Erlebtes und Fiktives

Aida Vita · Kapitel 2 von 27

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Erlebtes und Fiktives

Anonymität verleitet zur Feigheit - Eine fiktive Geschichte

Anonymität verleitet zur Feigheit - Eine fiktive

Geschichte

 

Meine Freundin Gabi, über die ich jetzt berichten möchte, hatte schon seit vielen Jahren ein gestörtes Verhältnis zum anderen Geschlecht. Sie glaubte nicht nur, daß es das stärkere Geschlecht sei, nein, sie behauptete auch, Männer neigten in ausgeprägter Form zur Feigheit. Schuld daran waren zwei gescheiterte Ehen. Nachdem sie die Erziehung ihrer zwei Kinder abgeschlossen hatte -wie sie es nannte - und nachdem sie des Lebens ohne einen Mann an ihrer Seite müde war, folgte sie meinem Rat und kaufte sich einen Computer. Sie hatte schon viel davon gehört, daß man im Internet Bekanntschaften machen könne und wenn es der Zufall will, könnte vielleicht sogar der „ Herz-Bube“ dabei sein. Gabi wollte nun ihrerseits Erfahrungen mit der neuen Technik sammeln. Sie gab eine Anzeige im Internet auf - mit Bild- , auf dem sie zwar einige Jahre jünger war, ihrer Meinung nach hatte sie sich jedoch unwesentlich verändert. Daraufhin erhielt sie einige Zuschriften von mehr oder weniger abenteuerlustigen Männern; einige Herren der Schöpfung hatten auch ein Bild von sich eingefügt. Einer gefiel ihr besonders gut. Es war Robert, ein anscheinend erfolgreicher, reiselustiger Geschäftsmann, der angeblich kein Abenteurer war. Als Gabi mir von ihrer“ e-mail-Freundschaft“ berichtete, leuchteten ihre Augen. Ja, sie fühlte es ganz deutlich, dieser Mann wird ihr Schicksal sein. Beide schickten sich fast täglich Briefe im Internet hin und her, sie lernten einander kennen - wie es denn auf eine solche anonyme Art und Weise möglich ist. Das Interesse am Gegenüber wuchs mit jedem neuen Brief. Es dauerte noch weitere drei e-mails lang bis ein persönliches Treffen arrangiert werden konnte. Treffpunkt und Zeit wurden vereinbart, auch ein Erkennungszeichen. Gabi sollte eine rote Bluse an diesem denkwürdigen Tag tragen, Robert eine neue Ausgabe der Tageszeitung unter einem Arm. Endlich kam der von beiden lang herbeigesehnte Tag. Gabi rief mich morgens an, äußerte mir gegenüber zwar einige Bedenken wegen dieser ungewöhnlichen Art des Kennenlernens, ließ sich aber von mir beruhigen und ging - ganz die ‘Coole’ spielend - zum Eingang des Theaters unserer Stadt, dem Ort der Verabredung. Was sie dort erlebte, bestärkte sie in ihrer Meinung über das andere Geschlecht. Während sie an dem vereinbarten Platz wartete, ihre Unruhe mühsam verbergend - weit leuchtete das Rot ihrer Bluse- sah sie Robert auf sie zukommen. Sie war ganz sicher, dass ER es war. In der rechten Hand trug er die vereinbarte Zeitung. Als er sich ihr bis auf wenige Meter genähert hatte, steckte er seine Zeitung in die Aktentasche der linken Hand und ging, Gabi keines Blickes würdigend, an ihr vorbei. Gabis Lächeln erstarrte augenblicklich. Sie war zu überrascht, um ihm noch etwas hinterherzurufen. Dieses Erlebnis mit Robert hat Gabi in ihrer Meinung, Männer seien feige, noch weiterhin bestärkt.