Unter Palmen und Buchen: Zweiter Band

Friedrich Gerstäcker · Kapitel 7 von 18

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Unter Palmen und Buchen: Zweiter Band

Sechstes Capitel. Der Succurs.

ausliefern, um den S t a a t für etwaige entstehende Unkosten zu decken.«

»Ich verstehe,« sagte die Señora kalt. — »Sie haben volle Freiheit hier, Señor

—«

»Wo ist der Mulatte, der da noch eben in der Thüre stand?«

»Haben Sie Auftrag, auch i h n wegen Hochverrathes zu verhaften?« fragte die

junge Frau mit einem bitteren Lächeln.

Fosca schritt rasch der kleinen Hinterthüre zu, aber der Mulatte war

verschwunden und über die schwanken Bambusstäbe, die da draußen die Brücke

zu dem Hintergebäude bildeten, wagte er nicht, ihm zu folgen. Ohne Weiteres

machte er sich dagegen über die wenigen Schränke her. Von dem Bette riß er ein

Tuch herunter und breitete es auf den Boden, dann warf er darauf, was ihn des

Mitnehmens werth dünkte, band es zusammen und gab es einem der Soldaten

zum Tragen. Aber er schien noch nicht befriedigt, denn er hatte bis jetzt kein

baares Geld gefunden und wandte sich deshalb an die Frau.

»Nehmen Sie, was Sie finden,« sagte diese verächtlich, »und verlangen Sie nur

nicht, daß ich Ihnen suchen helfe. — Ich wüßte übrigens nicht, daß der Staat

seine Beamten zum P l ü n d e r n in die Häuser schickt.«

Fosca durchwühlte noch eine Zeitlang alle Fächer, aber die Zeit mochte ihm

selber dabei zu lang währen. Vor Allem mußte er seine Gefangenen an Bord und

in Sicherheit schaffen — nachher konnte er ja noch immer hierher zurückkehren.

Indessen beorderte er zwei von den Soldaten, auf Wacht zu bleiben und

Niemanden hinauf zu lassen. Zwei Andere trugen indessen den Gefangenen zur

Treppe, wo andere standen, sie zu unterstützen. Aber Ramos richtete sich hier

auf und stieg selber die Stufen hinab. Widersetzlichkeit hätte auch nichts

geholfen und ihn selber nur den Mißhandlungen der Buben ausgesetzt.

Vor dem Hause hatten sich indeß eine Menge von Menschen versammelt, und

untereinander flüsterten die Leute und bedauerten die arme Frau und das Kind,

aber Niemand wagte ihnen thätlich beizustehen. Wer konnte auch wissen,

welches furchtbare Verbrechen die Beiden begangen hatten!

 

S e c h s t e s C a p i t e l .

 

Der Succurs.

 

»Hallo, Renard! Noch dunkel hier?« riefen die erst Eintretenden den Franzosen an. — »Was, zum Teufel! treibt Ihr? Ist das Oel ausgegangen?«

»Einen Augenblick, Señores, einen Moment nur!« rief Renard, geschäftig um

seinen Ladentisch herumeilend, um Licht zu machen, denn die eine düster

brennende Lampe erhellte den Raum nicht zum dritten Theil. »Bin ja selber erst

jetzt nach Hause gekommen. Alle Wetter! An solchen Tagen kann man doch

nicht daheim sitzen und die Welt eben treiben lassen was sie will.«

»Unseren Alkalden begreife ich nicht, daß er diesen — Señor hier nach

Herzenslust wirthschaften läßt,« riefen die Vordersten, als sie von der Frontthüre

aus das Haus betraten. — »Es ist schändlich, die arme Frau so zu behandeln.

D i e hat doch wahrhaftig keinen Hochverrath begangen.«

»Q u i e n s a b e , c o m p a ñ e r o « sagte ein Anderer. »Es passiren wunderliche Dinge in

der Welt, und was hätten wir machen wollen? Uns der neuen Regierung

widersetzen? — Eine hübsche Bande von Soldaten haben sie mitgebracht und

was für ein Gewissen hätten sich d i e Kerle daraus gemacht, unter uns hinein zu

schießen. Renard, ein Glas von Eurem besten Cognac. Mir ist die Geschichte in

den Magen gefahren, und ich muß sie hinunterspühlen.«

»Was ist denn vorgefallen, Señores?« fragte Renard neugierig gemacht, indem er

die beiden Oellampen rasch angezündet hatte und die Cognacflasche mit Gläsern

auf den Ladentisch stellte.

