein Hals war nur noch eine klaffende Wunde und sie nahm jeden Schwall, der hervorquoll in sich auf. Deacons Kräfte schwanden, er konnte sich nicht mehr wehren, seine Knie sackten ein.

»Nein!«, brüllte Shane, rappelte sich auf und warf sich wieder auf die Blutfee.

Ira senkte den Kopf und ihre Jägerkräfte waren voll aktiviert. Sie fokussierte sie auf Aileána und versuchte sie zu schwächen, doch es gelang ihr nicht wirklich. Auf einmal fühlte sie eine Hand in ihrer. Silvie Andersson stand neben ihr und sie konnten ihre Kräfte vereinen. Aileána merkte es und schrie auf, doch Shane hatte ihren Hals mit seinem Arm umschlungen und drückte zu, so fest er konnte. Mit der anderen Hand zog er ihren Kopf nach hinten und versuchte, ihr das Genick zu brechen.

Aileána musste Deacon loslassen, der daraufhin bewusstlos auf den Boden sackte. Blut lief aus seinem Hals und bildete eine dunkelrote Lache auf dem Boden.

Geistesgegenwärtig sprang Mayhan vor, zog Deacon ein Stück zu sich heran und presste die Hand an seinen Hals. »Oh mein Gott«, rief er. »Die Wunde ist zu groß. Ich kann die Blutung nicht stoppen!« In Windeseile zog er seine Jacke aus, dann sein Hemd und presste es auf Deacons Hals, in der Hoffnung, dass es irgendwie half.

Shane ließ nicht locker. Sein Griff war eisern und er versuchte weiter, der Fee das Genick zu brechen. Sie war mittlerweile ziemlich schwach, aber noch nicht schwach genug. Sie griff nach Shanes Arm und versuchte seinen Griff zu lösen. Der keuchte vor Anstrengung und ließ nicht locker.

Aileána beugte sich mit einem Ruck nach vorne, Shane verlor den Halt und sie konnte sich befreien.

»Dein Freund hat mir das Leben gerettet«, flüsterte sie, wischte sich mit der Hand Deacons Blut vom Mund und leckte es sich von den Fingern. Dabei sah sie Shane mit einem gefährlichen Lächeln an, drehte sich um und war aus der Balkontür verschwunden.

Shane lief sofort zu Deacon. Der Wachmann presste sein Hemd immer noch auf die Wunde am Hals. Das Hemd triefte mittlerweile von seinem Blut und Shane flüsterte: »Nein, nein, Kumpel bleib bei mir.« Er nahm Deacons Kopf und legte ihn auf seinen Schoss.

Ira kam angerannt, mit Tränen in den Augen. »Deacon!«, schluchzte sie.

Der Wachmann fühlte Deacons Puls am Handgelenk. Dann setzte er sich zurück und schüttelte langsam den Kopf.

Shane sah ihn verzweifelt an, dann beugte er seinen Kopf und schloss die Augen. Deacon war tot.

* * *

Mark stand auf einem Hausdach und beobachtete die Passanten, die unten entlang liefen. Er hatte vorhin von einer Nachtwandlerin getrunken und so wenigstens seinen Hunger gestillt.

Er sah immer noch Kaylas Gesicht vor sich, konnte ihren traurigen Ausdruck einfach nicht vergessen und sehnte sich jetzt noch mehr nach ihr. Er blickte in den sternenklaren Nachthimmel hinauf. Kleine Atemwölkchen bildeten sich vor seinem Mund, doch die Kälte machte ihm nichts aus, im Gegenteil. In seinem Inneren fühlte es sich genauso kalt an.

Er legte eine Hand auf sein Jägermal, direkt über dem Herzen. Es schlug nicht, kein rhythmisches Pochen dort, wo es war. Kaylas Herzschlag konnte er immer noch hören, es hatte vorhin wie wild in ihrer Brust getrommelt, als sie so verzweifelt vor ihm gestanden hatte.

Mark blickte über die Dächer Dublins, die Lichter der Stadt erhellten den Himmel und die Nacht war klar. Er musste Aidan ausfindig machen. Mit geschlossenen Augen reckte er sein Gesicht gen Himmel, nahm Witterung auf und setzte all seine Sinne ein. Er wusste auch, dass Ennis nicht mehr hier war, nicht der kleinste Hauch seines Geruchs war auszumachen.

Die Geräusche und Gerüche der Stadt stürmten auf Mark ein und er nahm sie in sich auf, sortierte sie aus und konzentrierte sich nur auf einen bestimmten. Da war er – Honig und Butter. Er hielt ihn fest und machte die Richtung aus, es gab ihn nur einmal in der ganzen Stadt, und Mark ging jede Wette ein, dass es Aidan war. Die Feen rochen alle gleich, aber seine empfindliche Nase konnte den ganz feinen Unterschied erkennen. Er drehte den Kopf nach links und dann sprang er einfach vom Dach, kam mit den Füßen auf dem Asphalt auf und federte den Sprung ab. Mit Aidans Geruch in der Nase setzte er sich in Bewegung. Mark lief schnell und ließ sich durch nichts ablenken.

Una hatte endlich aufgehört zu schluchzen, sie saß noch immer neben Fiona, die sie so gut es ging, zu trösten versuchte. Nachdem die anderen gegangen waren, hatte sie endlich die Kraft gefunden, sich zu beruhigen.

