Erlebtes und Fiktives

Aida Vita · Kapitel 4 von 27

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Erlebtes und Fiktives

Ein „Fahrgast“ ohne Fahrschein (beruht auf einer wahren Begebenheit)

Ein „Fahrgast“ ohne Fahrschein (beruht auf einer

wahren Begebenheit)

Die Insel Mauritius war im letzten Winter mein Reiseziel. Ich wollte endlich dem scheinbar endlosen Winter in meinem Heimatland entrinnen. Groß war meine Sehnsucht nach der Sonne . Ich hatte begonnen, den Schnee, den ich auch liebte, zu hassen. Mauritius enttäuschte mich nicht. Statt 20 Grad Minus erwarteten mich dort 34 Grad Plus. Es dauerte einige Tage bis ich mich an die herrschende Hitze gewöhnt hatte. Zum Abkühlen konnte man jederzeit ins Meer springen, das stellenweise ----ich hätte das nie gedacht--- doch etwas zu warm war, aber das bezog sich nur auf einige Stellen.

Nachdem ich nun die Umgebung rund ums Hotel kennen gelernt hatte mit allen Annehmlichkeiten, die es bot, beschloss ich , einmal mit dem Express-Bus in die Hauptstadt, Port Louis, zu fahren und mich dort ein bisschen umzusehen. Gedacht, getan. Bald saß ich in einem Bus, dem man ansah, dass er schon viele Tausend Kilometer gefahren war und der schon viel „erlebt“ haben musste, denn an einigen Stellen rostete er vor sich hin, ja an der Vorderfront im unteren Teil konnte ich ein Loch erspähen. Zuerst dachte ich, das sei eine neue Variante, um etwas Luft ins Innere zu bekommen, aber dem war nicht so. Das Blech war einfach durchgerostet. Es passte alles gut zusammen. Das Alter hatte die kaputten Stellen verursacht------aber das störte mich nicht wirklich. Ich setzte mich in die 1. Reihe schräg gegenüber einer Kabine, in der der Busfahrer saß. Bevor die Fahrt losging, kassierte er und dann ging es über Landstraßen Richtung Hauptstadt. Dabei konnte ich mir die ungewohnte Landschaft ansehen. Zuckerrohr wird hauptsächlich auf Mauritius angebaut und so sah ich viele Kilometer weit grüne Flächen, Zuckerrohr im Wachstum. Plötzlich sprang die vordere Bustür während der Fahrt durch eine Kurve laut krachend auf und blieb offen stehen. Zu meinem großen Erstaunen geschah seitens des Busfahrers nichts, um die Tür wieder zu schließen. Er kümmerte sich überhaupt nicht um dieses Problem. ‚In Deutschland wäre so etwas unmöglich gewesen, durchorganisiert wie mein Heimatland ist’ dachte ich. ‚Zumindest hätte der Busfahrer angehalten und hätte versucht, diesen Fehler zu beheben’. Doch „unser“ Fahrer fuhr ungerührt weiter. Ich war gespannt, wie die Fahrt mit der offenen Tür direkt vor mir weitergehen sollte. ‚Die frische Luft ist auch nicht schlecht’ ‚ schoss es mir geduldig wartend durch den Kopf . ‚Hitze haben wir schließlich genug während des ganzen Tages.’ Die nächste Kurve kam und ich sah und hörte wie die Bustür wieder krachend zuflog. ‚Das scheint hier wohl so üblich zu sein. Daher interessiert sich der Fahrer nicht für solche Kleinigkeiten. Andere Länder, andere Sitten.’ Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Ich war schon gespannt auf die nächste Kurve. Es passierte das Gleiche wie vor 2 Kurven: krachend flog die Bustür wieder auf. Nun war ich aber schon etwas daran gewöhnt und dachte nicht weiter darüber nach bis ich einen Hund auf dem Gehsteig neben dem Bus rennen sah. Niemand rief ihn, niemand schien für ihn zuständig zu sein. Der Zufall wollte es, dass der Busfahrer an einer roten Ampel halten musste. Da kitzelte mich mein „kleines Teufelchen“ ----was übrigens ab und zu mal bei mir vorkommt--- und ich rief und lockte den Hund in unseren Bus hinein. Dieser sprang auch mit einem Satz in den Bus. Der Busfahrer hatte den neuen „Fahrgast“ offensichtlich zu spät bemerkt , da er –als die Ampel nun auf grün schaltete—weiter fuhr. Aber er hatte den Hund offensichtlich aus einem Augenwinkel bemerkt, denn er war überhaupt nicht einverstanden, nun einen Hund in seinem Bus zu haben und dazu noch einen Fahrgast, der nicht zahlt. Er schimpfte in lauten Tönen, ich verstand nicht viel, nur dass er mit der neuen Fracht überhaupt nicht einverstanden war. Dabei warf er einen schrägen Blick nach hinten auf mich . Ich tat so, als hätte ich das beste Gewissen der Welt und hielt mein heimliches Lachen zurück. Dem Hund schien es unter den Fahrgästen bestens zu gefallen. Die Mitfahrenden lockten ihn mit essbaren Kleinigkeiten und Streicheln und wir alle hatten eine entspannte und lustige restliche halbe Stunde bis nach Port Louis, wo unsere Fahrt endete. Vorher gab es keine Haltestelle mehr und so nahm der Fahrer des Express-Busses, nachdem er sich nach seiner nutzlosen Schimpfkanonade wieder beruhigt hatte, den ungewöhnlichen Fahrgast mit bis zur Endstation.

Leider habe ich keine Kenntnis davon, wie es dem Vierbeiner weiter ergangen ist. Vielleicht lebt er jetzt besser in der Hauptstadt des Landes ?? Jedenfalls hatte ihm die Busfahrt nicht schlecht gefallen.