»Ach was? Nichts!« sagte der Postmeister, der von der andern Seite kam. —

»Mir auch die Flasche! Nichts, als daß sie diesen Señor Ramos endlich abgefaßt

haben und ihn nun mit nach Buenaventura nehmen. Ich habe dem Burschen nie

getraut, denn er that immer viel zu geheimnißvoll und wollte mit Keinem von

uns Umgang haben.«

»Aber was hat die Frau damit zu thun, Don Gaspar?« redete ein anderer den

Postmeister an. »Die und das arme Kind auf ihren schmierigen Schooner und

zwischen all' das Gesindel zu schleppen, ist doch mehr als grausam und der

Präsident weiß sicher nichts davon.«

»Was geht's uns an? Das ist i h r e Sache!« brummte der noch vor wenigen

Stunden so wüthende Nationalitätsvertheidiger. — »W i r haben genug mit

unseren eigenen Angelegenheiten zu thun.«

»Hülfe, Señores! Hülfe um des Himmels Erbarmen Willen!« rief ein junger

Mulattenbursche, der in die Thüre gestürzt kam und sich verstört in dem Raume

umsah. — »Meinen armen Herrn, meine arme Señora und das kleine liebe Kind

haben sie fortgeschleppt und wollen sie in's Gefängniß stecken! O, helfen Sie,

helfen Sie! Señor Ramos so ein guter, braver Mann — so eine gute, brave und

schöne Dame! Es ist ja schrecklich!«

»Ach was! Mache daß Du fortkommst, Braunfell!« schrie ihn der Postmeister an, der übrigens nicht v i e l lichter war wie Jener selber. »Wenn Deine

Herrschaft nichts verbrochen hat, wird ihr auch nichts geschehen, und h a t sie

sich etwas eingebrockt, nun gut, dann bekommt sie jetzt Gelegenheit es

auszuessen.«

»Es ist eigentlich eine wunderbare Geschichte, Don Gaspar,« sagte ein Mann,

der einen kleinen Schooner hatte und mit diesem gewöhnlich Fahrten zwischen

der Insel und den übrigen Küstenstrichen machte, »daß man den Ramos

einsteckt, der beim Ansegeln der Fahrzeuge ruhig in seinem Hause saß, und

E u c h frei laufen ließ, der Ihr die Mannschaft nicht allein gegen den Usurpator

— wie Ihr ihn nanntet — aufgeboten, nein, sogar Eure furchtbare Kanone auf

die F e i n d e abgefeuert habt und jetzt seid Ihr auf einmal ein Herz und eine

Seele mit der Gesellschaft —«

»Kümmert Euch um Euch selber!« rief Don Gaspar, dem das Gespräch nicht

angenehm zu sein schien. — »So lange wir noch nicht wußten, daß wir es mit

einer rechtmäßigen Regierung zu thun hatten, waren es unsere Feinde, und ich

glaube, ich habe bewiesen, daß ich mein Leben und Blut für mein Vaterland

wagen kann. Wie aber die Sache jetzt steht, mit einem wirklichen Regierungs-

Commissair an Bord, der ordentliche Vollmacht vom Präsidenten hat —«

»Die aber noch Keiner von uns zu sehen bekommen,« unterbrach ihn der Andere

wieder.

»Er braucht sie auch nicht J e d e m unter die Nase zu reiben!« rief der kleine

Mann ärgerlich, »und wir sollten froh sein, daß wir endlich geregelte

Verhältnisse bekommen, denn diese ewigen Revolutionen bringen uns nur hier

Gefahr und können uns nie etwas nützen.«

»Schöne geregelte Verhältnisse das,« sagte der Erste wieder, »wenn man

friedliche Familien Nachts aus ihren Häusern holt und auf das erste beste Schiff

schleppt!«

»Verbrecher müssen auch wie Verbrecher behandelt werden,« rief Don Gaspar,

sein ausgetrunkenes Glas auf den Tisch stoßend. »Ehrliche Leute haben sich

weder davor zu fürchten, noch sich darum zu kümmern.« Und seinen Hut auf

das eine Ohr schiebend verließ er rasch das Haus.