Kayla kam sichtlich aufgelöst wieder zurück und hatte mit Tränen in den Augen neben ihr Platz genommen. Das Feuer prasselte im Kamin und verströmte eine angenehme Wärme. Sie blickte zu Una, die sie mitfühlend ansah. »Ich vermisse ihn so sehr«, flüsterte sie, schluckte und klopfte mit ihren Händen gegen die Brust. »Hier drin, da ist ein so großer Schmerz, als ob ein Stück von mir herausgerissen wurde. Mark ist die Liebe meines Lebens, und ich will ihn wieder haben.«

Una nickte, sie wusste genau, was Kayla fühlte. Ennis war verschwunden, fort. Entführt von dieser Blutfee, die wer weiß was mit ihm anstellte. Vielleicht war er schon tot. Wahrscheinlich hatte die Fee sein Blut getrunken und ihn dabei umgebracht, oder sie hielt ihn gefangen, und trank nur immer so viel, dass er gerade noch am Leben blieb. Una war völlig verzweifelt, weil sie auch noch dabei gewesen war, als es passierte. Doch sie hatte nichts unternehmen können, weil sie unter dem Bann der Fee gestanden hatte, nicht mehr gewusst hatte, wer und wo sie war. Dieses Gefühl war furchtbar gewesen. Jetzt verspürte sie genau dasselbe Loch in ihrer Brust, von dem Kayla eben gesprochen hatte. »Ich habe Angst um Ennis«, erwiderte Una. »Wir wissen nicht, wo er ist und was mit ihm geschieht. Was wenn er schon tot ist? Das würde ich nicht aushalten.« Jetzt schluchzte Una doch wieder.

Kayla drückte ihre Hand. »Wir werden ihn finden. Mark hat es versprochen, und er hält seine Versprechen immer. Wenn jemand Ennis finden kann, dann er.« Sie nickte bekräftigend.

Una sah Kayla traurig an. »Weißt du, was das Schlimmste ist? Das ich hier sitzen muss und überhaupt nichts tun kann. Nichts!«

Kayla nickte zustimmend. Damit hatte Una verdammt recht. Diese Hilflosigkeit war schlimmer, als alles andere.

Fiona stand hinter David, der am Schreibtisch saß und auf seinem Laptop herum tippte. »Warum willst du mit dem Venatorium Kontakt aufnehmen? Haben die uns schon irgendwann einmal geholfen? Die arbeiten doch nur für ihre eigenen Zwecke«, schnaubte sie wütend. »Denk doch mal an Jane, sie hat sich ihr Leben lang vor ihnen versteckt.«

»Fiona, bitte –«

»Wir müssen Ennis finden, und zwar schnell. Oder willst du auch noch deinen Sohn verlieren?«

David schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, »Fiona, hör auf!«, stieß er wütend hervor.

Sie erschrak, als David so ungehalten reagierte und bereute ihre Worte sogleich. »Entschuldige David, aber mir liegen die Nerven blank.«

Er sah sie an und entgegnete leise: »Denkst du, mir nicht? Bist du allen Ernstes der Meinung, dass ich mir keine Sorgen mache? Was meinst du, wie ich mir vorkomme, hier so untätig sitzen zu müssen und nichts unternehmen zu können? Mark wird Ennis finden, glaube mir. Wenn das einer kann, dann er, aber solange will und kann ich nicht einfach nutzlos herumsitzen.«

Una und Kayla schauten besorgt zu den beiden hinüber. »Meinst du wirklich, das Venatorium kann uns irgendwie helfen?« Fragend hob Kayla die Augenbrauen.

»Ich werde es versuchen«, entgegnete David.

Dann erklang ein Ton und ein Fenster öffnete sich auf dem Monitor. Ein älterer Mann mit einem weißen Bart erschien. Als er David erkannte, erhellte sich sein Gesicht. »David Hughes, alter Freund«, erklang seine Stimme.

»Patrick O´Donnell«, begrüßte David ihn. »Danke, dass du zu so später Stunde noch Zeit für mich hast.«

»Für einen alten Jugendfreund doch immer«, lachte Patrick. »Wo drückt denn der Schuh?«

Als er ihm alles erklärt hatte, war Patrick leicht geschockt. »Du bist ein Ursprünglicher?«, fragte er ungläubig. »Wer hätte das gedacht?« Dann meinte er: »Diese Dr. Silvie Andersson ist uns schon lange ein Dorn im Auge. Setzt sich über Regeln hinweg, macht alles im Alleingang. Wir dachten nur die ganze Zeit, dass sie keinen großen Schaden anrichten könnte. Leider war das ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellt. Es muss etwas gegen sie unternommen werden.«

Fiona, Una, Kayla und David hörten ihm gespannt zu.

»Leider kann ich euch mit den Feen nicht weiterhelfen. Wir wissen so gut wie nichts über sie. Die ganze Zeit wurde angenommen, dass sie in unserer Welt nicht mehr existieren.« Er schüttelte bedauernd den Kopf.

»Weißt du vielleicht, was diese Silvie Andersson eigentlich bezweckt? Sie scheint dieser Blutfee – Aileána – zu helfen.«

»Aileána?« Erschrocken zog Patrick die Luft ein.

»Ja, Kayla hat sie mit eigenen Augen gesehen. Ennis hat versucht, gegen sie zu kämpfen.«

Patrick schüttelte wieder den Kopf, »Du meine Güte. Ein Jäger, und sei er noch so ursprünglich, hat kaum eine Chance gegen ein solches Wesen.« Er sah David fest in die Augen. »Ich setze alle Hebel in Bewegung, damit ihr euch unbehelligt bewegen könnt und werde den Ältestenrat konsultieren. Vielleicht können sie auch helfen.«

David nickte. »Danke, mein Freund, ich danke dir von Herzen. Wir wollen nicht mehr aus lauter Angst vor dem Venatorium im Verborgenen sein. Wir sind zwar die stärksten Jäger, die es gibt, aber auch nur normale Menschen, die irgendwann an ihre Grenzen stoßen.«