Erlebtes und Fiktives

Aida Vita · Kapitel 5 von 27

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Erlebtes und Fiktives

Eine Schamanen-Zeremonie - Eine wahre Geschichte

Eine Schamanen-Zeremonie - Eine wahre

 

Geschichte

 

Während meiner Besichtigungsreise durch Mexiko im Jahre 2008 informierte unsere Reiseleiterin die Gruppe auch über Schamanen, die es vor allem noch in Mexiko gibt. Es sind Menschen, die eine besondere Fähigkeit haben zu heilen, indem sie sich in Trance begeben, um in eine Interaktion mit Geistwesen zu treten. Die Schamanen nehmen also eine Mittlerrolle zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt ein, zum Wohle der Gemeinschaft, in der sie leben. Um in Trance zu fallen, bedienen sich die Schamanen bestimmter ritueller Handlungen. Dazu gehören Beschwörungsformeln, um den Kontakt zur Geisterwelt herzustellen. Während ihres Trance-Aktes und dem Abbrennen von Räucherwerk rufen sie die Geister an und bitten um Heilung, des Kranken, für den sie sich einsetzen.

Unsere Reisegruppe hatte Gelegenheit, eine solche Zeremonie mitzuerleben. Zu unserem Programm gehörte neben der Besichtigung eines Indianer-Marktes auch die einer indianischen Kirche. Wir betraten einen Rundbau, dessen Boden mit Heu ausgelegt war. Das Heu sollte verhindern, dass Besucher Schmutz von der Straße mitbringen, der Steinboden sollte sauber bleiben. In diesem Raum hatten circa 7 Schamanen ihre jeweiligen Altäre aufgestellt. An der Wand hingen Bilder von Personen, die der jeweilige Schamane verehrte. Auf dem Boden waren viele brennende Kerzen mit Wachs befestigt. Bei unserem Rundgang konnten wir Zeuge eines Rituals werden. Ein Schamane kniete auf dem Boden und während er seinen Körper auf- und ab bewegte, sein Blick auf das Bild an der Wand gerichtet, murmelte er Beschwörungsformeln. Um ihn herum brannten Räucherstäbchen und Kerzen. Er

machte nur kleine Pausen, in denen er mit einer neben ihm sitzenden Frau sprach und sich ihr Gesicht betrachtete. Während der Schamane längere Zeit mit seinen Beschwörungsformeln beschäftigt war, konnten wir uns die Frau, offensichtlich seine Patientin, näher ansehen. Sie trug ein weites Gewand in der Art wie sie Bauersfrauen tragen. Unter dem Rock lugte ein Huhn hervor, das sich zwar bewegte, aber keinen Laut von sich gab. Nach einiger Zeit nahm der Schamane das Huhn, schwenkte es mehrere Male über eine brennende Kerze, murmelte etwas dazu und ---während das Huhn wie gebannt immer noch keinen Laut ausstieß--- drehte er ihm den Hals um und gab es der Frau zurück. Wir Zuschauer waren fasziniert von dem Geschehen, wollten aber natürlich unbedingt eine Erklärung für den Opfertod des Federviehs haben. Welche Rolle hatte es gespielt? Dazu erklärte uns die Reiseleiterin Folgendes: Nach dem Glauben der Schamanen – und ihrer Patienten—wird das Böse, das den Menschen befallen hat, in Form einer Krankheit, durch den Kontakt des Schamanen mit Geistern der jenseitigen Welt auf das Huhn übertragen. Nun ist also das Huhn von dem Bösen besessen und muß daher getötet werden. Es darf auch nicht gegessen werden, sondern muß entsorgt werden. Auf diese Weise wurde die Frau von ihrem Leiden geheilt—so glauben es jedenfalls die Menschen, die Hilfe bei einem Schamanen suchen.