»E h r l i c h e Leute!« lachte der Schoonermann hinter ihm her. — »Prachtvolle

ehrliche Leute, die, alle Beide! — Weil der eine Lump Steuerdefraudationen

begangen hat, mußte er bei Nacht und Nebel fort von hier, und weil er den

Anderen nicht verrathen, muß der jetzt durch Dick und Dünn mit ihm, wenn er

sich nicht selber an den Pranger stellen will.«

»O h p o r a m o r d e D i o s , helft meiner armen Herrschaft!« bat der Mulatte noch

einmal. — »Hat mein armer Herr jemals einen Menschen gekränkt? — Hat die gute liebe Dame nicht vielen, vielen Armen Wohlthaten erzeigt, und war sie

nicht immer l i e b und freundlich gegen Jeden, Jeden?«

»Ja, mein braver Bursche,« sagte der Schoonermann, »das ist Alles recht schön

und gut, aber so viel ich weiß, haben sie sie schon an Bord des Schiffes und was

können w i r da machen?«

»Ach nein, Señor,« rief der Mulatte rasch, — »das Boot war abgefahren —

Señor Fosca konnte nicht fort — er war sehr böse und hat sie jetzt so lange unter

das Haus des Alkalden gethan — einen Platz, wo sich sonst die Kühe und

Schweine aufhalten. — Meine arme, arme Señora!«

Stimmen wurden laut draußen und sechs oder acht der Schiffssoldaten drangen

in den Raum.

»Hallo, Señores!« sagte Monsieur Renard. — »Was wünschen Sie? Auf der Jagd

nach Hochverräthern, wie?«

»Ein Officier ist von unserem Schiff entflohen,« sagte der Eine der Leute barsch,

»ein Franzose, einer von Euren Landsleuten und wir sollen hier nachsuchen, ob

er sich nicht in Eurer Wohnung aufhält. Ist er da, so gebt ihn heraus, denn er

kann nicht fort. Unsere beiden Boote kreuzen an der anderen Seite und wir

müssen ihn wieder haben. Almirante hat 50 Dollar geboten, wer ihn

wiederbringt.«

»P e s t e !« murmelte Monsieur Renard leise zwischen den Zähnen, während die

übrigen Gäste den Laden verließen, um mit dem braunen wilden Volk in keine

Berührung zu kommen. — »Aber, Señores, hier ist er nicht, so viel sehen Sie, er

müßte sich denn während meiner Abwesenheit o b e n versteckt haben. Bitte,

gehen Sie hinauf und durchsuchen Sie das ganze Haus. Ich würde nie einen

Deserteur beherbergen.«

»O du lieber Himmel!« stöhnte der arme Mulatte und stützte sich mit dem

Ellenbogen an das nämliche Faß, in dem Baptiste versteckt lag, »wer wird

meiner armen Herrschaft helfen?«

»Kommen Sie nur, Señores,« sagte Renard, dem jetzt nur daran lag, die Leute

aus dem Laden zu bringen, weil er sich ziemlich sicher wußte, daß sein

Landsmann die ihm vergönnte Zeit zur Flucht benutzen würde. Die Soldaten, in

der Hoffnung, den Entsprungenen zu finden, folgten ihm auch rasch; kaum

hatten sie aber den unteren Raum verlassen, als Antonio, wie von einer Schlange

gestochen, zurückschrak, denn aus dem Fasse heraus ergriff eine Hand seinen

Arm — aber eine Stimme flüsterte gleich darauf:

»I c h helfe Dir, Camerad! Komm!« Mit e i n e m Satze war der Franzose aus

seinem Verstecke heraus, ergriff das Ruder, nahm, ohne besonders wählerisch zu

sein, noch ein anderes von den dort lehnenden, das er dem Mulatten in die Hand

drückte und zog den armen Teufel, der gar nicht wußte, was er von dem Allem

denken sollte, mit sich und durch die Hinterthüre in's Freie hinaus.

Er bedurfte keiner langen Zeit, um sich mit dem Mulatten zu verständigen.

»Kennst Du mich nicht mehr, Tonio?«

»No, Señor! — Es ist dunkel —«

»Hast Du Baptiste vergessen?«

»O Señor Batista — unsere arme Señora —«

»Komm, mein Bursche! So lange Leben da ist, so lange ist Hoffnung, und wenn

wir nicht zu helfen vermögen, so können wir dem schurkischen Fosca

wenigstens ein Messer in den Giftbalg rennen. Ich bin heute Abend gerade bei

Laune. Hast Du ein Canoe?«

»Ein gutes, großes Canoe — läuft wie der Wind.«

»Können wir damit in See gehen?«

»In See? — Ich weiß nicht — große Wellen in See.«

»Bah! Besser ersoffen als nach Buenaventura,« sagte Baptiste. — »Wo liegt

Dein Canoe?«

»Gleich dort drüben an dem Sandbluff.«

»Wenn wir nur Jemanden hätten, der bereit stände.«

»Teresa!« sagte der Mulatte rasch.

»Gut — und noch ein Ruder soll sie mitnehmen. Fort mit Dir! Ich bleibe hier so

lange unter dem Hause, bis Du zurückkommst.«

Der Mulatte flog mehr als er ging die Straße hinab und Baptiste drückte sich in

den Schatten des nächsten Ueberbaues, wo er auch eine Entdeckung nicht zu

fürchten hatte, denn um alle d i e Plätze abzusuchen, würden die Soldaten eine

ganze Nacht gebraucht haben. Antonio blieb aber auch nur wenige Minuten.

»Was nun, Master? — Was können wir zwei gegen alle die Soldaten ausrichten?

— Sie werden u n s todtschießen und die arme Señora doch mit fortschleppen.«

»W a s wir machen können, Camerad, weiß ich selber noch nicht,« lachte

Baptiste in tollem Uebermuth. »Das muß der Augenblick geben. Ich fühle mich

aber aufgelegt, mit einer ganzen Rotte der feigen Schufte anzubinden, und kann

ich die Unglücklichen nicht befreien, so liefere ich mich selber wieder an den

Schooner aus, denn sie sollen d i e Reise nicht ohne einen Freund an Bord

machen.«

»S i e sind von dem Schiffe entflohen?«

»Bst, Camerad! Jetzt ist keine Zeit zum Geschichten erzählen. Wo ist des

Alkalden Haus?«

»Gleich dort drüben. Sowie wir um diese Ecke biegen, liegt es vor uns.«

»So komm!« flüsterte Baptiste. — »Wenn ich erkannt werden sollte und fliehen müßte, findest Du mich gleich nachher unter dem nämlichen Hause wieder, wo

ich eben auf Dich gewartet habe. Die Schufte werden auch das ganze Haus

geplündert haben.«

»Das Beste hat die Señora gerettet,« rief Antonio rasch, »ein Kästchen, das sie

mir zum Aufheben gegeben.«

»Und wo ist das?«

»Teresa nimmt es mit zum Canoe.«

»Bravo, mein Junge! Das war gescheit und nun vorwärts.«

In der Straße, in welche sie einbogen, war Alles todtenstill und Baptiste blieb

zögernd stehen. — Die Gefangenen mußten schon fortgebracht sein, denn sie

hätten sonst wenigstens Soldaten sehen müssen. Antonio ergriff seinen Arm und

drückte ihn leise.

»Bleibt hier einen Augenblick,« flüsterte er, »ich bin gleich zurück!« und wie ein

Pfeil glitt er über die dunkle Straße hinüber und dann dicht an der anderen Seite

hin, bis zu des Alkalden Haus. Aber schon nach wenigen Secunden kehrte er

zurück. Kein Mensch war mehr dort zu sehen, die Gefangenen mußten schon an

Bord geschafft sein.

»Dann sei Gott uns gnädig!« flüsterte Baptiste zwischen den

zusammengebissenen Zähnen durch. »Ich habe mein Wort gegeben, und beim

Himmel, ich will es halten.«

»Was wollt Ihr thun, Señor?«

»Ich kehre an Bord zurück. Allein und freudlos sollen die armen Menschen ihren

Feinden nicht überantwortet werden. Wo liegt Dein Canoe?«

»Gleich dort drüben, Señor, etwas oberhalb der Schiffe. O meine arme, arme

Señora!«

»Wo stand ihr Haus früher?«

»Wenn wir durch diese Gasse gehen, kommen wir daran vorbei. — O so schön

war es dort! So lieb und freundlich, bis die bösen, bösen Menschen kamen.«

»Fort! fort! Wir dürfen hier nicht länger zögern. — Komm dort vorbei, vielleicht

hören wir noch etwas von ihnen. Was liegt auch daran, ob ich der Patrouille

begegne.« Und mit raschen Schritten, fast in einem halben Lauf, rannte er die

Gasse hinab, mit Antonio an seiner Seite.

»Dort liegt das Haus.«

»Da ist noch Licht darin,« rief Baptiste überrascht.

»Sie werden es völlig plündern. Señor Fosca läßt nichts zurück, denn seit ihn

mein Herr in Bogota wegen Unterschlagung und Betrug in's Gefängniß werfen

ließ, hat er eine furchtbare Wuth auf ihn bekommen.«

»Also deshalb? Wahrhaftig, sie tragen Sachen herunter. Komm, Antonio, wir

wollen ihnen helfen.« Und rasch entschlossen, wie er immer war, schritt er, von

dem Mulattenburschen aber nur scheu gefolgt, gerade über die Straße hinüber,

wo er einen Soldaten mit einem Pack traf, während der andere gerade wieder die

Leiter hinaufstieg.

»Aber Muchachos,« redete er den Burschen wie ärgerlich an, — »was vertrödelt

Ihr die Zeit hier auf eine so nichtswürdige Weise? Wißt Ihr nicht, daß sie an

Bord auf Euch warten?«

»Pero Señor!« sagte der Bursche ganz erstaunt seinen Offizier ansehend. —

»Sind Sie denn nicht fortgelaufen? Caracho! Sie werden doch in der ganzen

Stadt gesucht!«

»Du faselst wohl?« rief Baptiste. »Marsch mit Euch! Der Commissair wird

wüthend werden.«

»Aber der Commissair hat uns ja eben erst noch einmal heraufgeschickt. Er will

Alles mitnehmen, ehe er die Gefangenen an Bord schafft.«

»Hat er die n o c h nicht drüben?« rief der Franzose wie ärgerlich, »das ist ja rein

zum rasend werden mit der Langweiligkeit. Wer ist noch bei ihm?«

»Weiter Niemand als sechs von unseren Leuten, zum Rudern und zur

Bewachung.«

»Aber ein Boot hat er doch?«

»Ja, von der Galeotte ist eins herübergeschickt. Das ist eben die Mannschaft,

denn die Anderen sind den Fluß hinauf, weil sie glaubten, daß S i e nach Ecuador

hinüber wollten.«

»Ich nach Ecuador? Unsinn!« rief Baptiste, mit wenigen Schritten die Stufen

hinauffliegend. Dort überraschte er den zweiten nicht minder als seinen

Cameraden, durch sein Erscheinen, aber er ließ ihn gar nicht zu Worte kommen.

»Fort mit Dir, Bursche!« rief er. »Die Zeit vergeht! Wir müssen zum Boot!«

Ohne Weiteres das Bettzeug von einem der Gestelle nehmend, trug er es an die

Treppe und warf es hinunter. — »Hier, Antonio, trage das!« — Dann griff er das

andere auf, hob es sich auf den Kopf, und folgte damit ebenfalls.

Der Soldat wagte natürlich keinen Einspruch. Wie konnte er auch? Daß sein

Vorgesetzter den Befehl in die Hand nahm, verstand sich von selbst, und daß es

geheißen hatte, er sei desertirt — lieber Gott! an Bord der Schiffe herrschte

überhaupt so viel Confusion, daß ein solcher kleiner Mißgriff nicht einmal zu

den Unwahrscheinlichkeiten gehörte. Daß aber der Offizier solche Eile hatte,

beunruhigte ihn, denn die Soldaten trauten noch immer dem Frieden nicht in der

Stadt. War etwas vorgefallen? Wenn sie hier abgeschnitten und beim Plündern eines Hauses gefaßt wurden, konnte es ihnen schlecht gehen. In aller Hast griff